Die Bahnhöfe im Landkreis Darmstadt-Dieburg

Der ehemalige Erzhäuser Bahnhof ist heute Bücherei und steht am einzigen S-Bahn-Halt im Landkreis. (Foto: André Schösser)

Viel Geschichte und Nahmobilität

1858 kam die Bahn nach Altheim, genauer gesagt die Rhein-Main-Bahn. Altheim, heute Ortsteil von Münster, erhielt sogar ein Bahnhofsgebäude. 1967 wurde es abgerissen. Andernorts stehen sie noch, etwa in Bickenbach, wo einst Adel und Prominenz umstiegen, um zu Schloss Heiligenberg in Jugenheim zu kommen, das zu Beginn des 19. Jahrhunderts eigentlich nur ein Landgut war. Viele der Gebäude werden aber so gut wie gar nicht mehr für den Bahnverkehr genutzt, auch wenn direkt davor noch Züge oder Busse halten. Nur in Dieburg kann man noch Fahrkarten im Bahnhofskiosk erwerben. Der Dieburger Bahnhof und der Reinheimer sind auch die beiden einzigen Bahnhöfe, die noch der Bahn gehören. Alle anderen sind in Privat- oder in kommunalem Besitz. Sehenswerte Anziehungspunkte sind sie dennoch geblieben – dort, wo es sie noch gibt. Denn in Roßdorf ist heute im ehemaligen Bahnhof der Roßdörfer Eisenbahnclub zuhause und in Groß-Zimmern ist das Bahnhofsgebäude ganz verschwunden. Dort erinnert heute in der „Grünen Mitte“ kaum noch etwas an den Bahnverkehr.


Welche Bahnhöfe sind beinahe identisch?

Stichwort Erinnerung: Der Landkreis präsentiert nun auf der Internetseite www.darmstadt-dieburg-entdecken.de Porträts aller Bahnhöfe und der beiden Straßenbahn-Endhaltestellen im Landkreis Darmstadt-Dieburg. Inhaltlicher Schwerpunkt ist unter anderem deren Historie. Zu erfahren ist, dass der Dieburger und der Babenhäuser Bahnhof fast identisch sind, dass die Gemeinde Eppertshausen das dort 1896 errichtete Bahnhofsgebäude 1999 für eine D-Mark erwarb, dass das nach 1904 im Landhausstil errichtete Gebäude in Erzhausen heute die Bücherei beherbergt und die einzige S-Bahn-Station im Landkreis vor der Haustür hat – oder dass der Weiterstädter Bahnhof, 1875 seiner Bestimmung übergeben, nach dem ersten Weltkrieg Endstation für Züge war, die aus dem Westen kamen, weil sich die Stadt nach der Besetzung des Rheinlands durch die Alliierten im Gebiet des französischen Brückenkopfs Mainz befand.

Aber auch die heutige Ausstattung der Bahnhöfe sowie die Nahmobilität, also die Erreichbarkeit zu Fuß und mit dem Fahrrad, sind Bestandteil der Porträts. Dazu gehören neben einer textlichen Beschreibung auch Fotos und weiterführende Verlinkungen. „In meiner Funktion als Nahmobilitätskoordinator des Landkreises habe ich neben der Barrierefreiheit einen besonderen Fokus auf die Fahrradabstellmöglichkeiten und die Radwegweisung gelegt“, erklärt Erik Hornung. Also ist die neue Rubrik „Bahn, Bus und Nahmobilität“ weit mehr als ein historischer Abriss. Sie bietet Orientierung für Pendler, aber auch für Tagestouristen. „Zuvorderst sollen diese Porträts Lust darauf machen, sich die Bahnhöfe mal anzuschauen. Vielleicht sie sich auch mal etwas genauer anzusehen. Es gibt viel zu entdecken“, sagt Hornung.

Wichtige Infos für Reisende mit Einschränkungen

Die angegebenen Verlinkungen führen zum einen auf die Webseiten der jeweiligen Kommune, zum anderen auf die Bahn-Webseite bahnhof.de und zu den Stationsplänen des RMV. Damit sollen auch mobilitätseingeschränkte oder sehbehinderte Fahrgäste durch diese Sammlung an Porträts möglichst mühelos an für sie wichtige Informationen gelangen. Die beiden Straßenbahn-Endhaltestellen wurden als Ergänzung aufgenommen.

„Eine sehr schöne Idee, auf unserer Website Vergangenheit und Gegenwart zu verknüpfen“, sagt Landrat Klaus Peter Schellhaas, „denn bei aller Historie sind die Bahnhöfe heute noch zentrale Punkte in jeder Kommune. Wie sich nun zeigt, sind sie in den meisten Fällen zeitgemäß ausgestattet und gut erreichbar. Allerdings können wir diese Recherchen nun auch als Basis nehmen, um mit Kommunen oder auch der Bahn über die Weiterentwicklung der Infrastruktur zu reden.“

(Text: PM Landkreis Darmstadt-Dieburg)