Das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum hat – auf Basis der Machbarkeitsstudie für den Brückenersatzbau – zum 30. Juni 2026 dem dritten Änderungsantrag der Wissenschaftsstadt Darmstadt zugestimmt.
Die Planung wurde über den gesamten Zeitraum der Genehmigungsphase konkretisiert. Seit Juni liegt den Bauherren die Vorplanung und -statik für die neue Rheinstraßenbrücke vor; das nun finalisierte Baugrundgutachten hat gezeigt, dass eine kostengünstigere Flach- anstelle einer Tiefgründung möglich ist.
„Wir sind und bleiben auf einem guten Weg“, fassen Oberbürgermeister Hanno Benz und Mobilitätsdezernent Paul Georg Wandrey die aktuelle Lage zusammen. „Auch wenn an der Baustelle selbst nicht täglich Bauarbeiten zu beobachten sind, geht der Prozess voran. Es passiert viel im Hintergrund: vorbereitende Arbeiten im Baufeld und am Bauwerk für die Denkmalauflagen sowie weitere Planungsprozesse und Ausschreibungen, ohne die dieses wichtige Infrastrukturprojekt nicht realisiert werden könnte. Dem zuständigen Ministerium danken wir dafür, dass die neue Planung jetzt eine rechtssichere Grundlage hat.“
Herausforderungen bei Sperrpausen der Deutschen Bahn
Eine Neuplanung der Brückenkonstruktion war nötig geworden, da die ursprüngliche Planung einen hohen Sperrpausenbedarf hatte und die DB InfraGO, ein Tochterunternehmen der Deutschen Bahn (DB), ursprünglich geplanten Sperrpausen nicht zustimmte. Auch in der aktuellen Phase des Projekts stellt die Genehmigung von Sperrpausen eine Herausforderung dar. Der von der DB genehmigte Zeitraum vom 24. Dezember 2027 bis 10. Januar 2028 hat Bestand; in dieser Zeit wird der Abbruch der alten Brücke erfolgen. Für 2028 kann DB InfraGO eine Sperrpause genehmigen, die jedoch nicht als Vollsperrung vorgesehen ist. In dieser Zeit sollen Vorarbeiten für die neuen Widerlager der Brücke durchgeführt werden.
„Leider hat uns die Bahn eine weitere geplante und für unser Vorhaben zwingend erforderliche Sperrpause im Mai 2029 abgesagt“, so Wandrey. „Die Bahn hat bundesweit zahlreiche eigene Großbauprojekte, die sie gegenüber der Rheinstraßenbrücke priorisiert. Dennoch ist klar: Wir brauchen diese Sperrpause und hatten kurzzeitig sogar ein juristisches Vorgehen in Betracht gezogen. Es ist aber auch klar: Letztlich müssen wir alle an einem Strang ziehen und konstruktiv zusammenarbeiten. Das Projektteam steht daher in engem Austausch mit allen Projektbeteiligten. Der notwendige Umbau der Oberleitungen der DB InfraGO wurde gemeinschaftlich gelöst und wird durch die DB InfraGO rechtzeitig für den Brückenabbruch hergestellt sein. Die ersten Arbeiten werden hier im März 2027 unter der Bestandsbrücke erfolgen. Gleichzeitig wird der Druck auf DB InfraGO nicht nachlassen, damit die Wissenschaftsstadt Darmstadt nicht vollends zum Spielball im Geflecht der Abhängigkeiten von Großbauprojekten der DB wird.“
„Gemeinsam mit Oberbürgermeister Hanno Benz werde ich mich erneut an die Deutsche Bahn wenden. Unser gemeinsames Ziel ist es, die für den Brückenneubau zwingend erforderlichen Sperrpausen zu sichern. Die Rheinstraßenbrücke ist für Darmstadt ein zentrales Infrastrukturprojekt und darf nicht hinter anderen Vorhaben zurückstehen“, so Wandrey.
Neue Brückenkonstruktion schafft mehr Flexibilität
Das Bauprojekt ist mit der neu geplanten Brückenkonstruktion unabhängiger vom Bahnbetrieb beziehungsweise von dessen Pausierung. Die Vorplanung stellt die neue Brücke aus wetterfestem und korrosionsunempfindlichem Cortenstahl dar, die als freigespannte Brücke mit Bogenträgern ohne Stützen beziehungsweise Pfeiler im Bereich der Gleisanlage der Bahn errichtet werden kann. Aktuell wird geprüft, von welcher Seite aus welche Brückenteile vorgefertigt werden, um später die Montage der Brückenteile aufeinander abzustimmen.
Die Vorplanung stellt keine freigegebene Entwurfsplanung dar; sie wird nun mit allen Ämtern und Behörden auf deren Einwände und Anforderungen für die Finalisierung der Entwurfsplanung abgestimmt.
Mehr Platzbedarf für das zukünftige Baufeld
Ein herausforderndes Thema ist die weitere Einrichtung des Baufeldes. Die neu geplante Brücke braucht mehr Platz, um vor Ort errichtet zu werden. Aktuell wird im Rahmen des genehmigten Baufeldes die Baustellenlogistik entsprechend neu geordnet.
Daraus resultierende Umleitungen für den Rad- und Fußverkehr sowie weitere Wegeführungen werden daher berücksichtigt. Die Planung der bauzeitlichen Verkehrsführung läuft unter anderem in Abstimmung mit der Feuerwehr, da sich Rettungsangriffswege ändern und auch an einigen Stellen beispielsweise Flucht- und Rettungstreppentürme zur Sicherung des zweiten Rettungswegs errichtet werden müssen.
„Für das ansässige Gewerbe, die Anwohnerschaft und ÖPNV-Nutzer gehen die geänderten Planungen zum Abbruch der alten und Bau der neuen Brücke mit weiteren Einschränkungen einher, weil ab Oktober 2027 auch der Schienenersatzverkehr eingerichtet wird. Das Projektteam wird rechtzeitig über alle Maßnahmen informieren“, so Wandrey.
Weitere Entwicklungen
Die Fahrmöglichkeit aus dem Einbahnstraßenring aus Süden kommend (Straße „Am Kavalleriesand“) in den Zweifalltorweg bleibt weiterhin möglich bis zu Beginn der Bauarbeiten im Herbst 2027. Zum Schutz der Bestandsgrünflächen und des Baumbestands steht das Projektteam in engem Kontakt und ständigem Austausch mit dem Grünflächenamt. Zudem ist das Projektteam laufend in verwaltungstechnische Prozesse eingebunden. Der bestehende Einbahnstraßenring wird stetig geprüft und angepasst; Markierungen werden erneuert, Verkehrsabsicherungen und Ampeln an neue Situationen angepasst.
„Ich danke dem Projektteam ausdrücklich“, so Oberbürgermeister Hanno Benz. „Bei einem Bauprojekt dieser Größenordnung gibt es unzählige Abhängigkeiten und Details, die es zu berücksichtigen gilt. Sich ändernde Umstände erfordern immer wieder Anpassungen der Planung – das ist eine große Aufgabe, die das Projektteam sehr gut bewältigt.“
Zeitplan
Die Meilensteine des Projekts bleiben weiterhin bestehen, d.h.:
Abbruch Bestandsbrücke => 2027
Fertigstellung Neubau => 3./4. Quartal 2030
Betrieb Straßenbahn => 1. Quartal 2031
Fertigstellung Knotenpunkte => 1./2. Quartal 2031
Rückbau Einbahnstraßenring => 2. Quartal 2031
Nächste Schritte
Fortschreibung der Abbruchplanung, Voruntersuchung zum Rückbau der historischen Elemente der Bestandsbrücke, Vergabe der Abbrucharbeiten, Beginn Rück- bzw. Umbau der Oberleitungen der DB InfraGO im März 2027, Herstellung des Baufeldes für den Abbruch 2./3. Quartal 2027, Beginn Abbruch Planung und Planung Neubau Dezember 2027.
(Text: PM Wissenschaftsstadt Darmstadt)


