Mangroven-Anlage im Exotarium des Frankfurter Zoos eröffnet

Blick in die neue Mangroven-Anlage, (Foto: Holger Menzel)

Ein neues Zuhause für Schützenfisch, Schlammspringer und Co.

Mangroven sind faszinierende Lebensräume zwischen Land und Meer. Sie gehören zu den artenreichsten Ökosystemen der Erde. Warum das so ist und wie wichtig Mangroven für Menschen und Tiere sind, kann man jetzt im Exotarium des Frankfurter Zoos erfahren. Dort wird in der ehemaligen Pinguin-Anlage eine asiatische Mangrovenlandschaft mit unterschiedlichen, zum Teil gefährdeten, Tierarten eingerichtet.


Ein neuer Lebensraum lässt sich seit gestrigen Mittwoch, 22. April, im Exotarium des Frankfurter Zoos entdecken: Wo bis vor einigen Jahren antarktische Pinguine zu sehen waren, tummeln sich nun verschiedene Tierarten in einer tropischen Mangrovenlandschaft. Unter den Fischen gibt es echte Hingucker wie etwa Schlammspringer (Periophthalmus barbarus) und Schützenfische (Toxotes jaculatrix).

Umbau in dem alten Gebäude komplexer und zeitaufwändiger als gedacht

„Der Umbau in dem alten Gebäude war komplexer und zeitaufwändiger als zunächst gedacht. Doch das Warten hat sich gelohnt: Die Anlage ist dank des Einsatzes und der Kreativität des Zoo-Teams ein Schmuckstück geworden. Dazu tragen auch die Pflanzen bei. Viele davon wurden dem Zoo vom Palmengarten zur authentischen Gestaltung des Lebensraums Mangrove zur Verfügung gestellt. Dafür bedanke ich mich herzlich. Ebenfalls danken möchte ich der Stiftung Zoo Frankfurt sowie den vielen Freundinnen und Freunden des Zoos, die die Spendenaktion zur Einrichtung der Anlage unterstützt haben. Insgesamt 30.000 Euro kamen zusammen, die in den Umbau der Anlage geflossen sind“, sagte Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft.

In der 66 Quadratmeter großen Anlage mit einem Land- und einem Wasserteil werden Tiere und Pflanzen gezeigt, die an das Leben in der Gezeitenzone tropischer Küsten und im Brackwasser, also einem Gemisch von Süß- und Salzwasser, angepasst sind. Eine Herausforderung dabei ist das exakte Einstellen des richtigen Salzgehalts im Wasser, den einige der Mangrovenbewohner zum Gedeihen benötigen, der aber für andere Arten in der Anlage nicht zu hoch sein darf. Dies erfordert sorgfältige Planung sowie regelmäßige Kontrolle und stellt besondere Anforderungen an die Technik, die entsprechend salzwasserfest und präzise zu steuern sein muss.

Der Schlammspringer als typischer Bewohner von Mangrovenwäldern ist eine der Leitarten des neuen Lebensraums im Frankfurter Zoo. Er zeigt eine besonders starke Anpassung an seine von den Gezeiten geprägte Umgebung. Damit sich die Schlammspringer kleine Höhlen als Verstecke und Plätze zur Eiablage graben können, mussten diverse Substrate sowie Mischungsverhältnisse von Lehm und Sand getestet werden.

Mangrovenwälder auch für Menschen von großer Bedeutung

„Mangrovenwälder sind sensible Lebensräume, die viele Arten beherbergen, aber auch für uns Menschen von großer Bedeutung sind. Hier wachsen zum Beispiel Fische und andere Meerestiere heran, da sie mehr Schutz finden als im offenen Ozean. Als Kinderstube und damit für die Bestände vieler für den Fischfang relevanter Arten spielen Mangroven eine wichtige Rolle. So sichern sie nicht zuletzt die Lebensgrundlage vieler Menschen. Zudem schützen sie die Küsten vor der Wucht der Wellen. Leider sind die Mangroven weltweit durch menschliche Einflüsse bedroht. Die neue Anlage bietet uns die Möglichkeit, über dieses komplexe Ökosystem zu informieren und zu erklären, warum wir es unbedingt schützen sollten“, erklärte Zoodirektorin Dr. Christina Geiger.

Um zu zeigen, wie Schützenfische zu ihrem Namen kommen, wurde am Rand des Wasserbeckens eine Apparatur in Form eines künstlichen Astes installiert. Dieser ist hohl und wird mit lebenden Grillen befüllt. Durch ein Loch krabbeln diese an die Oberfläche und können von den Schützenfischen mittels eines gezielten durch das Maul gepressten Wasserstrahls vom Ast ins Wasser „geschossen“ und erbeutet werden – ganz wie in der Natur.

„Noch zeigt sich die Anlage im Aufbau“, erklärte Zookurator Dr. Johannes Köhler. „Mangrovenpflanzen sind heikel in der Pflege und wachsen langsam. Wir haben vom Palmengarten mehr als zwei Dutzend Pflanzen erhalten, darunter größere Mangrovenbäume und Stecklinge sowie Mangrovenfarne. Wir hoffen, dass sie gut gedeihen und dass man bald erkennen kann, wie die Tier- und Pflanzengemeinschaft einer Mangrove funktioniert.“

Weitere Tierarten sollen in der nächsten Zeit einziehen. So etwa die vom Aussterben bedrohte Nördliche Batagur-Schildkröte (Batagur baska), mit deren Haltung der Zoo ein Zucht- und Wiederansiedlungsprojekt unterstützen möchten. „Bei der neuen Anlage handelt es sich nicht um ein gewöhnliches Gehege, das – einmal eingerichtet – als fertiggestellt betrachtet werden kann. Vielmehr haben wir eine Art kleines künstliches Ökosystem geschaffen, das langsam und behutsam entwickelt werden muss“, erklärte Kurator Köhler.

(Text: PM Stadt Frankfurt)