
Eine Komödie klingt unterhaltsam, Molière dagegen für viele zunächst nach anspruchsvoller Klassikerlektüre. Eine Komödie von Molière in hessischer Mundart weckt hingegen sofort Neugier. Das dachten sich offenbar auch die zahlreichen Zuschauerinnen und Zuschauer, die trotz hochsommerlicher Temperaturen zu den Aufführungen des Barocks am Main-Ensembles am Heusenstammer Bannturm kamen. Im Rahmen des Heusenstammer Sommers gastierte die Theatergruppe dort mit Molières Komödie „Die Schule der Frauen“ – in der hessischen Fassung von Wolfgang Deichsel.
Deichsel wollte mit seiner Dialektbearbeitung den französischen Klassiker einem breiteren Publikum näherbringen. „Wenn dieses Vorurteil, dass sich höhere Bildung und Dialekt ausschließen, abgebaut ist, dann kriegen die Zuschauer raus, dass das Stück klarer wird, dass sie besser in die Situationen reinkommen, dass der Molière nicht mehr ein entfernter Klassiker ist, sondern dass die Motivationen plötzlich nachvollziehbar sind“, wird der Autor in einem Interview zitiert.
Im Mittelpunkt der Handlung steht Arnold (Michael Quast), ein Mann mittleren Alters, der sich eine möglichst dumme und ungebildete Ehefrau wünscht, damit sie gar nicht erst auf die Idee kommt, ihm untreu zu werden. Zu diesem Zweck nimmt er das Bauernmädchen Agnes (Pirkko Cremer) zu sich und vertraut ihre Erziehung einem einfältigen Dienerpaar (Ulrike Kinbach und Alexander J. Beck) an. In dieser „Schule der Frauen“ wächst Agnes, von der Außenwelt abgeschirmt, zu einer scheinbar naiven, unschuldigen und unterwürfigen jungen Frau heran.
Zunächst scheint Arnolds Plan aufzugehen. Doch dann tritt Horazius (Jochen Döring), der Sohn eines Geschäftsfreundes, in ihr Leben und verliebt sich in Agnes. Ausgerechnet Arnold selbst vertraut Horazius seine Liebe an und berichtet ihm ahnungslos von seinen Annäherungsversuchen. Arnold muss gute Miene zum bösen Spiel machen und seine aufkommende Eifersucht verbergen. Dabei entgeht ihm, dass Agnes längst begonnen hat, ihren eigenen Kopf zu entwickeln und keineswegs die ihr zugedachte Rolle des einfältigen Dummerchens spielen will. Am Ende nimmt die Geschichte für Arnold eine wenig erfreuliche Wendung – sehr zur Freude des Publikums, das immer wieder mit herzhaftem Lachen reagierte.
In weiteren Rollen überzeugten Rainer Ewerrien als Arnolds Freund Christoph sowie Ulrike Kinbach in einer Doppelrolle als Hilda, Christophs Schwägerin.
(Text: ah)
