Zwei Mal Hoffnung für die seltenen Bongo-Antilopen

Neues Bongo-Jungtier im Zoo Frankfurt geboren. (Foto: Zoo Frankfurt)

Am 15. April ist im Frankfurter Zoo ein Östlicher Bongo zur Welt gekommen. Die Bongo-Unterart gehört zu den am stärksten gefährdeten Antilopen der Welt. Jedes Jungtier ist eine Hoffnung für den Artenschutz – denn für die Erhaltung der Bongos in ihrem natürlichen Lebensraum beteiligt sich der europäische Zooverband an einem Zucht- und Wiederansiedlungsprojekt in Kooperation mit dem Kenya Wildlife Service und der Mount Kenya Wildlife Conservancy (MKWC). Im Rahmen des Projekts reisten vier in europäischen Zoos geborene Bongo-Bullen nach Kenia. Am Dienstagabend, 28. April, kamen sie dort an. Unter ihnen ist auch ein Frankfurter.


Ende März verließ der vier Jahre alte Bongo-Bulle Fitz den Frankfurter Zoo. Zusammen mit weiteren Bongo-Bullen aus europäischen Zoos wurde er im Safari Park Dvůr Králové in Tschechien auf seine Weiterreise nach Kenia vorbereitet, denn Fitz ist Teil eines Zucht- und Wiederansiedlungsprogramms in Kooperation mit dem Kenya Wildlife Service und der MKWC. Am 15. April hat seine Mutter Kawana erneut ein Jungtier zur Welt gebracht.

“Wir sind froh, zur Erhaltung der Art beitragen zu können”

„Dank des Engagements mehrerer Zoos im europäischen Zooverband sowie Naturschutzorganisationen in Kenia gibt es Hoffnung für die eindrucksvollen Bongo-Antilopen. Wir sind froh, zur Erhaltung der Art beitragen zu können. Seit vielen Jahrzehnten ist der Zoo Frankfurt erfolgreich in der Zucht der Östlichen Bongos – hier kam 1973 das erste in Europa gezüchtete Kalb zur Welt. Das Mitte April geborene Jungtier, ein kleiner Bulle, ist bereits die Nummer 30. Dass ganz aktuell in Zoos geborene Bongos im Rahmen eines Wiederansiedlungsprojekts nach Kenia gegangen sind, ist ein gutes Beispiel dafür, wie Artenschutz in Zoos und in den Ursprungsgebieten der Tiere Hand in Hand gehen“, sagt Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft.

Für die zwölf Jahre alte Kawana ist es das fünfte Kalb. Die Geburt verlief reibungslos und ruhig, die erfahrene Mutter kümmert sich gut um ihren Nachwuchs. Vater ist der dreijährige N´Dogo. Er kam 2025 aus dem Tierpark Safari de Peaugres in Frankreich nach Frankfurt. Das Erhaltungszuchtprogramm des europäischen Zooverbands (EAZA), das EAZA Ex-situ Programm (EEP), umfasst mittlerweile eine gesunde und genetisch robuste Bongo-Population von 172 Tieren in 48 europäischen Zoos. Dafür sind regelmäßige Geburten, wie die aktuelle im Frankfurter Zoo, unerlässlich. Erst eine stabile Zoopopulation ermöglicht es, Individuen für die Wiederansiedlung in Kenia bereitzustellen.

Östliche Bongos (Tragelaphus eurycerus isaaci), auch Bergbongos genannt, stehen in der Roten Liste der International Union for Conservation of Nature (IUCN) in der höchsten Bedrohungskategorie „vom Aussterben bedroht“. „Die Gründe hierfür sind vielfältig und reichen von Bejagung über Lebensraumverlust – unter anderem durch illegale Abholzung der Wälder – bis hin zu Krankheiten, die von Nutztieren übertragen werden. Mittlerweile gibt es sehr viel mehr Bongos in menschlicher Obhut als in ihren natürlichen Lebensräumen. Dort sind es Schätzungen zufolge weniger als 60 Individuen. „Wir wollen mithelfen, den Bongos eine Chance zu geben. Daher unterstützen wir das Zucht- und Wiederansiedlungsprogramm in Kenia nicht nur mit unserem Fitz, sondern auch finanziell, denn die Logistik hinter einem solchen Projekt ist aufwändig und teuer“, erklärt Zoodirektorin Dr. Christina Geiger.

„Anfang des Jahres konnte ich die MKWC besuchen und mir persönlich ein Bild von der tollen Arbeit der Kolleginnen und Kollegen dort machen. Seit ihren Anfängen 2004 haben sie ein erfolgreiches Zuchtzentrum für Bergbongos aufgebaut, sowie ein Wiederansiedlungsprojekt etabliert, sodass sich der Bestand dort auf aktuell über 100 Tiere vergrößern konnte. Mit diesem Beispiel wird deutlich, wie Artenschutz durch gezielte Zucht, Lebensraummanagement und effektive Schutzmaßnahmen gelingen kann, wenn viele Akteure Hand-in-Hand arbeiten“, sagt Dr. Sabrina Linn, Leiterin der Wissenschaftlichen Abteilung des Frankfurter Zoos.

Die vier Bullen werden, da sind sich alle beteiligten Experten einig, einen wertvollen Beitrag dazu leisten, die genetische Vielfalt der Östlichen Bongos in Kenia zu stärken und die Wiederansiedlung der Art in ihrem angestammten Verbreitungsgebiet voranzutreiben.

Humphrey Kariuki, der Schirmherr des MKWC, sagte anlässlich der Ankunft der Bongo-Bullen, diese markiere einen Wendepunkt für die Zucht- und Auswilderungsziele der Conservancy: „Dies ist ein bedeutender Meilenstein für das Zucht- und Auswilderungsprogramm des Bergbongos im MKWC, während wir die in den vergangenen Jahren erzielten Fortschritte weiter beschleunigen. Die Unterstützung der kenianischen Regierung, des Kenya Wildlife Service, der EAZA und weiterer internationaler Partner war entscheidend für den Ausbau unserer Naturschutzarbeit. Diese vier männlichen Bongos werden die bestehende Population von über 100 Tieren verstärken und die Zuchtkapazitäten erweitern. Damit eröffnen sich neue Möglichkeiten, unsere Zuchtherden auszubauen – und wir kommen unserem Ziel näher, dass sich der Bergbongo künftig wieder in der Natur etabliert.“

Über Östliche Bongos

Bongos sind große, massiv gebaute Antilopen, die mit ihrer hell- bis dunkelbraunen Färbung und den schmalen weißen Streifen in ihrem Lebensraum Wald perfekt getarnt sind. Bei Bongos tragen beide Geschlechter spiralförmig gedrehte Hörner, die bis zu einem Meter lang werden können.

Sie sind tagaktiv und mögen Gebiete mit viel Unterwuchs. Bei Gefahr versuchen sich die Tiere durch das dichte Unterholz hindurchzudrücken und überspringen es nicht. Die Jungtiere sind sogenannte Ablieger und verbringen die meiste Zeit des Tages in ihrem Versteck. Nur zum Säugen werden sie von der Mutter aufgesucht.

Östliche Bongos sind in der Natur nahezu ausgestorben. Im Mount Kenya National Park, einem angestammten Lebensraum der Antilopen, kommen aktuell keine freilebenden Bongos mehr vor. Zusammen mit dem Kenya Wildlife Service (KWS) und der MKWC arbeitet der EAZA an einem aufwändigen Zucht- und Wiederansiedlungs-programm, mit dem Ziel, im Mount Kenya National Park eines Tages wieder Bongos anzusiedeln. Die MKWC liegt am Rand des Nationalparks. Dort leben derzeit über 100 Bongos in einer gemanagten Population in menschlicher Obhut. Die vier Bullen aus Europa sollen nach einer Eingewöhnungszeit in das dortige Zuchtprogramm integriert werden und den Genpool auffrischen.

(Text: PM Zoo Frankfurt)