
Die meisten Zuschauer im Rathaus-Saal dürften von dem, was nach der letzten Münsterer Parlamentssitzung vor der Kommunalwahl tagelang die Gemüter erhitzen sollte, gar nichts mitbekommen haben. Die Tagesordnung der Versammlung war bereits abgehakt, da teilten für die CDU Marcus Milligan und für die SPD Elke Müller zwei langjährige Gemeindevertreter in persönlichen Erklärungen ihren Abschied aus dem Gremium mit. In beiden Fällen folgten Standing Ovations aller Fraktionen – mit Ausnahmen: Bei Müllers Abschied nach 37 Jahren im Ortsparlament blieb bei der CDU eine kleine Minderheit sitzen. Vor allem, dass sich Fraktionschef Thorsten Schrod und sein Stellvertreter Thomas Heinz nicht erhoben und „nur“ für Müller klatschten, sorgte bei der SPD für Unmut. Per Pressemitteilung attackierte die Partei das Duo scharf – woraufhin Schrod und Heinz antworteten.
Ein „Bild der Ignoranz“ nannte es die SPD, dass Schrod und Heinz nicht für Müller aufgestanden seien. „Besonders bitter aufgestoßen“ sei das im Kontrast dazu, dass sich die Fraktionsspitze der CDU wenig später von ihren Stühlen erhob, um Milligan zu würdigen. Für die Genossen war „das selektive Aufstehen ein Schlag ins Gesicht des Ehrenamts“. Es zeige, dass „Respekt und Anstand bei Thorsten Schrod und seiner Führungsriege offenbar an das Parteibuch gebunden sind“. Gar einen „traurigen Tiefpunkt der politischen Kultur“ in Münster sah die SPD erreicht.
Schrod wollte das auf Nachfrage so nicht stehenlassen. Er verwies auf zwei verletzte Knie und darauf, dass er an diesem Abend bereits mehrmals zum Rednerpult gelaufen und dort stehend Wortbeiträge gehalten habe. „Einen Verletzten so in der Öffentlichkeit bloßzustellen, ist unterirdisch, absolut schäbig!“, so Schrod. Dies sei „das Allerletzte, was ich in zehn Jahren von der SPD erlebt habe!“ Bei Milligan, der sich nach Müller verabschiedete sei er „am Ende deshalb aufgestanden, weil dann auch die Sitzung vorbei war“.
Thomas Heinz ärgerte sich gleichsam über die Vorwürfe: „Ich bin sitzengeblieben, weil mir das alles zu viel Show war.“ Das gelte auch für Milligan, „da bin ich nur deshalb aufgestanden, weil uns das sonst sofort wieder als Uneinigkeit in der CDU ausgelegt worden wäre“. Heinz und Schrod betonten, ihr Sitzenbleiben habe „nichts mit Elke Müller zu tun“ gehabt, die man schätze und möge.
(Text: jedö)

