Darmstadt-Dieburg startet Artenschutzprojekt für den Gartenschläfer

Der Gartenschläfer in seiner natürlichen Umgebung. (Foto: Detlev Warren, Landschaftspflegeverband Darmstadt-Dieburg e.V.)

Mit einem neuen Artenschutzprojekt rückt der Landkreis Darmstadt-Dieburg einen besonderen heimischen Gartenbewohner in den Fokus: den Gartenschläfer. Das Projekt wurde von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises beauftragt und wird aus Naturschutzmitteln des Landes Hessen finanziert, die dem Landkreis zur Verfügung stehen. Umgesetzt wird es durch den Landschaftspflegeverband Darmstadt-Dieburg e.V. (LPV DaDi).


Der Gartenschläfer – auch „Zorro“ genannt – ist ein etwa faustgroßer, nachtaktiver Kleinsäuger mit auffälliger schwarzer Gesichtsmaske und großen dunklen Augen. Er lebt bevorzugt in strukturreichen Gärten, Hecken, Streuobstwiesen und an Waldrändern. Den Winter verbringt er in Baumhöhlen, Steinhaufen oder speziellen Nistkästen, sogenannten Bilchkästen. Trotz seiner Anpassungsfähigkeit gilt er in Deutschland als stark gefährdet. In den vergangenen 30 Jahren sind die Bestände europaweit um mehr als 50 Prozent zurückgegangen. Schätzungen zufolge leben 10 bis 30 Prozent der weltweiten Population in Deutschland – eine besondere Verantwortung auch für Hessen und den Landkreis Darmstadt-Dieburg, der zu den Regionen mit vermutlich noch größeren Vorkommen zählt.

120 Bilchkästen für bessere Daten und mehr Schutz

„Wir wissen bislang noch zu wenig darüber, wo genau der Gartenschläfer im Landkreis vorkommt und wie stabil die einzelnen Bestände sind“, erklärt Anja Eirich, Projektmitarbeiterin des Landschaftspflegeverbands Darmstadt-Dieburg. „Unser Ziel ist es, belastbare Daten zu gewinnen und gleichzeitig ganz konkrete Verbesserungen für den Lebensraum dieser faszinierenden Art zu schaffen.“

Dazu werden in den Kommunen Erzhausen, Griesheim, Pfungstadt, Mühltal, Seeheim-Jugenheim und Alsbach-Hähnlein insgesamt 120 Bilchkästen aufgehängt. Diese dienen nicht nur als Unterschlupf, sondern werden in den kommenden Jahren regelmäßig kontrolliert, um neue Nachweise zu erfassen.

„Mit den Bilchkästen schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe“, so Eirich weiter. „Wir unterstützen den Gartenschläfer ganz praktisch, indem wir zusätzliche Nistmöglichkeiten schaffen, und erhalten zugleich wichtige Erkenntnisse über seine Verbreitung. Jede belegte Kiste hilft uns, das Puzzle ein Stück weiter zusammenzusetzen.“ Besonders wichtig sei dabei die Zusammenarbeit mit den Kommunen und lokalen Akteurinnen und Akteuren. „Artenschutz funktioniert nur gemeinsam. Wir möchten die Menschen vor Ort mitnehmen, informieren und begeistern. Der Gartenschläfer ist eine sympathische Art – und er lebt oft näher bei uns, als wir denken.“

Artenschutz beginnt im eigenen Garten

Auch für Gartenbesitzerinnen und -besitzer hat der kleine Bilch eine positive Seite. Schnecken und Blattläuse stehen weit oben auf seinem Speiseplan. „Der Gartenschläfer ist ein echter Profi in der natürlichen Schädlingsregulierung“, betont Eirich. „Wer ihm einen naturnahen Garten mit Hecken, Totholzhaufen und einem vielfältigen Insektenangebot bietet, profitiert selbst davon. Gleichzeitig leisten Bürgerinnen und Bürger damit einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz.“

Landkreis setzt auf gemeinsame Verantwortung

Der Vize-Landrat Lutz Köhler unterstreicht die Bedeutung des Projekts: „Der Schutz des Gartenschläfers ist ein gutes Beispiel dafür, wie wir Verantwortung für die biologische Vielfalt in unserer Region übernehmen. Die Mittel des Landes Hessen ermöglichen es uns, gezielt dort zu handeln, wo wir eine besondere Verantwortung tragen.“

Einladung zum Informations- und Vernetzungsabend

Ein wichtiger Baustein des Projekts ist zudem eine öffentliche Informations- und Vernetzungsveranstaltung am 12. März 2026 in der Naturschutzscheune Reinheimer Teich. Dort sollen Fachvorträge Einblicke in die Lebensweise des Gartenschläfers geben, laufende Aktivitäten vorgestellt und gemeinsam weitere Schutzmaßnahmen diskutiert werden.
„Wir möchten Wissen bündeln, Menschen miteinander ins Gespräch bringen und neue Mitstreiterinnen und Mitstreiter gewinnen“, sagt Eirich. „Je mehr wir über den Gartenschläfer wissen und je mehr naturnahe Lebensräume wir schaffen, desto größer sind seine Chancen, auch künftig ein fester Bestandteil unserer heimischen Tierwelt zu bleiben.“

(Text: PM Landkreis Darmstadt-Dieburg)