700 Gäste beim Eppertshäuser Kreuzfahrt-Tag

Im Foyer der Bürgerhalle waren beim Eppertshäuser Kreuzfahrt-Tag die Messestände untergebracht. Im kleinen Saal gab es Vorträge der Reedereien. (Foto: ah)

Der Kreuzfahrt-Tag an und in der Eppertshäuser Bürgerhalle hat am Samstag alle bisherigen Auflagen übertroffen. Zur Veranstaltung des lokalen Kreuzfahrt-Anbieter marena, dessen Team am benachbarten Franz-Gruber-Platz sitzt und über Lizenznehmer bundesweit weitere Büros betreibt, kamen 700 geladene Gäste. Trotz des immensen Trubels nahm sich inmitten der Mischung aus Messe im Hallenfoyer, Vortragsreihe im kleinen Saal und Grillfest auf dem Codigoro-Platz Inhaber und Geschäftsführer Peter Scholtis Zeit für ein Gespräch über Zahlen, Trends und den größten externen Einflussfaktor der vergangenen Monate.


„Das erste Halbjahr war ein chaotisches“, berichtete Scholtis. Damit spielte er auf den Krieg zwischen den USA und dem Iran im Allgemeinen und auf die Sperrung der Straße von Hormus im Speziellen an. Freilich nicht nur wegen Schiffen, die Destinationen im Persischen Golf westlich der Meerenge wie Katar und die Emirate nicht mehr ansteuern oder verlassen konnten, sondern auch aufgrund anderer Auswirkungen der unmittelbaren kriegerischen Auseinandersetzung sowie der grundsätzlichen Unsicherheit in der Region. Womit Scholtis etwa auf die enorm wichtigen und ebenfalls beeinträchtigten Luftverkehrskreuze in Dubai und Doha anspielte: „Dadurch waren selbst Asien- und Australien-Gäste teils ein oder zwei Wochen länger weg als geplant, weil sie über diese Flughäfen zurück nach Europa geflogen wären, sie auf diesem Weg aber nicht mehr zurückkamen.“ Andere Routen – etwa über Nordamerika und den Atlantik – hätten die temporär entfallenen Kapazitäten nicht ersetzen können.

Für die Reedereien und damit auch Veranstalter wie den Eppertshäuser Kreuzfahrt-Spezialisten sind die Konsequenzen des Kriegs samt Flächenbrand in der ganzen Region schon jetzt definitiv langfristige: „Der Nahe Osten ist bis einschließlich 2028 kein Thema mehr“, sagte Scholtis. Selbst im Falle eines schnellen Friedens – und sogar dann, wenn die entsprechenden Vereinbarungen einen nachhaltigen Eindruck machen – werden nach Scholtis‘ Einschätzung in den nächsten zwei, drei Jahren kaum Kreuzfahrt-Schiffe im genannten Gebiet fahren. „Die Branche braucht viel mehr Vorlauf als landgebundene Reisen, um wieder hochzufahren. Ein Hotel können sie schneller wieder reaktivieren als eine Kreuzfahrt-Route.“ Reedereien verlegten ihre Schiffe in andere Gewässer.

Schon jetzt habe sich die Reiselust, die im Nahen Osten auf dem Schiff nicht mehr gestillt werden kann, auf andere Weltregionen umverteilt. „Südamerika ist stark im Kommen“, weiß Scholtis. „Norwegen ist total angesagt, inzwischen entdecken viele dieses Ziel auch im Winter.“ Das Mittelmeer bleibe ein Dauerbrenner. Kreuzfahrten Richtung Afrika seien für marena hingegen auch aus generellen Gründen „nicht mehr so interessant“. Dort lägen viele Attraktionen im Landesinneren. Wer sich für solche Ziele interessiere, dem biete man lieber Jeep-Safaris als landgebundene Reisen an.

Diese machen nach Scholtis‘ Angaben aber nur fünf Prozent am Volumen des Eppertshäuser Reiseanbieters aus. 95 Prozent entfielen auf Fluss- und Seekreuzfahrten. Ein touristischer Bereich, der sich prima entwickele, allgemein und mit Blick aufs eigene Geschäft: „2025 hatten wir gegenüber 2024 einen Umsatzzuwachs von 45 Prozent. Auch im ersten Halbjahr 2026 liegen wir gegenüber dem Vorjahr 21 Prozent im Plus.“

(Text: jedö)