
Wasser, Kappen, Sonnencreme: Ordentlich verstaut Daniel Schneider Dinge im Auto, die bei großer Hitze unerlässlich sind. Das Auto ist kein gewöhnliches Auto und der Sonnenschutz ist auch nicht für Daniel Schneider. Er ist für die obdachlosen Menschen in Frankfurt.
144 Flaschen Wasser hat Schneider an diesem schwülen Vormittag bereits in den weißen Transporter gewuchtet, der als Hitzebus durch die Stadt fährt. Dazu kommen an diesem Tag noch zwei Dutzend bunter Schirmmützen, ein Schuhkarton voller Sonnencremetuben, Sonnenschirme und – ganz neu – Wasserzerstäuber zum Abkühlen der Haut. Sorgfältig sortiert der Sozialarbeiter die Ausstattung in die Schubladen im Kofferraum. Jeder Handgriff sitzt: Wenn die Temperaturen steigen, muss der Bus bereit sein. Bis zu 125 Liter Wasser am Tag verteilen Schneider und seine Kolleginnen und Kollegen an Menschen, die auf der Straße leben.
Schon 15 Jahre arbeitet Schneider beim Frankfurter Verein für soziale Heimstätten und leitet dort seit 2022 stellvertretend das Hitzebus-Hilfsangebot. „Der Hitzebus ist ein Angebot der Überlebenssicherung und der Gesundheitsfürsorge für obdachlos lebende Menschen in Frankfurt. Wir tragen dazu bei, dass obdachlose Menschen keine gesundheitlichen Schäden durch Hitze erleiden. Denn nicht nur eisige Kälte, sondern auch hohe Temperaturen sind ein großes Problem für vulnerable Gruppen“, sagt der 44 Jahre alte Sozialarbeiter.
Der Hitze schutzlos ausgeliefert
In den kommenden Tagen erwartet die Stadt Frankfurt genau diese große Hitze. Temperaturen über 34 Grad, fast eine Woche lang. Wenn die Sonne in der Stadt brennt, sind es vor allem Menschen ohne Dach über dem Kopf, die der Hitze schutzlos ausgeliefert sind – und auch nachts glüht die Stadt weiter.
Der Hitzebus ist deshalb während der Hitzewelle jeden Abend von 18 bis 2.30 Uhr unterwegs. Schneider und seine Kolleginnen und Kollegen vom Frankfurter Verein legen in ihrem weißen Transporter bis zu 120 Kilometer pro Nacht zurück, um im Auftrag der Stadt Obdachlose im Stadtgebiet mit dem Nötigsten zu versorgen.
„Wir fahren los, wenn die Situation übersichtlicher ist und man obdachlose Menschen auch leichter entdecken kann. Ab Mitternacht ist es deutlich einfacher, mit dem Bus jemanden zu finden, der im desolaten Zustand draußen übernachtet. Morgens sind die Leute eher noch frisch“, erklärt Schneider.
Wer möchte, wird von den Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern mit dem Hitzebus auch zu einer Notübernachtungsstätte gefahren, um dort den tropischen Nächten auszuweichen. Bis zu 150 Personen erreichen der staatlich anerkannte Sozialarbeiter und seine Kolleginnen und Kollegen in einer Hitzewelle so jede Nacht.
„Wir wollen mit dem Hitzebus eine andere Tageszeit abdecken als mit der Straßensozialarbeit, die tagsüber unterwegs ist“, sagt Schneider. „Dehydrierte Obdachlose mit Sonnenstich findet man eher abends.“
Hilfstransporter sichtet die Lage das ganze Jahr über
Sobald die Temperaturen drei Tage oder länger bei 32 Grad liegen, sind Schneider und sein Team in der Stadt unterwegs. Die nächtlichen Hilfsfahrten ergänzen die aufsuchende Sozialarbeit, die tagsüber Menschen ohne Obdach bei großer Hitze anspricht, ihnen Hilfe anbietet und sie berät.
Der weiße Transporter des Frankfurter Vereins für soziale Heimstätten ist aber nicht nur während einer Hitzewelle unterwegs, sondern auch darüber hinaus auf monatlichen Sichtungsfahrten. Dabei stellen die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter fest, wie sich die Situation bei den Menschen ohne Unterkunft in Frankfurt verändert: Sind neue obdachlose Menschen dazugekommen? Wie entwickeln sich die Zahlen? Braucht jemand akut Hilfe oder neue Ausstattung? Mit den monatlichen Sichtungsfahrten bleibt das Team das ganze Jahr über mit den rund 300 Frankfurterinnen und Frankfurtern ohne Obdach in Kontakt und sorgt so dafür, dass Angebote aus der sozialen Arbeit besser angenommen werden.
Im Sommer fahren Schneider und sein Team regelmäßig Orte an, die besonders von obdachlosen Menschen frequentiert werden – sie arbeiten aber ebenfalls auf Zuruf. Unter der Telefonnummer 069/431414 können Bürgerinnen und Bürger den Frankfurter Verein ganzjährig – im Winter wird der Hitzebus zum Kältebus – kontaktieren, wenn sie Personen ohne Obdach begegnen, die Schutz und Unterstützung bei extremen Temperaturen brauchen. Das Angebot ist Teil des Klimawandel-Aktionsplans der Stadt Frankfurt.
Daniel Schneider klappt den Kofferraum des Transporters zu. Der Hitzebus ist gepackt und einsatzbereit. Wasser, Sonnenschutz und Hilfsgüter warten darauf, dorthin zu kommen, wo sie in den kommenden heißen Tagen dringend gebraucht werden.
(Text: PM Stadt Frankfurt/Julia Haronska)

