Infotag des Hospiz- und Palliativnetzwerks des Hochtaunuskreises

Den Kopf in den Sand zu stecken, ist keine kluge Entscheidung. Das wurde beim Infotag des Hospiz- und Palliativnetzwerks des Hochtaunuskreises klar, zu dem Kreisbeigeordnete Antje van der Heide als Vorsitzende des Zusammenschlusses von zahlreichen Akteuren aus Gesundheitswesen, Pflege und Seelsorge ins Forum des Landratsamts geladen hatte. (Foto: Hochtaunuskreis)

Dass das eigene Leben, wie das aller Menschen, endlich ist, wird gerne ausgeblendet. Wer will sich schon mit Tod und Trauer auseinandersetzen, wenn man sich schon oder noch in der Blüte des Lebens wähnt, so viele andere akute Herausforderungen zu bewältigen sind oder man mit den alltäglichen Zipperlein schon genug zu tun hat. Der Tod kann warten. Doch irgendwann lässt er sich nicht mehr vertrösten.


Den Kopf in den Sand zu stecken, ist keine kluge Entscheidung. Das wurde beim Infotag des Hospiz- und Palliativnetzwerks des Hochtaunuskreises klar, zu dem Kreisbeigeordnete Antje van der Heide als Vorsitzende des Zusammenschlusses von zahlreichen Akteuren aus Gesundheitswesen, Pflege und Seelsorge ins Forum des Landratsamts geladen hatte. „Mit dem Netzwerk hat der Hochtaunuskreis einen sehr starken und verlässlichen Partner bei diesem schwierigen Thema“, lobte van der Heide in ihrer Begrüßung. Der erstmals in dieser Form durchgeführte und von der Rind’schen Bürgerstiftung maßgeblich geförderte Infotag sei „eine gute Möglichkeit, diese wichtige Arbeit den Bürgerinnen und Bürgern zugänglich zu machen“, warb sie dafür, das Thema Hospiz- und Palliativarbeit stärker ins öffentliche Bewusstsein zu bringen.

In ihrem von persönlichen Erfahrungen geprägten Grußwort lobte Staatssekretärin Katrin Hechler, die das Netzwerk vor mehr als zehn Jahren mit initiiert hatte, die Fortschritte und das Durchhaltevermögen der Teilnehmer. „Sie können stolz sein. Das Netzwerk hat Corona und personelle Wechsel überstanden.“ Es lohne sich, sich für das Thema zu öffnen. Sterben sei ein Abschied, der zwar immer weh tue, den man aber menschlich gestalten könne. „Hospiz- und Palliativarbeit bedeutet, auch den letzten Lebensabschnitt zu gestalten und lebenswert zu machen.“

13 Initiativen und Organisationen präsentierten im Forum ihre Angebote, in einem kurzen Fachvortrag ging Berenike Holst von der Löwenzahn Hochtaunus gGmbH auf das Thema „Caring Community“ ein. Ihr Fazit: Professionelle Dienstleister und Ehrenamt sollten eng zusammenarbeiten und an bestehende Ankerpunkte und Strukturen anknüpfen

In einer von Kreisbeigeordneter van der Heide moderierten Podiumsdiskussion gaben Experten aus den verschiedenen Bereichen Einblicke in die Strukturen der hospizlichen und palliativen Arbeit und darüber, wie diese Arbeit das Leben in der letzten Lebensphase konkret verbessern kann. Dabei unterstrichen sie die Bedeutung einer umfassenden Vorsorge und erinnerten daran, dass der Tod nicht nur Senioren trifft. Vor Unfällen und schweren Krankheiten ist niemand gefeit.

Hospize und ambulante Angebote könnten den schweren Weg leichter machen. Die enge Verzahnung und der damit verbundene regelmäßige Austausch helfen dabei, Wünschen der Betroffenen nachzukommen.

Offen über das Thema in der Familie reden

Einhellige Botschaft am Ende: „Der Tod ist kein Tabu. Reden Sie offen darüber mit Ihrem Partner, sprechen Sie darüber in der Familie. Alles weitere ergibt sich dann“, formulierte es Dr. Philipp von Trott vom Palliativteam Hochtaunus nach einer emotionalen Wortmeldung aus dem Publikum. Und Andrea Sandman vom Hospiz Arche Noah in Niederreifenberg ergänzte pointiert: „Das Reden über den Tod hat noch niemanden umgebracht.“

„Gehen Sie das Thema zeitnah an; selber und selbstbestimmt – so lange sie es noch können“, riet Doris Landvoigt von der Regionalen Diakonie Hochtaunus, die beim in Wehrheim ansässigen Netzwerk NOVASmobil tätig ist. Denn: „Wenn Krankheiten stärker werden, hat man oft nicht mehr die Kraft, nach Hilfsangeboten zu suchen.“

Dabei ist das, was einmal formuliert, entschieden und unterschrieben wurde, auf eigenen Wunsch jederzeit änderbar, betonte Dr. Katharina Goll von den Hochtaunus-Kliniken. „Bedürfnisse ändern sich manchmal“, so könne man auch im Akutfall über die Patientenverfügung reden und diese modifizieren.

Hilfe können auch Angehörige bekommen, die damit zurechtkommen müssen, dass ein geliebter Mensch in die letzte Lebensphase eintritt. Nicht selten, so zeigten es auch Rückmeldungen aus dem Auditorium, schleiche sich ein schlechtes Gewissen ein, wenn Angehörige feststellten, mit der Situation überfordert zu sein; es nicht mehr zu schaffen, den Angehörigen in der Wohnung zu betreuen. Hier können Pflegedienste, Hospizdienste und stationäre Einrichtungen unterstützen. Van der Heide ermutigte Partner, Kinder oder Eltern, diese Hilfe einzufordern und anzunehmen. „Es ist kein Versagen, um Hilfe zu bitten!“, stellte sie unmissverständlich klar.

Link zur neuen digitale Pinnwand

Ein großer Schritt, die zahlreichen Informations- und Hilfsangebote für Betroffene und Angehörige niederschwellig zusammenzufassen, bildet die neue „digitale Pinnwand“, die beim Infotag vorgestellt wurde. Die internetbasierte Anwendung, die sowohl auf dem PC als auch auf dem Smartphone funktioniert, bietet einen Überblick über verschiedene Anlaufstellen und leitet Interessierte direkt zu den entsprechenden Infoseiten weiter. Dies erleichtert nicht nur die Suche, sondern auch die Kontaktaufnehme zu den jeweiligen Stellen. Erreichbar ist die Pinnwand über den Kurzlink t1p.de/4hses. Auf kleinen Flyern in Handy-Größe ist außerdem ein QR-Code zu finden, der direkt zur Anwendung führt.

„Wir haben jetzt eine zentrale Plattform, auf der man sich informieren kann“, stellte Netzwerk-Koordinatorin Monika Landau bei der Vorstellung der digitalen Pinnwand heraus und betonte: „Die aktuelle Version ist ein erster Schritt; das Projekt wird wachsen.

(Text: PM Hochtaunuskreis)