Spiegelbild der Vielfalt: 38. Europafest des Kreises Offenbach und der Stadt Obertshausen

Das Europafest steht seit Jahrzehnten für den europäischen Gedanken, für Verständigung und für das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft. (Foto: ah)

Dunkle Wolken und düstere Wetterprognosen hatten die Organisatoren des 38. Europafestes des Kreises Offenbach und der Stadt Obertshausen bis kurz vor Beginn bangen lassen. Im Notfall hätte die Veranstaltung ins Bürgerhaus verlegt werden müssen – allerdings mit deutlich eingeschränkten Möglichkeiten. Doch pünktlich zur Eröffnung hatte Petrus ein Einsehen: Der Regen hörte auf, die Wolken lockerten sich und das Europafest konnte wie geplant auf dem Vorplatz des Bürgerhauses stattfinden. Zahlreiche Besucher nutzten die Gelegenheit, um gemeinsam ein Fest zu feiern, das weit mehr ist als eine Veranstaltung mit Musik und kulinarischen Spezialitäten.


Das Europafest steht seit Jahrzehnten für den europäischen Gedanken, für Verständigung und für das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft. Den Auftakt bildete ein musikalischer Frühschoppen der Karl-Mayer-Bigband Obertshausen, bevor Landrat Oliver Quilling und Obertshausens Bürgermeister Manuel Friedrich gemeinsam mit weiteren Ehrengästen das Fest offiziell eröffneten. Quilling erinnerte daran, dass im Kreis Offenbach Menschen aus rund 170 Nationen leben. Gerade diese Internationalität sei ein Markenzeichen der Region Frankfurt-Rhein-Main. Das Europafest sei ein Spiegelbild dieser Vielfalt und zeige, wie ein friedliches Miteinander im Alltag gelebt werden könne. Sein Dank galt den zahlreichen Vereinen, Kulturgruppen, Sponsoren und Ehrenamtlichen, die das Fest Jahr für Jahr möglich machen.

Auch Bürgermeister Manuel Friedrich stellte die Bedeutung Europas und der gelebten Partnerschaften in den Mittelpunkt seiner Begrüßung. Das Europafest zeige eindrucksvoll, dass Europa nicht nur ein politisches Projekt sei, sondern vor allem durch persönliche Begegnungen und Freundschaften lebe. Besonders begrüßte er Delegationen aus den Partnerstädten, darunter Gäste aus dem österreichischen Laakirchen sowie aus Meiningen in Thüringen. Laakirchens Bürgermeister Fritz Feichtinger erinnerte daran, warum die Europäische Union einst gegründet wurde: um Frieden zu sichern, Grenzen abzubauen und die Regionen zu stärken. Diese Werte hätten bis heute nichts von ihrer Bedeutung verloren.

Einen besonders eindringlichen Appell formulierte Hüsamettin Eryilmaz, Vorsitzender des Kreis-Ausländerbeirates. Für ihn sei das Europafest seit vielen Jahren das schönste Fest im Kreis Offenbach. Demokratie, Frieden und das respektvolle Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen seien Werte, für die sich die Ausländerbeiräte täglich engagierten. Die Vielfalt der Bevölkerung sei längst zur Normalität geworden und müsse weiterhin gefördert und gelebt werden. Ähnlich äußerte sich Jorge Humberto Silva, Vorsitzender des Obertshäuser Ausländerbeirates. Ein Blick über das Festgelände genüge, um zu erkennen, wie selbstverständlich Menschen unterschiedlicher Herkunft hier miteinander feiern. Dieses friedliche Miteinander sei etwas Besonderes und verdiene besondere Wertschätzung.

Ein bewegender Moment folgte unmittelbar nach den Ansprachen. Ein großer Chor aus Sängerinnen und Sängern verschiedener Obertshäuser Vereine sang die Europa-Hymne „Ode an die Freude“ zusammen mit dem Publikum unter dem Motto „Gemeinsam für Gerechtigkeit und Frieden in Europa“ und erhielt dafür lang anhaltenden Applaus.
Anschließend verwandelte sich das Festgelände in einen Ort der Begegnung. Tanz- und Musikgruppen aus verschiedenen Ländern präsentierten ihre Kultur auf der Bühne. Informationsstände der Europa-Union sowie des EUROPE DIRECT Relais Rhein-Main boten Gelegenheit zum Austausch über europäische Themen. Für Kinder gab es Spiel- und Kreativangebote, während an den zahlreichen Ständen Spezialitäten aus unterschiedlichen europäischen Ländern angeboten wurden.

Mit Musik von DJ Leo klang das Europafest am Abend aus. Zurück blieb die Botschaft eines Tages, der eindrucksvoll zeigte, dass Europa nicht nur in Brüssel oder Straßburg stattfindet, sondern vor allem dort lebt, wo Menschen unterschiedlicher Herkunft einander begegnen, miteinander feiern und gemeinsam Zukunft gestalten.

(Text: ah)