
Fünf Tage lang verwandelt sich die Bahnhofstraße rund um das Alte Spritzenhaus in Weiskirchen wieder in den Mittelpunkt des Ortslebens. Gemeinsam sorgen der Heimat- und Geschichtsverein, die Freiwillige Feuerwehr, die Rodgau Rangers und der Musikverein dafür, dass die Weiskircher Kerb ihrem Ruf als geselliges Traditionsfest gerecht wird.
Dabei zeigt sich einmal mehr: Der Spruch „Gemeinsam geht alles besser“ ist hier keine leere Floskel. Während die Kerbveranstaltungen früher noch über mehrere Orte im Dorf verteilt waren, spielt sich das Fest heute komplett rund um das Alte Spritzenhaus ab. Das erleichtert den Organisatoren die Arbeit erheblich, denn die notwendige Infrastruktur ist dort bereits vorhanden und muss nicht jedes Jahr aufs Neue aufgebaut werden. Den traditionellen Auftakt gestaltete am Freitag die Freiwillige Feuerwehr. Begleitet von den Bläsern des Musikvereins zog der Kerbborsch, getragen von der Jugendfeuerwehr, unter großem Applaus auf den Festplatz ein. Anschließend warteten die Besucher gespannt auf den Kerbspruch des Kerbvaders – allerdings mit einer kleinen Überraschung. Jonas Friedrich, der diese Rolle in den vergangenen Jahren übernommen hatte, musste krankheitsbedingt kurzfristig absagen.
Kurzerhand sprang Helmut Trageser, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins und selbst viele Jahre Kerbvadder, ein und brachte die Gäste mit seinem gereimten Vortrag sofort in Stimmung: „Wem ist die Kerb? Unser! Der Kerbvater liegt krank im Bett, und deshalb klingt er heute nett. Der Jonas Friedrich ist ein Lieber, doch er hat heute 40 Fieber. So müsst ihr Leute mit mir, dem Alte, die Kappeneröffnung wieder halte. Ich grüße den Bürgermeister und sei Frau, die flittern hier, des ist doch schlau. Denn es ist eine alte Weise, wenn Kerb is, gibt‘s kei Hochzeitsreise. Unser Kerbborsch, der ist da. Er ließ sich schon heut Mittag blicken, kam übers Feld her von Rembricke. Er sagte: Leute, bei der Hitze, ihr glaubt ja gar net, wie ich schwitze. Drum muss jetzt einfach, hopp, hopp, hopp, ein kühler Schoppe in mein Kopp. Trinkt und esst, das ist gewiss, bis es Kerbdienstag wieder ist. Denn in Waskersche, das ist wahr, gibt‘s die Kerb, wie‘s immer war.“
Unter tatkräftiger Mithilfe vieler Helfer wurde der Kerbborsch anschließend hoch zum Turm des Alten Spritzenhauses gezogen, wo er während der gesamten Kerbtage über das Fest wacht. Den obligatorischen Bieranstich meisterte Bürgermeister Max Breitenbach souverän und ohne einen einzigen Spritzer – das Startsignal für fünf Tage Kerbvergnügen. An den folgenden Tagen übernahmen die Rodgau Rangers und der Musikverein das Programm. Die Rangers lockten mit ihren beliebten halben Hähnchen zahlreiche Besucher an, während der Musikverein zur stimmungsvollen Feierabendkerb einlud.
Dass die Zusammenarbeit der vier veranstaltenden Vereine weit über die Kerbtage hinausgeht, zeigte sich dabei ganz nebenbei: Aus Verbundenheit und als Zeichen der Unterstützung trat der Vorstand der Rodgau Rangers nahezu geschlossen dem Heimat- und Geschichtsverein bei. Ein schönes Beispiel dafür, dass das Miteinander in Weiskirchen nicht nur während der Kerb großgeschrieben wird.
(Text: ah)

