„Jetzt kann jeder in Private Markets investieren“

Paul Huelsmann, Vorstandsvorsitzender FINEXITY Group und Michael Ost, stellvertretender Vorstandsvorsitzender FINEXITY. (Foto: FINEXITY)

Interview: Wie FINEXITY den Kapitalmarkt demokratisiert und Privatanlegern Türen zu neuen Investments öffnet

Die FINEXITY Group hat sich seit 2018 von einem Hamburger Fintech-Startup zu einer in Europa führenden, börsennotierten Plattform für tokenisierte Wertpapiere entwickelt. Im Gespräch erläutern Paul Huelsmann, Vorstandsvorsitzender der FINEXITY Group, und Mitglied des Börsenrats der Börse München, sowie Michael Ost, stellvertretender CEO mit über 30 Jahren Erfahrung in der Deutsche Bank Gruppe, wie regulierte Kapitalmärkte, Partnerschaften mit Sparkassen und Volksbanken sowie die neue Plattform Volks-Invest zusammenwirken.


Herr Huelsmann, Sie haben FINEXITY 2018 gegründet. Was war Ihre Motivation?
Huelsmann: FINEXITY wurde als Infrastruktur für einen neuen Kapitalmarkt entwickelt. Ziel war und ist es, einen innovativen Handelsplatz zu schaffen, über den Anbieter von Privatmarktinvestments – etwa Immobilien oder Solarparks – ihre Angebote einem breiten Anlegerkreis zugänglich machen. So erhalten Privatanleger Zugang zu Wertpapieren, die bislang überwiegend institutionellen Investoren vorbehalten waren.

Wie hat sich FINEXITY seit der Gründung entwickelt?
Huelsmann: Mit über 250 gelisteten Emissionen zählt der Handelsplatz heute zu den aktivsten in Europa. Ein zentraler Meilenstein war die Anbindung der Sparkassen und Volksbanken. Sie nutzen unsere Infrastruktur sowohl für das Listing von Wertpapieremissionen als auch zur Vermittlung an ihre Endkunden. Über diese zwei Schnittstellen haben rund 70 Prozent der deutschen Banken mittelbar oder unmittelbar Zugang zu unserem Handelssystem.

Herr Ost, wie würden Sie einem Laien erklären, was FINEXITY macht – und warum das für Anleger spannend ist?
Ost: FINEXITY ist im Kern ein regulierter digitaler Handelsplatz für tokenisierte Wertpapiere. Was das für Anleger bedeutet: Sie können digital, transparent und mit überschaubaren Mindestbeträgen in professionell strukturierte Projekte investieren. Das öffnet Anlageklassen, die früher institutionellen Investoren vorbehalten waren, für eine viel breitere Öffentlichkeit.

Welche Anlageklassen bieten Sie auf Ihrer Plattform an?
Huelsmann: Wir fokussieren uns auf vier Anlageklassen: Unternehmensanleihen für den deutschen Mittelstand, Immobilienfinanzierungen als bankenunabhängige Alternative, Infrastrukturprojekte mit Schwerpunkt auf Erneuerbare Energien wie Photovoltaikanlagen sowie Sammlerstücke – eine Anlageklasse, die selbst vermögenden Privatanlegern sonst kaum zugänglich ist.
FINEXITY verbindet Fintech-Innovation mit regulierten Märkten. Wie gelingt es Ihnen, das Vertrauen traditioneller Partner wie Sparkassen zu gewinnen?
Huelsmann: Das funktioniert auf zwei Ebenen. Erstens steht bei uns die Regulatorik an erster Stelle: Wer hier sauber aufgestellt ist, schafft die Grundlage für institutionelles Vertrauen. Zweitens braucht es Technologie, die den Anforderungen großer Finanzinstitute standhält. Wir sind u.a. ISO-zertifiziert und investieren kontinuierlich in unsere Systeme. Die Kombination aus nachgewiesenem Track Record, regulatorischer Compliance und robuster Infrastruktur ist letztlich das, was Türen öffnet.

Wie sieht Ihre Zusammenarbeit mit Sparkassen und Volksbanken konkret aus?
Ost: Die Institute nutzen unsere Plattform, um regulierte Wertpapiere an ihre Endkunden zu vermitteln, ohne dass sie eigene technische Infrastruktur dafür aufbauen müssen. Wir liefern die Emissionsstruktur, die Handelsanbindung und die regulatorische Grundlage. Das schafft für beide Seiten Mehrwert: Die Banken schaffen neue Produkte für ihre Unternehmenskunden und erweitern ihr Produktangebot für Privatanleger. FINEXITY profitiert von größere Reichweite.

Was macht Volks-Invest besonders?
Huelsmann: Volks-Invest ist eine Kooperation mit der EGRO Mediengruppe und verfolgt ein klares Ziel: Infrastrukturprojekte, insbesondere erneuerbare Energien, für Millionen von Privatanlegern zugänglich zu machen. Investitionen sind digital in wenigen Minuten möglich, bereits ab 50 Euro. Über die Reichweite der EGRO Mediengruppe können wir Menschen dort abholen, wo sie Informationen konsumieren, und sie für nachhaltige Investments sensibilisieren. Das ist langfristiger Vermögensaufbau, demokratisiert.

Welche Wachstumschancen sehen Sie für FINEXITY in den nächsten Jahren?
Huelsmann: Unser Ziel ist klar: FINEXITY soll eine führende digitale Börse in Europa werden. Es gibt heute über 300 regulierte Handelsplätze in Europa: Der Markt ist also sehr stark fragmentiert, und wir wollen einer der ersten wirklich pan-europäischen Marktplätze für tokenisierte Wertpapiere, wie Anleihen und Fonds, werden. Gemeinsam mit unseren Partnern, also den Sparkassen, Volksbanken und weiteren europäischen Instituten, wollen wir einen neuen, effizienten Kapitalmarkt gestalten. Der Fokus liegt dabei ganz klar auf Private-Market-Investments, die bislang nur institutionellen Anlegern vorbehalten waren.

(Interview: Alexander Ullrich)

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