Wie KI das Marketing revolutioniert

Prof. Dr. Markus Gross (Foto: Cameron Snell)
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Interview: Nanos-Mitgründer Markus Gross erklärt, wie die Künstliche Intelligenz die Werbewelt auf den Kopf stellt

Digitales Marketing ist längst kein Luxus mehr, sondern ein Muss auch für kleine und mittelständische Betriebe, um Sichtbarkeit bei ihren Zielkunden zu erzielen. Doch wie gelingt der Einstieg, wenn Zeit und Budget knapp sind? Markus Gross, Mitgründer von Nanos, Informatik-Professor und ­Direktor von Disney Research in Zürich, erklärt im Interview, wie die Künstliche Intelligenz modernes Marketing und Werbekampagnen revolutioniert hat und warum die Technologie für Unternehmen inzwischen ein echter Game-Changer ist.


Herr Gross, digitales Marketing hat sich rasant verändert. Was sind die wichtigsten Entwicklungen der ­letzten Jahre?
Markus Gross: Aus meiner Sicht sind es vor allem drei Dinge: Kampagnen­optimierung durch datengetriebene KI, die generative Erstellung von Marketinginhalten und die Automatisierung von Prozessen. Moderne Künstliche Intelligenz, mit Hilfe von Large Language Modellen und Reasoning, ermöglicht es, Kampagnen präzise zu personalisieren, zu lokalisieren und zu optimieren. Das war früher nur mit hohen Budgets möglich.
Heute demokratisiert unsere Technologie dies für kleine und mittlere Unternehmen. Gleichzeitig spart generative KI Zeit und Kosten, etwa bei der Erstellung von Texten, Bildern oder kurzen Videoclips. Für Marketingkampagnen ist Künstliche Intelligenz bereits heute ein Produktivitätswerkzeug mit riesigem Potenzial. Dank Nanos nun auch für kleine Betriebe mit begrenztem Budget.

Viele KMUs zögern noch, digitale Werbung und KI zu nutzen. Sei es aus Zeitmangel, Budgetbedenken oder Skepsis. Was würden Sie einem Handwerksbetrieb raten?
Die Hemmschwelle ist verständlich, aber unbegründet. KI ist kein „teuflisches“ Werkzeug, das die Welt übernimmt, sondern ein sehr leistungsfähiges, digitales Produktivitätswerkzeug. Historisch gesehen haben neue Technologien in den wenigsten Fällen global Stellen eliminiert, sondern Arbeitsprofile verändert, und oft sogar mehr Bedarf an menschlicher Kapazität geschaffen. Wer KI nutzt, gewinnt einen strategischen Vorteil. Wer sich verweigert, bleibt zurück. So wie Taxifahrer, die Uber ignoriert haben. Nanos macht es möglich, dass auch Laien in Minuten professionelle Kampagnen erstellen, optimieren und überwachen können.

Wie schafft es die Nanos-Technologie, den Prozess so stark zu vereinfachen?
Die Grundidee war, KI einzusetzen, um die Detailarbeit zu übernehmen, die sonst geschultes Marketing-Personal machen müsste. Wir wollten ein Tool schaffen, das nicht primär für echte Profis, sondern eben auch für den Selbstständigen oder Kleinunternehmer optimiert ist. Also für die 90 Prozent der Betriebe mit weniger als 10 Mitarbeitern und minimalem Marketing­budget.

Die Plattform nutzt eigene Technolo­gien, die auf unseren eigenen Datensätzen trainiert wurden, kombiniert mit optimierten Basismodellen für Bild- und Textgenerierung. So entsteht eine intuitive Benutzeroberfläche, mit der Nutzer:innen mit wenigen Klicks und einfacher Information Kampagnen erstellen und optimieren können. Die KI übernimmt dann den Rest.

Wie ist die Idee entstanden, KI speziell für Marketing und Kampagnen einzusetzen?
90 Prozent der KMUs sind nicht in der Lage, Google- oder Facebook-Interfaces zu bedienen, und haben auch kein Budget für Agenturen. Gleichzeitig bieten digitale Plattformen enorme Möglichkeiten für lokale, personalisierte Kampagnen gegenüber klassischen Anzeigen. Wir wollten diese Lücke schließen: zwischen dem, was ein Handwerker oder eine Friseurin technisch zu leisten vermag, und dem, was für eine erfolgreiche Kampagne nötig ist. Mit maschinellem Lernen und später generativer KI ist uns das gelungen.

Nanos wirbt mit einer eigenen KI-­Engine. Was macht diese einzigartig im Vergleich zu anderen Anbietern?
Nanos kombiniert eigene Technologien, etwa für die Kampagnenoptimierung, mit Basismodellen, die wir für spezifische Zwecke anpassen. Besonders wichtig ist dabei Reinforcement Learning: Die KI lernt kontinuierlich aus Feedback wie Klickzahlen oder Nutzer­zufriedenheit und passt Kampagnen dynamisch an.

So wird etwa das Budget automatisch dort eingesetzt, wo es am besten wirkt. Gleichzeitig bleibt die Kontrolle bei den Nutzer:innen. Sie können Zielgruppen genau definieren, Kampagnen überwachen und jederzeit anpassen. In der nahen Zukunft wird Nanos mit Hilfe agentischer KI zu einem intelligenten Marketing-Assistenten für jedermann werden.

Wie stellt Nanos Transparenz und Steuerung für Nutzer:innen sicher – etwa um zu vermeiden, dass Werbung auf unpassenden Seiten erscheint?
Die Nutzer:innen können Zielgruppen und Lokalität präzise eingrenzen, zum Beispiel um nur Kund:innen in der eigenen Stadt anzusprechen. Zudem gibt es Dashboards, die Echtzeit-Statistiken liefern. Und ja: Es gibt Sicherheitsvorkehrungen, sowohl von Nanos als auch von Plattformen wie Google oder Facebook, die sicherstellen, dass Werbung nur auf passenden Seiten erscheint.

Aber im Gegensatz zu klassischen Print-Anzeigen haben Nutzer:innen hier die volle Transparenz und ­Kontrolle. Sie ­sehen, wie Kampagnen wirken, und können sie jederzeit anpassen.

Wird Marketing in 5 bis 10 Jahren ohne KI noch möglich sein?
Ich denke eher nicht, denn KI wird im Marketing genauso selbstverständlich sein wie Textverarbeitung heute im Büro. Die menschliche Expertise bleibt wichtig – aber die KI wird zu einem intelligenten Marketing Assistenten werden, der Kampagnen ganz selbständig erstellt, optimiert und überwacht.

Dies alles wird es ermöglichen, mit gleichem Budget mehr Inhalte, mehr Kampagnen und zugleich bessere Ergebnisse zu erzielen. Ähnlich wie bereits in der Software-Entwicklung wird Künstliche Intelligenz auch das Marketing revolutionieren. Diese Entwicklung ist bereits im Gange. Und wer dafür offen ist, wird langfristig profitieren.

Mehr Infos online unter www.nanos.ai/de

(Text: Red)