Ortsvorsteherin in Altheim mit Facebook-Aversion

Gut gelaunt ans Werk: Regina Hermann ist Altheims neue Ortsvorsteherin. (Foto: jedö)

Regina Hermann ist „kompletter politischer Neuling“ und jetzt Altheims erste Repräsentantin

Wehe, Regina Hermann kommt einer blöd: Diese Frau kann sich wehren! Beim Interview hat sie „ordentlich Muskelkater“, denn die Tage zuvor hat sie auf einem großen Karate-Treffen verbracht. Die japanische Kampfkunst ist die größte Leidenschaft der 39-Jährigen, die Trägerin des dritten Schwarzgurts ist und auf die Frage nach ihrer Karate Präferenz – Kata (Formenlauf) oder Kumite (Kampf) – lachend zugibt: „Ich kämpfe lieber!“ Ihr Kämpferherz kann die Altheimerin nun auch kommunalpolitisch trainieren: Im Anfang Mai konstituierten neuen Ortsbeirat im Münsterer Ortsteil ist Hermann zur Vorsitzenden und damit zur Ortsvorsteherin gewählt worden.


Dass sie mal Repräsentantin des 2.600 Einwohner großen, 1972 eingemeindeten „Spitzaltheim“ werden würde, hätte Hermann noch vor wenigen Monaten selbst nicht gedacht. Auch ein politisches Engagement im Allgemeinen stand für die gebürtige Unterfränkin, die als Siebenjährige aus Röllbach nach Altheim zog und ihr Geld als Schichtarbeiterin in der Pharmabranche verdient, lange nicht zur Debatte. Bis sie voriges Jahr in der Zeitung von den ersten Kandidaten für den neuen Ortsbeirat las, dessen Einführung die Münsterer Gemeindevertretung ein paar Wochen zuvor im zweiten Anlauf entschieden hatte. „Schon wieder nur Männer!“, habe sie sich beim ersten Blick aufs Foto gedacht und schickt erneut ein Lachen hinterher.

„Dann habe ich aber im Text gelesen, dass sie sich auch über weibliche Kandidaten freuen würden“, fügt Hermann an. Kurzerhand schrieb sie eine E-Mail an den Altheimer Marco Stix, der damals einer der Kandidaten der ersten Stunde war, später einer der Gründer der Wählergemeinschaft klar! werden sollte und jetzt sowohl Gemeindevertreter in Münster als auch Ortsbeirats-Mitglied in Altheim ist. Um ein Haar wäre es bei der einseitigen Kontaktaufnahme geblieben: „Ich bin mit meiner Mail erstmal in seinem Spamordner gelandet“, erinnert sie sich. Erst Wochen später erhielt sie eine Antwort.

Dann jedoch ging es rasant: Weil klar! bei der Ortsbeirats-Wahl mit 44,2 Prozent der gültigen Stimmen sogar die CDU hinter sich ließ und Peter Willweber auf sein Mandat verzichtete, rückte Regina Hermann als Dritte der klar!-Liste in den fünfköpfigen Beirat nach. Dort hätte der Vorsitz qua Wahlergebnis eigentlich Marco Stix zugestanden, der ob seiner Münsterer und Altheimer Doppelrolle im Ortbeirat aber nur als einfaches Mitglied mitwirken wollte. Obwohl sie „kompletter politischer Neuling“ sei und sich diverse Anforderungen an ihr Wahl-Ehrenamt „so zunächst nicht bewusst gemacht“ habe, stellte sich Hermann zur Wahl – und wurde im Duell mit Cornelius Hecker (SPD) mit 4:1 Stimmen zur Ortsvorsteherin gewählt.

Als solche wolle sie „den Altheimern stärker den Eindruck geben, dass sie gehört werden“, blickt Hermann auf die nächsten fünf Jahre voraus. Inhaltlich treibe sie unter anderem der Zustand des Friedhofs um, auch das Erscheinungsbild der historischen Brücke über die Semme nahe der Regenbogenschule, dazu Ärgernisse wie aus Wegen ragende Baumwurzeln. Um der beratenden Funktion des Ortsbeirats in derlei Fragen auch formal korrekt Geltung zu verschaffen, habe sie sich seit der Konstituierung des Ortsbeirats eingelesen und „schon viel gelernt“. Wer mit ihr in Kontakt treten wolle, solle dies übrigens vorzugsweise per persönlicher Ansprache tun. Lange habe sie sich gegen ein Handy gesträubt, zu einem Facebook-Account werde sie gerade noch mühevoll überredet: „Ich hasse das wie die Pest!“

(Text: jedö)