Stadt Offenbach organisiert erstmals in ihrer Geschichte kühle Orte für die am stärksten von Hitze Betroffenen

Symbolbild Hitze (Foto: geralt auf Pixabay)

Der Deutsche Wetterdienst hat für das Wochenende eine Warnung vor extremer Wärmebelastung herausgegeben. Auch die Stadt Offenbach ist von dieser besonders früh im Jahr auftretenden, besonders langen und besonders heißen Hitzewelle betroffen. Zum ersten Mal in der Geschichte der Stadt hat daher am Mittwoch ein Verwaltungsstab Hitze (auch „Krisenstab“ genannt) unter der Leitung von Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke getagt. Bürgermeisterin Sabine Groß und Oberbürgermeister Schwenke folgten damit einer Empfehlung des Gesundheits- und des Umweltamtes.


„Klimaschutz muss selbstverständlich Teil guter politischer Entscheidungen sein, Klimaschutz ist aber natürlich auch eine Aufgabe für alle Bürgerinnen und Bürger. Es ist nichts, was die Politik alleine schaffen kann. Die aktuelle Wetterlage unterstreicht noch einmal die Bedeutung. Als Stadt wollen wir sowohl unseren Beitrag zum Klimaschutz leisten als auch zur Klimaanpassung. Zur Klimaanapassung zählt auch, dass wir in den kommenden Jahren Schritt für Schritt Strukturen aufbauen werden, wie wir Bürgerinnen und Bürger in Zeiten besonders starker Hitzewellen unterstützen können. Denn – so viel ist sicher – das wird leider nicht die letzte Hitzewelle gewesen sein. Im Gegenteil: Wir werden in den kommenden Jahren mit noch stärkeren Hitzewellen umgehen müssen“, so Oberbürgermeister Schwenke zur grundsätzlichen Einordnung.

Die Stadt Offenbach betreibt schon länger eine intensive Klimaschutzpolitik und bereitet sich auch schon länger auf die Klimaveränderung vor. Dazu gehört beispielsweise der Umbau der Stadt nach Schwammstadt-Prinzip. Die Idee ist, dass die Stadt Regenwasser speichert und bei Hitze wieder abgeben kann. Dadurch sinken die Temperaturen und gleichzeitig werden Überschwemmungen reduziert. Die Stadt hat zahlreiche Bäume gepflanzt, Förderprogramme etwa zur Entsiegelung aufgelegt, Bäche wie den Hainbach und die Südliche Bieber sind renaturiert worden. Zusätzlich unterstützt die Stadt Bürgerinnen und Bürger bei der Begrünung von Fassaden. Bebauungspläne schreiben zum Teil die Nutzung von Regenwasser vor.

Vulnerable Menschen können kühlere Orte aufsuchen

Erstmals in Ihrer Geschichte stellt die Stadt Offenbach in den kommenden drei Tagen extra kühle Orte für besonders betroffenen Menschen zur Verfügung. Diese sind aber nicht für jedermann gedacht, sondern richten sich insbesondere an ältere Menschen mit und ohne Vorerkrankungen, Menschen, die unter dem Dach wohnen und inakzeptable Temperaturen in ihren Wohnungen haben und junge Familien mit sehr kleinen Kindern. Sie können die von der Stadt angebotenen kühlen Räume nutzen. In den Räumen steht Wasser zur Verfügung:

  • Turnhalle der GTS (Gewerblich-technische Schule) / (Freitag 26. Juni bis Sonntag 28. Juni jeweils von 10 bis 22 Uhr) / klimatisiert
  • Aufenthaltsraum GBM, Odenwaldring 44, 1. OG (Freitag 26. Juni bis Sonntag 28. Juni, jeweils von 10 bis 22 Uhr) / klimatisiert
  • Else-Herrmann Seniorentreff (Freitag 26. Juni von 11 bis 20 Uhr, Samstag 27. Juni von 11 bis 20 Uhr, Sonntag 28. Juni von 11 bis 20 Uhr) / klimatisiert

Natürlich suchen auch viele nicht besonders vulnerable Menschen in diesen Tagen nach Hitzeschutz. Die Stadt hat daher die Kirchen gebeten, ausnahmsweise mal wieder länger zu öffnen. OB Schwenke dankt für die kurzfristige Bereitschaft dazu. Geöffnet sind:

  • Kirche St. Paul, Kaiserstraße 60 (Freitag 14 bis 17 Uhr, Sonntag 10 bis 13 Uhr)
  • Französisch-Reformierte Gemeinde, Herrnstraße 43 (Freitag 12 bis 16 Uhr, Sonntag 9 bis 18 Uhr)
  •  St. Peter Polnische Katholische Gemeinde, Berliner Straße 274 (Samstag 8 bis 18 Uhr)
  • Evangelische Stadtkirche, Herrnstraße 44 (Freitag von 12 bis 21 Uhr, Samstag 11 bis 13 Uhr, 18 bis 21 Uhr)

Für eine kurze Abkühlung erinnert die Stadt daran, dass Besuche in Einkaufszentren und klimatisierten Geschäften hilfreich sein können. Zudem gilt: Busse in Offenbach sind klimatisiert und können für den Weg zu allen genannten Orten genutzt werden.

Schattige Orte gibt es hier:

  • Dreieichpark
  • Leonhard-Eißnert-Park
  • Rumpenheimer Schloßpark
  • Büsingpark
  • Anlagenring

Im Leonhard Eißnert Park gab es am Mittwoch einen Defekt an den Wasserspielen.  Bereits am Donnerstagmorgen um 5 Uhr erschien ein Trupp der Stadtwerke zum reparieren und seit Donnerstag 13 Uhr funktionieren die Wasserspiele wieder. Der OB dankt den Bediensteten, die hier vorbildlich schnell gehandelt haben.

Kostenloses Trinkwasser

Die Stadt veröffentlich zudem eine Liste mit Orten, an denen man kostenlos Trinkwasser erhalten kann.

„Wir haben in den vergangenen Jahren selbstverständlich erste Vorbereitungen für solche Hitzewellen getroffen, wodurch wir nun mit einigen kleinen Maßnahmen auch kurzfristig handlungsfähig sind. Neben langfristig wirksamen Klimaschutzmaßnahmen werden wir in den kommenden Jahren auch unsere „Hitze-Aktionsschutzpläne“ stetig anpassen. Wir beobachten die Ideen anderer Städte, wir folgen den Empfehlungen von Bundesämtern und, was mir besonders wichtig ist: Wir werden auch die Rückmeldungen der Bürgerinnen und Bürger schrittweise aufnehmen und nach Möglichkeit einarbeiten.  Zwei Punkte sind entscheidend: Wir als Stadt werden nicht alle Menschen vor allen Auswirkungen der Hitze schützen können. Aber mein Anspruch ist, dass wir schrittweise von Hitzewelle zu Hitzewelle sowohl für die stärker betroffenen Gruppen als auch für alle anderen Menschen Schritt für Schritt bessere Unterstützungsangebote bereitstellen können. Diese Strukturen werden wir – auch im Rahmen des Zivilschutzes – Zug um Zug verbessern und aufbauen“, so Oberbürgermeister Schwenke.

Schulen

Die Offenbacher Schulen bleiben am Freitag geöffnet. Da die Ferien beginnen, ist nur drei Stunden am Vormittag Unterricht. Schülerinnen und Schüler können mit den klimatisierten Bussen der OVB die Schulen erreichen.

Stadt erinnert an grundsätzliche Tipps

Die Stadt Offenbach erinnert aus aktuellem Anlass zudem an grundsätzliche Informationen zu Hitze. Langanhaltend hohe Temperaturen stören die natürliche Regulation der Körpertemperatur. Dadurch kann der Blutdruck sinken und der Kreislauf wird belastet.

Um Hitze-Erschöpfung vorzubeugen und den Verlust von Flüssigkeit durch Schwitzen auszugleichen, empfiehlt das Gesundheitsamt, viel Wasser oder lauwarmen Tee zu trinken. Für die wichtigen Elektrolyte können Obst und Gemüse sorgen. Wichtig ist es, ausreichend Mineralien zu sich zu nehmen (Salz). In Offenbach können Trinkgefäße auch an Trinkbrunnen (www.offenbach.de/trinkbrunnen) gefüllt werden und an vielen Refill-Stationen (www.offenbach.de/refill).

Alkohol ist bei Hitze besonders gefährlich: Die Auswirkungen der Hitze auf den Körper werden oft zu spät bemerkt und es drohen gesundheitliche Schäden.

Längere Aufenthalte in direkter Sonne können den Körper überhitzen. Daher sollte während des Tages möglichst Schatten aufgesucht werden. Bei Symptomen wie einer Körpertemperatur von 40 Grad, gestörtem Bewusstsein, Erbrechen, Krämpfen, Durchfall oder niedrigem Blutdruck ist der Rettungsdienst zu alarmieren. Es könnte sich um einen Hitzeschlag handeln.

Zum Schutz des Körpers ist luftige Kleidung und eine Kopfbedeckung wichtig. Zudem sollte die Haut kühlgehalten werden. Dabei helfen Arm- und Fußbäder. Auch das Besprühen der Haut mit sauberem Leitungswasser zusammen mit der Einwirkung eines Ventilators erzeugt einen kühlenden Effekt.

Nicht von Kleidung bedeckte Haut benötigt Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor wegen hoher UV-Werte. Körperliche Anstrengung während extremer Hitze und bei Aufenthalt in der Sonne gilt es zu vermeiden. Das heißt: Joggen, Fußballspielen und andere Sportarten sind bei dieser großen Hitze in praller Sonne ungesund. Unvermeidbare körperliche Aktivitäten sollten auf den Morgen und Abend verlegt werden.

Um den Wohn- und Schlafraum möglichst kühl zu halten, kann früh morgens und spät abends gelüftet werden. Eine Quer- oder Stoßlüftung durch eine vollständige Öffnung der Fenster bringt am meisten Abkühlung und vertreibt hohe Luftfeuchtigkeit. Tagsüber sollten Rollläden, Markisen und Fenster geschlossen bleiben.

Kinder und Haustiere dürfen keinesfalls im Auto zurückgelassen werden – die Temperaturen steigen darin leicht auf über 50 Grad. Das kann schnell zu einem tödlichen Hitzeschlag führen.

Hitze kann Atemwegserkrankungen verschlimmern, den Schlafbeeinträchtigen und zu Nierenerkrankungen führen. Zudem ist die Gefahr von Thrombosen und Herzinfarkten erhöht.

Tiere schützen

Haustiere leiden ebenso unter der Hitze. Spaziergänge sind auf den frühen Morgen oder Abend zu legen. Tiere dürfen nicht im Auto gelassen werden. Für Weidetiere wie Pferde, Rinder, Schafe und Schweine, aber auch Kaninchen im Garten sind ausreichend große und gut belüftete Schattenplätze wichtig.

Für Kaltwasserfische wie Goldfische wird es bei Wassertemperaturen über 20 Grad kritisch. Gegebenenfalls sollte frisches Wasser zugeführt werden und ausreichend Sauerstoff im Wasser sein.

Eine flache Schale mit täglich frischem Wasser an einem schattigen Platz versorgt Vögel. Für Hummeln, Bienen und Schmetterlinge empfiehlt sich ein kleiner, keilförmiger Stein, der aus der Schale herausragt. Die Wasserschalen müssen täglich mit heißem Wasser gereinigt werden, damit sich Krankheitserreger nicht vermehren.

Weitere Informationen

Informationen und die Hitzebroschüre zum Herunterladen auch in einfacher Sprache unter www.offenbach.de/hitze im Internet.

Informationen zur Abkühlung unter www.offenbach.de/abkuehlung im Internet.

(Text: PM Stadt Offenbach)