
Mike Pritsch betreibt die ehemalige „Beckmann-Ranch“, arbeitet bei der Gemeinde Roßdorf – und ist jetzt auch noch Eppertshausens Vize-Bürgermeister
Dieser Mann scheint einen 48-Stunden-Tag zu haben: Anders kann man sich kaum erklären, wie Mike Pritsch all das schafft, was er von morgens bis abends tut. Als da wären: Teilzeit-Job bei der Gemeinde Roßdorf; Ausbau, Modernisierung und Betrieb der ehemaligen „Beckmann-Ranch“ im Osten der Eppertshäuser Gemarkung; Vater dreier Kinder, von denen zwei mit seiner aktuellen Partnerin und ihm auf dem Pferde- und Rinderhof leben; und jetzt auch Erster Beigeordneter und damit Vize-Bürgermeister der Gemeinde Eppertshausen, in die der 41-Jährige erst 2021 gezogen war.
Vor fünf Jahren kaufte Pritsch das Gehöft von der Erbin des verstorbenen Manfred Beckmann. Kein Schuss aus der Hüfte derweil, vielmehr logische Konsequenz seiner bisherigen Vita und Ergebnis längerer Anbahnung. Der Wahl-Eppertshäuser stammt aus dem Modautaler Ortsteil Webern, lebte vor seinem Umzug in Winterkasten. „Ich bin bei meinen Großeltern aufgewachsen, über deren Nachbar ich früh in die Landwirtschaft hineingeschnuppert habe“, erzählt der Hüne. Auch mit Pferden kam er früh in Berührung, zum Einstieg wie so oft über ein Pflegepferd. Jahrzehnte später hat er die Boxen auf der Eppertshäuser Ranch erneuert und beschäftigt einen Angestellten, der sich um die derzeit 25 eingemieteten Pferde kümmert – wenn diese nicht gerade auf den großzügigen Ausläufen sind.
Pritsch also kennt das bäuerliche Umfeld schon lange. Der Weg zur Metzger-Ausbildung war da nicht weit und kommt ihm bis heute zugute. Denn auf der Ranch, die heute fast zu schlicht „Hof Pritsch“ heißt, und den umgebenden Flächen hält der Teilzeit-Landwirt auch noch 30 Rinder. Ihr Fleisch vermarktet er direkt, wie bei Pritsch Do-it-yourself generell das Motto scheint: „Ich mähe selbst, ich presse selbst, ich habe meinen eigenen Fuhrpark“, zählt er auf. Schon in Winterkasten, wo seine Ex-Freundin mit seinem dritten Kind lebt, besaß er einen Hof.
Ausschließlich in diesem Segment verdient Mike Pritsch seine Brötchen allerdings nicht. „Ich habe nach der Metzgerlehre noch eine Ausbildung im Kommunalbereich gemacht“, blickt er zurück. Seit zehn Jahren arbeitet er (im Bereich Ordnung und Sicherheit) bei der Gemeinde Roßdorf, was ob seines Pferde-Faibles begrifflich durchaus ein bisschen witzig ist. Parallel zum dortigen Job und der Tierhaltung investiert der Eppertshäuser permanent in sein Reich: Unter anderem eine 85-Kilowatt-Peak-Solaranlage hat er auf dem Hof montieren lassen.
Jetzt also auch noch das politische Engagement: Schon kurz nach seinem Umzug nach Eppertshausen trat Pritsch dem CDU-Gemeindeverband bei, „seit vier Jahren bin ich Beisitzer im Vorstand“. Die Kandidatur auf der Unionsliste bei den Kommunalwahlen Mitte März war seine erste, und dass er unterm Strich um einen Platz kletterte, durfte er als erst kürzlich Zugezogener als Erfolg werten. Wobei er sich binnen fünf Jahren so stark integrierte wie selten ein Neubürger: Gleich fünf Vereinen gehört Pritsch inzwischen an, war etwa eins der Gründungsmitglieder des Kerbvereins, mit dem er den Kerbbaum aus dem Wald holt, trat dazu der IG Traktorfahrer Eppertshausen bei. „Ich fühle mich in Eppertshausen einfach wohl!“, hebt er hervor.
Seit seinem ersten Tag in der neuen Heimat habe er zudem registriert, „was die CDU hier alles für den Ort macht“. Er glaube, dass er die kommunalpolitische Arbeit im Ehrenamt „ganz gut unterstützen“ könne, „durch Roßdorf kenne ich ja auch die Verwaltung“. Pritsch bezeichnet sich als „gut vernetzt, ich kenne schon viele Vereine, die Feuerwehr, komme schnell ins Gespräch“.
Lokal einbringen will sich Pritsch überall da, wo es seine Funktion als Erster Beigeordneter (als der er Nachfolger von CDU-Frau Rita Filipp ist, die 2025 wiederum auf den zum Bürgermeister aufgestiegenen Stephan Brockmann folgte) erfordere. „Ich verschaffe mir erstmal einen Überblick, schaue überall mal rein“, kündigt er an. Seine Aufgabe sehe er auch darin, in den nichtöffentlichen Sitzungen des Gemeindevorstands tiefere Nachfragen zu stellen, wenn es ihm sachlicj geboten scheine. Daran ändere auch nichts, dass das Eppertshäuser Rathaus durch Brockmann und damit „seine“ CDU geführt werde.
Als Themen, die ihm am Herzen liegen, nennt Mike Pritsch einen bunten Reigen: „Verkehrsthemen wie die Raserei in der Nieder-Röder Straße und die Optimierung der Parksituation, die regenerative Energieerzeugung, Aktualisierungen der Spielplätze, mehr Bäume und Spielgeräte auf dem Franz-Gruber-Platz.“ Anzupacken gibt es für den neuen Eppertshäuser Vize-Bürgermeister also genug. Vielleicht reicht bald selbst sein 48-Stunden-Tag nicht mehr aus.
(Text:jedö)
