Offenbach: Medizinische Soforthilfe nach Vergewaltigung

Die Projektbeteiligten machen auf die verlängerte Aufbewahrungsfrist gesicherter Beweise bei der Medizinischen Soforthilfe nach Vergewaltigung aufmerksam. Zu sehen sind: PD Dr. med. Ahmed El-Balat, Chefarzt der Gynäkologie, Sana Klinikum (vorne links), Martina Arndt, Fachliche Leitung pro familia Offenbach (vorne rechts), Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke (Mitte links), Luzia Rott, Koordinierungsstelle Istanbul Konvention (Mitte rechts), Wilfried Kowalzik, Oberarzt der Klinik für Gynäkologie im Ketteler Krankenhaus (hinten links), Dr. Inga Halwachs, Kommunale Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte (hinten rechts). (Foto: Stadt Offenbach/ Mona Förder)

Verbesserte Finanzierung und längere Aufbewahrungsfrist stärken Unterstützung für Betroffene

Seit 2025 übernehmen gesetzliche und private Krankenkassen die Kosten der vertraulichen Spurensicherung. Außerdem wurde die Aufbewahrungsfrist der gesicherten Beweise auf drei Jahre verlängert und Krankenhäuser können ihre Leistungen künftig über höhere Pauschalen abrechnen. Die Veränderungen verbessern die Zugänglichkeit und Versorgung von Betroffenen im Rahmen der „Medizinisches Soforthilfe nach Vergewaltigung“.


Die „Medizinische Soforthilfe nach Vergewaltigung“ bietet betroffenen Frauen eine schnelle und vertrauliche Versorgung. Bereits seit 2015 ist dieses Angebot auch in Offenbach erfolgreich etabliert. Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke, der das Projekt bereits seit seiner Zeit als Sozialdezernent unterstützt, sieht darin einen Weg, den Betroffenen die Kontrolle zurückzugeben: „Jeder Mensch hat das Recht, selbst über seinen Körper zu entscheiden. Eine Vergewaltigung raubt dieses Recht. Die große Stärke dieses Projektes ist: es gibt die Chance, medizinisch geholfen zu bekommen und Beweise zu sichern, um später entscheiden zu können, ob man den Täter belangen will. Das halte ich für absolut wichtig, und dieses Zeichen setze ich ganz bewusst auch als Mann.“

Im Sana-Klinikum und im Ketteler-Krankenhaus werden Betroffene medizinisch versorgt. Neben der Behandlung möglicher Verletzungen und Infektionen mit sexuell übertragbaren Krankheiten kann auf Wunsch auch eine vertrauliche und gerichtsfeste Spurensicherung erfolgen. Das Personal in den beiden Kliniken wird regelmäßig im sensiblen Umgang geschult und Betroffene erfahren eine professionelle wie empathische Unterstützung.

Die Möglichkeit, Beweise zunächst vertraulich sichern zu lassen, verschafft vielen Betroffenen Zeit für ihre Entscheidung und verbessert zugleich die Chancen auf eine spätere Verurteilung des Täters.

Dr. Inga Halwachs, Kommunale Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Offenbach, erklärt: „Nach einer Vergewaltigung ist eine schnelle medizinische Versorgung dringend erforderlich. Gleichzeitig brauchen viele Frauen zunächst einen geschützten Raum, ohne unmittelbar über eine Strafanzeige entscheiden zu müssen. Genau deshalb ist ein niedrigschwelliges Angebot so wichtig.“

Da Vergewaltigung als Offizialdelikt verfolgt wird, kann eine Anzeige nicht mehr zurückgezogen werden, sobald die Polizei Kenntnis davon erhält. Pia Barth, Beraterin im Frauennotruf Offenbach, erläutert: „Sexualisierte Gewalt bedeutet für Betroffene einen Kontrollverlust. Sich über den Ablauf eines Strafverfahrens informieren und das weitere Vorgehen in Ruhe planen zu können, gibt Mädchen und Frauen ein Stück Kontrolle und Selbstwirksamkeit zurück.“

Im Frauennotruf der Beratungsstelle erhalten Betroffene Informationen zu möglichen rechtlichen Schritten sowie psychosoziale Unterstützung.

Die vertrauliche Spurensicherung ist nur innerhalb von 72 Stunden nach dem Übergriff möglich. Deshalb ist es wichtig, die Öffentlichkeit über das Angebot zu informieren. Angehörige, Freundinnen und Freunde oder Bekannte können Betroffene so schnell auf die Möglichkeit einer vertraulichen medizinischen Versorgung hinweisen.

Aus diesem Grund wird die „Medizinische Soforthilfe nach Vergewaltigung“ auch in diesem Jahr wieder in Offenbacher Stadtbussen beworben. Die Kampagne wird durch die Unterstützung des Ketteler-Krankenhauses, des Sana-Klinikums sowie des Frauenbüros Offenbach finanziert.

„Sexualisierte Gewalt darf kein Tabuthema sein. Es ist unsere gesellschaftliche Verantwortung, den Betroffenen zu helfen und sie zu unterstützen“, betont Schwenke abschließend.

Kontakt zum Frauennotruf Offenbach

Pro familia Offenbach
Domstraße 43
63067 Offenbach
Rufnummer: 069 8509 6800
offenbachprofamiliade
www.hilfe-nach-sexueller-gewalt.de

SANA KLINIKUM OFFENBACH
Starkenburgring 66
63069 Offenbach
Rufnummer Notaufnahme: 069 8405 7643

KETTELER KRANKENHAUS OFFENBACH
Lichtplattenweg 85
63071 Offenbach
Rufnummer tagsüber: 069 850 5377
Rufnummer nachts: 069 850 50

(Text: PM Stadt Offenbach)