Seit Samstag regieren die Narren im Rathaus von Heusenstamm. Die Fastnachter von Feuerwehr, „Kersch“ und der Karneval Klub Disharmonie (KKD), begleitet von vielen kostümierten Heusenstammern und der Blaskapelle des TSV, hatten sich zusammengetan, um das Rathaus zu übernehmen, fanden aber die Verwaltung gut gerüstet. Bürgermeister Steffen Ball, Erster Stadtrat Paul Sassen sowie Mitarbeiter der Verwaltung erwarteten sie auf einem Pritschenwagen, der die Einfahrt zum Schloss blockierte.
Verstärkt durch das Funkie-Kanönchen drohte man dem Bürgermeister: „Die Funke-Kanönchen sind auch wieder mit dabei und schießen uns den Weg jetzt frei. Du kannst hamfahren ins Ostend und heule zu Hause. Denn wenn wir hier fertig mit unserem Geschwätz, dann räumst du das Rathaus. So willst du das Gesetz. Du mächst doch auch Fasnacht, bist einer von uns. Das wird heute e kurz keine Nummer. Zack, fertig, bums! Wir sind heute gekommen, um hier euch zu sagen, was sich die Leute im Ort so fragen. Ob hier auch geht, was irgendwann weiter. Weil so richtig bewegt sich nichts, leider. Es wird gered´ und versprochen sehr viel. In Wahrheit ist es doch eher ein Trauerspiel. Eigentlich wird nur rumgeeiert. Und jedes kleinste Ereignis als großer Erfolg gefeiert. Das nehmen wir nicht länger hin. Wir wollen jetzt ins Schloss erin. Hisst besser sofort die weiße Fahne. Denn was sonst kommt, das wollt ihr nicht erahnen. Das Rathaus erobern werden wir im Handumdrehen. Das geht ganz schnell. Ihr werdet es schon sehen. Wir meinen es ernst. Werd endlich wach. Funk-Kanönche, macht einen Donnerschlag!“ Sie erinnerten an die Feier „ Zukunftsbahnhof Heusenstamm“, bei dem lediglich die Zugzielanzeige erneuert wurden. „Gesperrt war auch der Durchgang über ein halbes Jahr. Aber die meiste Zeit war zum Umbau gar keiner da“.
Auch der ewige Umbau der Ludwigstraße wurde bemängelt und die neue Feuerwache werde wohl erst in 20 bis 30 Jahre realisiert. Aber so leicht gab sich die Verwaltung nicht geschlagen: “Ihr kommt hier vor das Rathaus mit Trommel und Blech. Am liebsten wäre mir, ihr wärt wieder weg. Ich sage es euch, ihr Komiker. Hört mir gut zu: Macht euch vom Acker, lasst uns in Ruhe. Wir sind ganz entspannt. Halten lässig die Wacht. Weil ganz Heusenstamm über euer Stürmchen lacht. Ihr redet vom Stillstand, vom Chaos und Frust. Doch glaubt mir Leute, wir all hier haben auf Heusenstamm Lust. Denn während ihr knottert, einmal im Jahr, machen wir 24-7 Heusenstamm klar. Gleichwohl seid willkommen, ihr bunte Schar. Im Schloss, im Rathaus, wie jedes Jahr. Doch merkt euch eins, ehe es jetzt weiter geht, dass das Rathaus an euch nicht kampflos übergeben. Selbst zum Rathaus-Sturm vor unserem schönen Schloss, kommt ihr nur mit dem Mini-Tross. Wenn‘s so weitergeht, bleiben meine Leute künftig daheim. Dann verteidig ich das Rathaus ganz allein“. So ging es einige Zeit hin und her. Und schließlich folgte das letzte Ultimatum an die Verwaltung: “Übergebt uns die Schlüssel und die Kasse, aber bitte net so wie letztes Jahr, denn das wär echt krass. Nicht ein einziger Taler fürs Volk war noch da. Alles habt ihr verprasst im laufenden Jahr, selbst der Heidu konnt‘s net glauben und hat vor Schreck grad erblassen, ob des de Grund war, warum er sein Amt hat verlassen. Egal, jetzt hoffen wir mal, dass der neue Kämmerer Sassen in diesem Jahr hat hoffentlich ein bisschen was mehr drin gelassen“.
Steffen Ball gab klein bei, hisste die weiße Fahne und übergab den Schlüssel. Allerdings war in der Stadtkasse kaum mehr als im vergangenen Jahr drin – nur Schokoladentaler.
(Text: ah)

