Catcalling ist kein Kompliment

(Grafik: Stadt Offenbach / Frauenbüro)

Frauenbüro Offenbach macht zum Anti-Catcalling-Tag auf verbale Übergriffe im Alltag aufmerksam

Einer Frau oder einem Mädchen hinterherzupfeifen, ihr Aussehen zu kommentieren oder die Aufforderung „Lächel´ doch mal“: Alltägliche Situationen, die sich so oder so ähnlich überall abspielen, sind für die Betroffenen alles andere als ein Kompliment. Sondern verbale Übergriffe, auf die das Frauenbüro Offenbach am jährlich stattfindenden Anti-Catcalling-Tag, immer am zweiten Freitag im Juni, aufmerksam macht. 2026 ist dies der heutigen 12. Juni.


„Catcalling ist kein harmloser Flirt, sondern eine Grenzüberschreitung“, betont Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke. „Wer Menschen im öffentlichen Raum ungefragt kommentiert oder sexualisiert, ignoriert deren persönliche Grenze. Als Stadt stehen wir klar für ein respektvolles Miteinander und dafür, dass sich alle unbeschwert und sicher im öffentlichen Raum bewegen können.“

Der Begriff „Catcalling“ stammt ursprünglich aus dem Theater und hat sich im Zuge von #metoo als Beschreibung für anzügliche, abwertende oder aufdringliche Zurufe, Kommentare, Gesten oder Ansprachen im öffentlichen Raum etabliert. Was häufig als harmlos oder sogar als Kompliment abgetan wird, wird von Betroffenen oft als unangenehm, störend oder einschüchternd erlebt. Das zeigen auch Rückmeldungen an das Frauenbüro, in denen Offenbacherinnen von aufdringlichen Kommentaren bis hin zu bedrohlichen Situationen berichten. Catcalling macht Angst und trifft häufig junge Frauen und Mädchen. In der Folge vermeiden sie dann bestimmte Orte oder Routen und passen ihr Verhalten an. „Der öffentliche Raum ist für alle da, jeder und jede sollte sich dort sicher bewegen können. Catcalling beraubt vor allem Frauen und Mädchen ihrer Freiheiten, erst recht, wenn sie von ihrer Umwelt nicht ernst genommen und ihre Ängste abgetan werden. Sie sollten sich doch nicht so anstellen“, berichtet Dr. Inga Halwachs, Kommunale Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte und widerspricht dem Klischee, dass Frauen und Mädchen mit ihrem Verhalten gezielt Aufmerksamkeit suchen, in dem sie etwa kurze Röcke oder luftige Tops tragen, im Freien Sport machen oder alleine unterwegs sind. „Diese Sichtweise unterstützt Täter, denn sie verharmlost und delegiert Verantwortung, statt klar von einer Grenzüberschreitung zu sprechen“, betont Halwachs. „Catcalling ist kein Kompliment, sondern Ausdruck männlicher Dominanz und einem entsprechenden Frauenbild“, ergänzt Luzia Rott, Fachreferentin für die Umsetzung der Istanbul-Konvention. „Es geht um Grenzüberschreitung und Macht.“

Was tun, wenn es passiert?

Eine solche Situation überrascht und überfordert. Manche reagieren laut, andere versuchen, sich so schnell wie möglich lautlos zu entziehen. „Dabei“, betont Rott, „gibt es kein richtig oder falsch. Sondern nur ein Wichtig. Nämlich sich klar zu machen, dass die Verantwortung nicht bei einem selber liegt, sondern die Aggression von außen kam.“ Wenn es die Situation zulässt, empfiehlt sie, klare Grenzen zu setzen und sich Hilfe zu holen. Andere Menschen anzusprechen oder sich bewusst in belebte Bereiche zu begeben. Grundsätzlich rät sie, mögliche Situationen gedanklich durchzuspielen und sich eine Reaktion zu überlegen. Weil die Realität aber meistens anders ist, hat das Frauenbüro gemeinsam mit der Initiative „Catcalls of Offenbach“ ein Zine entwickelt, das im Frauenbüro erhältlich ist. Es enthält Tipps für Betroffene, zeigt Hilfsangebote, aber auch Reaktionen auf und soll helfen, die eigene Wahrnehmung ernst zu nehmen und Grenzüberschreitungen klar einzuordnen. Das Heft richtet sich aber auch an Zeuginnen und Zeugen sowie unterstützende Personen, die erfahren, wie sie betroffene Person ansprechen oder eine Situation unterbrechen können, ohne sich selbst zu gefährden. „Wichtig ist“, so Rott weiter, Betroffene nicht allein in der Situation zu lassen und deutlich zu machen, dass übergriffiges Verhalten gesellschaftlich nicht akzeptiert wird.“

Weil Frauen und Mädchen nachts besonders gefährdet sind, gibt es das bundesweite Heimwegtelefon. „Wir finanzieren das Angebot seit November vergangenen Jahres mit““, erklärt Inga Halwachs. „damit sich Menschen auf ihrem Heimweg telefonisch von geschulten Mitarbeitenden begleiten lassen können, um sich sicherer zu fühlen. Auf Wunsch kann die Route dabei auch digital mitverfolgt werden, sodass im Notfall schnell die Rettungsleitstelle informiert werden kann.“

Die Catcalls of Offenbach schaffen Sichtbarkeit im öffentlichen Raum

Neben dem Frauenbüro macht sich die Initiative „Catcalls of Offenbach“ für das Thema stark. Die Gruppe sammelt über ihren Instagram Account @catcallsofoffenbach Erfahrungen von Betroffenen, die dort anonym gemeldet werden können. Diese werden dann im öffentlichen Raum angekreidet und dokumentieren den Ort und die übergriffigen Äußerungen. So entsteht aus einzelnen Erlebnissen eine eigene Topographie im Stadtraum. Damit will die Initiative sensibilisieren und Mut machen, denn Catcalling passiert leider jeden Tag.

Kein Kompliment: Sensibilisieren und Mut machen

Beleidigungen und Bedrohungen, die im Zusammenhang mit Catcalling getätigt werden, können strafbar sein. Viele Formen liegen jedoch in einem rechtlichen Graubereich. Deshalb ist es wichtig, Catcalling gesellschaftlich zu ächten und klar Haltung zu zeigen. Mit einer neuen Posterreihe unter dem Titel „Jeder Tag ist Anti-Catcall-Tag“ will das Frauenbüro deshalb Aufmerksamkeit schaffen und Betroffene stärken. Die sechs Motive greifen typische Erfahrungen, gesellschaftliche Narrative und Alltagssituationen rund um Catcalling auf. Sie thematisieren Verharmlosungen ebenso wie Grenzüberschreitungen und machen deutlich, wie wichtig Solidarität und unterstützendes Verhalten im öffentlichen Raum sind. Die Posterreihe richtet sich besonders an junge Menschen und soll dazu anregen, über alltäglichen Sexismus, gesellschaftliche Rollenbilder und respektvolles Verhalten ins Gespräch zu kommen. Die Motive stehen kostenlos auf der Website des Frauenbüros zum Download bereit. Ergänzend werden sie gemeinsam mit Stickern und Informationsmaterialien an Schulen, Jugendeinrichtungen und weitere Orte verteilt, an denen sich junge Menschen aufhalten: Catcalling ist kein Kompliment und erst recht kein Kavaliersdelikt.

Erreichbar ist das Heimwegtelefon unter 030 120 74 182, sonntags bis donnerstags von 21 bis 24 Uhr, freitags und samstags von 21 bis 3 Uhr. Infomaterial kostenlos im Frauenbüro erhältlich.

(Text: PM Frauenbüro Offenbach)