Kommunale Wärmeplanung: Vier Städte, ein gemeinsames Ziel

Begrüßung durch Ersten Stadtrat von Mühlheim und den Bürgermeistern von Obertshausen, Rodgau und Rödermark. (Foto: ah)

Vier Städte, ein gemeinsames Ziel: Mit einer ersten Bürgerinformationsveranstaltung im Bürgerhaus Hausen haben Obertshausen, Rodgau, Rödermark und Mühlheim am Main den Auftakt für ihre kommunale Wärmeplanung gemacht. Gemeinsam gehen sie den Weg als sogenannte „Konvoi-Kommunen“ und haben dafür die Greenventory beauftragt.


Zum Auftakt begrüßte Obertshausens Bürgermeister Manuel Friedrich die Gäste und betonte die Bedeutung des Projekts: Die Wärmewende sei eine zentrale Zukunftsaufgabe, die nur gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern gelingen könne. Auch die beteiligten Bürgermeister unterstrichen, dass Wärmeplanung nicht an Stadtgrenzen ende – gerade im dicht besiedelten Kreis Offenbach sei Zusammenarbeit sinnvoll, um Synergien zu nutzen und Kosten zu senken. Doch was bedeutet kommunale Wärmeplanung konkret? Wie Projektleiter Marc-André Triebel und seine Kollegin Katharina Berg erklärten, handelt es sich um einen strategischen Prozess mit einem klaren Ziel: Bis spätestens 2045 soll die Wärmeversorgung klimaneutral werden. Dafür wird zunächst erfasst, wie aktuell geheizt wird – ein Ergebnis, das auch an diesem Abend deutlich wurde: Der Großteil der Haushalte in den vier Kommunen nutzt bislang fossile Energieträger, vor allem Erdgas und Heizöl.

Untersuchung lokaler Potenziale als nächster Schritt

Auf dieser Bestandsanalyse baut die weitere Planung auf. In einem nächsten Schritt werden lokale Potenziale untersucht – etwa Abwärme von Unternehmen, Geothermie oder Möglichkeiten für Wärmenetze. Daraus entsteht ein sogenanntes Zielszenario: eine Vorstellung davon, wie die Wärmeversorgung der Zukunft aussehen kann. „Wir betrachten das Ganze aus der Vogelperspektive“, so Berg, „und entwickeln daraus konkrete Maßnahmen, wie dieser Wandel gelingen kann.“ Für die Bürgerinnen und Bürger bedeutet das zunächst vor allem Orientierung. „Der Wärmeplan soll Klarheit schaffen“, erklärte Miriam Rosenwein vom Fachdienst Stadtplanung in Rodgau. Er zeige auf, in welchen Gebieten beispielsweise ein Anschluss an ein Wärmenetz sinnvoll sein könnte – und wo eher individuelle Lösungen wie Wärmepumpen gefragt sind. Gleichzeitig betonten die Verantwortlichen, dass niemand kurzfristig zum Handeln gezwungen werde: Bestehende Heizungen können weiter betrieben und auch modernisiert werden, solange gesetzliche Vorgaben eingehalten werden.

Der aktuelle Stand

Die Datenerhebung und erste Analysen sind weit fortgeschritten. Im Hintergrund entsteht ein „digitaler Zwilling“ der vier Kommunen, der als Grundlage für alle weiteren Berechnungen dient. In den kommenden Monaten sollen die Ergebnisse konkretisiert und verschiedene Szenarien entwickelt werden. Anfang 2027 könnte der fertige Wärmeplan vorliegen. Ein wichtiger Aspekt bleibt die Beteiligung der Öffentlichkeit. Moderatorin Milena Sigler machte deutlich, dass die Wärmewende nur gelingen könne, wenn die Menschen sie verstehen und mittragen. Entsprechend standen nach der Diskussionsrunde Themen-Tische für individuelle Fragen bereit. So wurde an diesem Abend vor allem eines deutlich: Die kommunale Wärmeplanung ist kein abstraktes Konzept, sondern ein langfristiger Fahrplan für eine klimafreundliche und bezahlbare Wärmeversorgung – mit direkten Auswirkungen auf jeden Haushalt.

(Text: ah)