Freie Musikschule Rodgau begeistert mit „Geschichte einer Krönung“

Um die Saga auf die Bühne zu bringen, standen rund 70 Mitwirkende bereit, davon alleine 57 Akteure auf der Bühne. (Foto: ah)

Ein Königreich, eine ungeklärte Thronfolge und jede Menge Intrigen: Mit dem Musical „Historical – Geschichte einer Krönung“ hat die Freie Musikschule Rodgau (FMR) am Wochenende das Publikum im Bürgerhaus gleich zweimal begeistert.


Beide Aufführungen waren ausverkauft – ein deutlicher Beleg für das große Interesse an der ungewöhnlichen Eigenproduktion. Rund zwei Jahre lang hatte das Team um Gesangspädagogin und Ideengeberin Sabine Bussalb an dem Projekt gearbeitet. Nach dem ersten „Historical“ mit dem Titel „Aus alter Zeit“ im Jahr 2022 ist „Geschichte einer Krönung“ bereits die zweite große Musicalproduktion der Musikschule. Gemeinsam mit Luis und Hendrik Blum-Bussalb entwickelte Bussalb Handlung und Texte. Für die musikalische Gestaltung arrangierte Christian Massoth Arien italienischer Meister des 16. und 17. Jahrhunderts neu und verwandelte sie in ein modernes Musicalgewand.

Die Geschichte führt in ein fiktives Königreich: König Francesco regiert seit 35 Jahren und will nun seinen Nachfolger bestimmen. Wird sein Sohn Umberto den Thron erben oder seine Tochter Marieada? Doch bevor die Entscheidung verkündet werden kann, stirbt der König plötzlich. Umberto reißt daraufhin die Macht an sich und vertreibt seine Schwester. Währenddessen spinnt im Hintergrund die zunächst unauffällig wirkende Tante Lavinia ihre Intrigen – bis sich zeigt, dass sie selbst nach der Krone greift und dafür auch vor drastischen Mitteln nicht zurückschreckt.

Um diese Saga auf die Bühne zu bringen, standen rund 70 Mitwirkende bereit, davon alleine 57 Akteure auf der Bühne. Chor, Solisten, Komparsen und Orchester sorgten gemeinsam für ein dichtes und lebendiges Bühnengeschehen. Besonders eindrucksvoll waren die beiden Darstellerinnen der intriganten Tante Lavinia. Tatjana Steinke am Freitag und Katja Elger am Samstag. Beide Sängerinnen sind langjährige Schülerinnen von Sabine Bussalb. Auch die Hauptrollen der Geschwister wurden an beiden Abenden unterschiedlich besetzt. Am Freitag standen Eda Aydin und Patrick Erben als Marieada und Umberto auf der Bühne, am Samstag übernahmen Amelie Walter und Nathan Friedländer die Rollen. Als König Francesco war an beiden Abenden Martin Falk zu sehen. Der Chor der Musikschule, geleitet von Luis Blum-Bussalb, erwies sich einmal mehr als verlässliche Stütze der Aufführung. Für besondere Stimmung sorgten auch die Nonnen des Klosters, die mit dem temperamentvoll vorgetragenen „Trinklied der Nonnen“ das Publikum mitrissen und damit etwas an „Sister Act“ erinnerten. Musikalisch wurde das Geschehen vom Orchester unter Leitung von Jan Hansen getragen. Trotz der akustischen Herausforderungen des großen Saals im Bürgerhaus gelang es dank umfangreicher Technik, eine klare Klangbalance zu schaffen. Am Ende gab es lang anhaltenden Applaus für alle Mitwirkenden – auch für die zahlreichen Helfer hinter der Bühne, die ebenfalls auf die Bühne gerufen wurden.

Das Publikum dankte damit einer Produktion, die eindrucksvoll zeigte, wie lebendig und emotional klassische Musik im modernen Musicalformat wirken kann. Es ist auch ein gutes Beispiel dafür, wie viele Talente Rodgau hat und das Kunstgenuss auch ohne „große“ Namen möglich ist.

(Text: ah)