
Der Autor dieser Zeilen erreicht Ciro Visone per Anruf in der Türkei. „Nach der Kampagne mache ich immer Urlaub“, sagt der Comedian und Sänger wenige Tage nach Aschermittwoch. Gelegenheit für den Eppertshäuser, die Akkus nach Fastnacht wieder aufzuladen – und sich von der künstlerisch intensivsten Phase des Jahres zu erholen. Schließlich ist Visone da in seiner Rolle als Pizzabäcker besonders gefragt; zur Hochphase der diesjährigen Session schlug er aber auch nachdenkliche Töne an. Vor allem die nachlassende Aufmerksamkeit mancher Sitzungsgäste und der teils fehlende Respekt für den Redner trieben den Spaßmacher (auch auf seinen Social-Media-Kanälen) um. Doch trugen seine Appelle die ersten Früchte?
„Zu 80, 90 Prozent hatte ich positive Auftritt“, schickt Ciro Visone seinen Ausführungen voraus. Besonders auf der Mainzer „Fassenacht“ ist der Italo-Eppertshäuser seit Jahren Stammgast, ob als Witzbold oder Sänger. Heimspiele, die ihm grundsätzlich gut gefallen und auch nach vielen Wiederholungen nicht langweilig werden. „In Marienborn hört jeder zu“, sagt er etwa. „In Bodenheim beeilen sie sich sogar, pünktlich von der Toilette zurück zu sein, wenn der Pizzabäcker kommt.“ Auch die reinen Gesangsauftritte vor vierstelliger Kulisse in der Rheingoldhalle blieben ihm in dieser Kampagne in bester Erinnerung. Wobei für ihn alljährlich das Größte sei, an Weiberfastnacht und am Fastnachtsonntag vor bis zu 20.000 Kostümierten auf dem Mainzer Schillerplatz zu singen: „Dadurch weiß ich, wie sich Rockstars fühlen!“
Erfreulich sei in diesem Jahr auch gewesen, dass die Kollegen unter den „Wanderrednern“ in Sachen Pünktlichkeit geliefert hätten. „Wanderredner“ nennt Visone jene Leute, die – wie er selbst – so gefragt sind, dass sie in Narrenhochburgen wie Rheinhessen mehrere Auftritte pro Abend absolvieren und dafür von Halle zu Halle eilen. Mitunter vier Gastspiele habe er diesmal vor allem an beliebten Samstagabend-Terminen absolviert. Was nur dann ohne Verspätungen klappt, wenn auch die anderen Bühnenaktiven die Zeitpläne einhalten.
Überdies merke er, dass die Zuschauer bei ihm ob seines relativ hohen Bekanntheitsgrads „etwas ruhiger“ als bei weniger jüngeren und weniger prominenten Kollegen seien, sagt Visone. Auch in dieser Kampagne habe ihn das jedoch nicht immer vor respektlosem Verhalten bewahrt: Bei einem seiner Auftritte sei „eine Frau um die 20 während meines Rednerauftritts vor der Bühne rumgelaufen und hat sich mit einer Gruppe unterhalten. Die habe ich gefragt: Liebe Frau, störe ich hier oben?“ Auf Verständnis sei er nicht gestoßen: „Die ist zwar zurück zu ihrem Tisch, war aber sauer.“ Andere Leute hingegen hätten geklatscht.
In seiner nunmehr 30. Fastnachtskampagne habe er außerdem festgestellt, dass mancherorts zu später Stunde nur noch Gesangsnummern Sinn machten. „Ich bin froh, dass ich damit ein zweites Standbein habe. Gerade für Wortvorträge zu späterer Stunde fehlt heute vielen die Geduld.“ Auffällig sei zudem, dass sich auch während des Programms immer mehr Sitzungsgäste viel mit ihrem Smartphone beschäftigten.
Vor diesem Hintergrund sehe er seinen nächsten Comedyabenden in der italienischen Paraderolle besonders vorfreudig entgegen: „Ich liebe die Fastnacht – aber an den Comedyabenden kommen die Leute gezielt wegen mir und wollen dann auch wirklich zuhören!“ Am 10. April etwa gastiert Ciro Visone mit seinem Soloprogramm „Pizza Al Capone“ im „Kühlen Grund“ in Reinheim.
(Text: jedö)
