Musikschule Obertshausen: Ein musikalisches Experiment begeistert im Bürgerhaus

Abschlusslied mit allen Konzertteilnehmern. (Foto: ah)

Unter dem Titel „Saitenwind“ wagte die Musikschule Obertshausen ein kleines musikalisches Experiment – und traf damit genau den richtigen Ton. Erstmals standen Saiteninstrumente und Blasinstrumente wie Klarinette und Saxophon gemeinsam auf der Bühne des großen Saals im Bürgerhaus. Am Ende waren sich alle einig: Die Verbindung aus schwingenden Saiten und warmen Bläserklängen erwies sich als überraschend harmonisch und klangfarbenreich.


Das Programm spiegelte diese Vielfalt wider. Ebenso bunt wie die Musikstile war auch das Alter der Mitwirkenden: Die jüngsten Schülerinnen und Schüler waren acht Jahre alt, der älteste Teilnehmer 63. Ein schönes Beispiel dafür, dass es nie zu spät ist, ein Instrument zu erlernen. Interessant ist dabei auch der Altersdurchschnitt: Während Gitarrenschüler im Schnitt etwa 20 Jahre alt sind, liegt er bei den Blasinstrumenten bei rund 40 Jahren.
Den musikalischen Reigen eröffnete Benjamin Litzendorff an der Gitarre mit „Carrouse“ von Gerard Montreuil – ein leichtfüßiges, klassisch geprägtes Gitarrenstück, das an ein sich drehendes Karussell erinnert. Susanne Hattermann ließ anschließend mit der Klarinette in „Happy End“ von Johan Nijs eine beschwingte, melodische Klangwelt entstehen, die Elemente moderner Unterhaltungsmusik mit klassischem Klarinettenspiel verbindet. Zwischen Pop und Folk bewegten sich Robert Hausen und Menno van Olphen mit ihren Gitarren in „Let Her Go“ von Passenger – einer gefühlvollen Pop-Ballade. Einen ganz anderen musikalischen Ursprung hat das traditionelle Gospel „Joshua Fit the Battle of Jericho“, das Johannes Steinbuch mit seinem Saxophon eindrucksvoll interpretierte.

Die Verbindung von Saiten und Bläsern zeigte sich besonders schön bei gemeinsamen Stücken: Janne Schultz (Gitarre) und Antonia Trabert (Klarinette) spielten „Morning Has Broken“, ein traditionelles Lied aus Irland, das heute vor allem in der Folk- und Pop-Version von Cat Stevens bekannt ist. Auch das englische Volkslied „Scarborough Fair“ – ein Klassiker der britischen Folkmusik – erklang in einer stimmungsvollen Fassung von Tyler Schulz (Gitarre) und Antonia Trabert (Klarinette). Ein Hauch von brasilianischem Sommer zog mit Stefan Cron ins Bürgerhaus ein: Auf dem Saxophon spielte er „The Girl from Ipanema“ von Antônio Carlos Jobim, einen der berühmtesten Titel der Bossa Nova.
Romantisch und getragen wurde es bei Stephanie Schneider, die mit dem Saxophon „Feelings“ von André Waignein interpretierte – eine gefühlvolle Ballade mit jazzigen Anklängen. Filmmusikalische Klangwelten öffnete Robert Hausen mit „This Wandering Day“ von Bear McCreary aus der Serie „Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht“.

Rockgeschichte durfte ebenfalls nicht fehlen: Marvin Frickel (Gitarre) und Thomas Dörr (Saxophon) spielten „Wind of Change“ von Klaus Meine, die weltbekannte Rockballade der Band Scorpions. Mit der Klarinette widmete sich Antonia Trabert anschließend einem Klassikern der Jazz- und Folkgeschichte: „The Days of Wine and Roses“ von Henry Mancini, eine elegante Jazzballade aus der Filmmusik. „Black Is the Colour“ von Christy Moore – ein traditionelles Folkstück, präsentierte die Gitarrengruppe mit Simon Dziuk, Hanna Hausen, Tyler Schulz, Kay Can Stumpf und Sara Veisoglu.

Zum Abschluss vereinten sich alle Musikerinnen und Musiker noch einmal auf und vor der Bühne. Gemeinsam spielten sie das traditionelle hebräische Lied „Shalom Chaverim“ – ein musikalischer Gruß des Friedens und der Freundschaft, der das Konzert stimmungsvoll abrundete.

Durch den Abend führte Jürgen Weiss, Fachbereichsleiter für Holzblasinstrumente der Musikschule, der auch die Klavierbegleitung übernahm. Unterstützt wurde das Konzert von den Lehrkräften Clemens Rech und Jan Steinmüller. Am Ende waren sich Publikum, Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte einig: „Saitenwind“ war ein gelungener musikalischer Versuch – und vielleicht der Auftakt für weitere gemeinsame Klangabenteuer.

(Text: ah)