Modell für bezahlbaren Wohnraum im LaDaDi

Solche Gebäude wie hier im Landkreis Gießen in Lich wären nach der Nutzung für die Unterbringung von Flüchtlingen auch im Landkreis Darmstadt-Dieburg als bezahlbarer Wohnraum denkbar. (Foto: Landkreis Darmstadt-Dieburg)

Die Zahlen, die im vergangenen Jahr beim zweiten Wohnungsgipfel des Landkreises Darmstadt-Dieburg zum Thema bezahlbarer Wohnraum genannt wurden, sprachen Bände: Die Einwohnerzahl im Landkreis ist von 2014 bis 2024 um 4,8 Prozent gestiegen, der Bestand an Wohnungen aber im selben Zeitraum nur um 2,7 Prozent. Die Mieten sind in diesen zehn Jahren um 35 bis 40 Prozent gestiegen, die Leerstandsquote betrug für längerfristig leerstehende Immobilien aber nur 1,5 Prozent. Der Leerstand ist also nicht das Problem, sondern das Angebot an bezahlbarem Wohnraum.


Kreisbeigeordnete und Sozialdezernentin Christel Sprößler sieht ein „Marktversagen“ – und hat nun ein Modell ähnlich dem des Landkreises Gießen vorgelegt, das diesem Mangel an bezahlbarem Wohnraum entgegenwirken soll. „In Mittelhessen funktioniert dieses Modell bereits sehr gut, deshalb können wir von den Erfahrungen dort profitieren“, sagt Sprößler. Das Modell in Darmstadt-Dieburg ruht auf drei Säulen.

Mittel für die Unterbringung von Flüchtlingen nutzen

Zum einen könnten die Mittel für die Unterbringung von Flüchtlingen für die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum genutzt werden. „Wir haben aktuell rückläufige Flüchtlingszahlen, befinden uns also in einer Phase, in der wir uns gut konsolidieren können“, sagt Sprößler. „Wir bereiten uns aber auch auf den Tag vor, an dem wieder mehr Zuweisungen kommen könnten. Dafür wollen ein Modell zu schaffen, das nachhaltiger ist“, erklärt sie, „denn auf der einen Seite haben wir einen Mangel an bezahlbarem Wohnraum und auf der anderen Seite bekommen wir eine Landesförderung, um Geflüchtete unterzubringen. Die Unterbringung erfolgt bisher in Gemeinschaftsunterkünften, die von Externen betrieben werden. Wenn wir wenigstens einen Teil der Mittel in die Schaffung von Wohnraum investieren würden, der im Anschluss an die Unterbringung von Geflüchteten als bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung stehen würde, hätten wir einen Anfang gemacht.“
So könnten Ein- oder Zwei-Zimmer-Wohnungen entstehen. Bevorzugt für Senioren, wie Christel Sprößler erklärt. „Wohnortnah und bezahlbar“, sagt sie. Die Gebäude würde der Kreis errichten, der sich auch um eine zusätzliche Förderung bemühen würde, etwa durch die WIBank des Landes. „Das Konzept zur Umsetzung wird derzeit entwickelt. Wenn es fertiggestellt ist, werden wir auf die Städte und Gemeinden zugehen“, sagt Sprößler.

Eventuell Förderprogramm des Kreises

„Wer es mit Wohnraum ernst meint, der muss ihn auch fördern“, sagt Christel Sprößler zu der Initiative des Kreises, die aber auch die Kommunen miteinbeziehen würde. Eine Miete von sieben Euro pro Quadratmeter sei so möglich. Zum Vergleich: Im Landkreis wurde 2023 noch bezahlbarer Wohnraum mit 129 neuen Wohnungen mit einer Miete von 7,50 bis 9,80 Euro pro Quadratmeter gefördert, 2024 waren es aber nur noch 36 Wohnungen, für die eine Förderung beantragt worden war. Die Mieten lagen zwischen 8,50 und 8,55 Euro. Mit dem Modell wäre die Miete also nochmal günstiger und die Kommunen sind nicht mehr von Investoren abhängig, die eventuell bezahlbaren Wohnraum schaffen. Eventuell sei auch sei auch ein Förderprogramm denkbar, mit dem der Landkreis Neubauten und Sanierungen fördere – zusätzlich zu anderen Förderungen, die von den Kommunen beantragt werden können. „Wir müssen Anreize schaffen“, sagt Sprößler.

Zusammenarbeit mit Kommunen in einer Gesellschaft

Dritte Säule des Konzepts ist der Ausbau der Interkommunalen Zusammenarbeit, an der alle Kommunen mitwirken könnten. Dies hat der Wetteraukreis bereits erfolgreich umgesetzt. Ziel dieser Gesellschaft ist nicht der Wohnungsbau, sondern „die bessere Vernetzung, ein Wissensaustausch, um so eventuelle Investoren mit den Kommunen zusammenzubringen“, erklärt Sprößler. Der angespannte Wohnungsmarkt biete keinen Platz für Kirchturmdenken. „Der Kreis kann die Kommunen baurechtlich fitter machen, wir können uns vernetzen, um den Anforderungen gerecht zu werden. Denn bezahlbarer Wohnraum ist schließlich nicht das Problem des Kreises oder einzelner Kommunen. Es geht uns alle an“, sagt Sprößler, „und deshalb sind wir auch dankbar, dass wir von anderen Landkreisen lernen können.“

(Text: PM Landkreis Darmstadt-Dieburg)