Umfassende Sanierung von St. Leonhard ist abgeschlossen

Der Durchgang zur Heilig-Grab-Kapelle wurde wieder geöffnet und damit das bauzeitliche Raumvolumen wieder hergestellt. So ist der Heilig-Grab Altar jetzt seit mehr als 100 Jahren wieder direkt von der Vorhalle aus sichtbar. (Foto: Chris Christes)

Eines der bedeutendsten Kulturdenkmäler Frankfurts ist wieder für alle geöffnet

Es ist vollbracht: Ab morgigen Sonntag, 16. August, wird die Nordvorhalle der St. Leonhardskirche samt Salvatorchor und Heilig-Grab-Kapelle wieder geöffnet. 2019, zur feierlichen Wiedereröffnung der Kirche, blieb dieser Teilabschnitt aufgrund von offenen Fragen zur Baugrundertüchtigung und Standsicherheit geschlossen. Inzwischen hat ein neues Team die komplexe grundlegende Standsicherheitsthematik untersucht, eine Lösung hierfür erarbeitet, die weitere Planung erstellt und das komplexe Vorhaben in zwei Abschnitten umgesetzt; beginnend mit der statischen Ertüchtigung ab Mitte 2023, gefolgt von der Innenrestaurierung ab Mai 2024.


„Wir freuen uns sehr, dass wir nach rund drei Jahren Bauzeit und 15 Jahren verschlossener Türen der Gemeinde, den Bürger:innen und Besucher:innen einen langersehnten Ort zurückgeben können. Damit ist eines der bedeutendsten Kulturdenkmäler Frankfurts wieder für alle geöffnet“, sagt Stadtkämmerer Bastian Bergerhoff, der im Magistrat auch für die Dotationskirchen zuständig ist. „Alle, die in den letzten Jahren intensiv an der Restaurierung mitgearbeitet haben – hochmotivierte Planer:innen und Restaurator:innen, engagierte und fachkundige Firmen, konstruktive und kooperative Kolleg:innen vom Bistum Limburg, der katholischen Kirchengemeinde, des Landesdenkmalamtes und der Stadt Frankfurt – können stolz und zufrieden auf das gemeinsam geschaffene Werk zurückblicken. Sie haben eine grandiose Leistung erbracht. Wer die Kirche zuvor bereits gut kannte, wird überrascht sein und die Nordvorhalle kaum wieder erkennen. Und wer die Kirche bisher noch nicht kennt, ist herzlich eingeladen, sich selbst ein Bild zu machen. Es lohnt sich.“

Dompfarrer Johannes zu Eltz sagt: „Die Beharrlichkeit, mit der die Stadt die komplizierten, langwierigen und teuren Baumaßnahmen an Sankt Leonhard zum guten Ende gebracht hat, ist wirklich der Bewunderung wert, und mit der Gemeinde und allen Freunden von St. Leonhard bin ich von Herzen dankbar dafür. Die Arbeiten haben allen Beteiligten viel Geduld abverlangt. Sie wird jetzt ein weiteres Mal belohnt mit der Schönheit der vielgestaltigen Vorhalle, die nicht ihresgleichen hat. In der Bibel, Sprüche 21,5, steht: ‚Die Pläne des Fleißigen bringen Gewinn, doch der hastige Mensch hat nur Mangel‘. Wahrhaftig, St. Leonhard im neuen Glanz ist ein Gewinn für Frankfurt und seine Gäste.“

„Auch wenn die Nordvorhalle nicht allzu groß erscheint, waren die Herausforderungen an diesem Bauteil enorm und vielseitig. Ein wesentliches Fragezeichen gab es bei der Stabilisierung der Halle als Voraussetzung für die weiteren restauratorischen Arbeiten“, berichtet Dombaumeisterin Julia Lienemeyer vom städtischen Amt für Bau und Immobilien. „Die Unterfangung der Nordwand der Nordvorhalle erfolgte durch eine Spezialtiefbaufirma mit circa 70 Betonsäulen zwischen zwei und vier Metern Länge und bis zu 1,40 Metern Durchmesser. Zuvor haben wir die Nordwand der Halle mit den im 16. Jahrhundert vorgesetzten Pfeilern rückverankert. Zur millimetergenauen Überwachung während der Bauzeit mussten wir dann eigens sogenannte Schlauchwaagen montieren.“

Die Arbeiten wurden Anfang 2024 erfolgreich abgeschlossen und gaben nach vielen Jahren der Unklarheit den gesicherten Weg für die restauratorischen Arbeiten im Inneren frei. Dazu zählen alle Deckengewölbe und Wände, die zwei romanischen Portale, alle Sandsteinelemente wie Rippen, Bögen und Stürze, die Bleiverglasung aus den neunziger Jahren von Ludwig Schaffrath sowie die Eingangstüren aus Holz und die zwei Beichtstühle. Komplett erneuert wurde auch die Technik mit Klimamonitoring und Beleuchtungskonzept.

Rekonstruiert wurde die Raumfolge aus dem 15./16. Jahrhundert, die im Laufe der darauffolgenden Jahrhunderte mehrfach verändert wurde. Im Jahr 1808 wurde bereits der Boden höher gelegt und die Wand zwischen Nordvorhalle und Hauptschiff, durch große Rundbögen, geöffnet und so die Nordvorhalle zu einem offenen Seitenschiff umgestaltet. Die Heilig-Grab-Kapelle wurde damals von der Vorhalle getrennt und als zusätzliche Sakristei genutzt. Durch die jetzige Rekonstruktion wurde das bauzeitliche Raumvolumen wieder hergestellt, das seit mehr als 100 Jahren der Öffentlichkeit verborgen war. Ebenso wurde das Bodenniveau wieder abgesenkt, wie es bereits in den anderen Teilen der Leonhardskirche umgesetzt wurde.

Den Arbeiten vorgelagert waren detaillierte Befunduntersuchungen sowie konstruktive Untersuchungen zur Stabilität des Hängenden Gewölbes im Salvatorchor. Die Befunde wurden ausgewertet, gereinigt und je nach Zustand in Absprache mit der Denkmalpflege, Restauratorinnen und Restauratoren sowie Fachfirmen unterschiedlich bearbeitet. In der Heilig-Grab-Kapelle konnten große Flächen an Originalbefunden freigelegt und gesichert werden, die sich unter dem dicken Putz der vorherigen Umbauten befanden.

Bei den Untersuchungen des aus rund 140 einzelnen, teilweise frei hängenden Rippen bestehenden Hängenden Gewölbes wurden zahlreiche Schäden kartiert, die unter anderem durch die im Laufe der Zeit nach Nordwesten abgekippte Nordwand entstanden sind. Dazu zählen Risse im Sandstein, offene Bleifugen, wenige Abbrüche an Rippen und ein ausgetauschtes Rippenelement. Aufgrund der statischen Untersuchung wurde auch hier ein Sanierungskonzept entwickelt und sukzessive mit den Steinmetzen vor Ort umgesetzt. Im Anschluss wurde die Fassung gleich der übrigen Raumschale bearbeitet.

Im Zuge der archäologischen Arbeiten wurden bei der Innenrestaurierung der gesamten Kirche inklusive der Nordvorhalle zahlreiche „Schätze aus dem Schutt“ geborgen. Dazu zählen auch Einzelteile des Heilig-Grab Altars, der in der Heilig-Grab-Kapelle im 16. Jahrhundert stand. Nach ihrer Ausgrabung wurden die Fragmente restauratorisch bearbeitet und im Archäologischen Museum ausgestellt. Durch die Rekonstruktion der Heilig-Grab-Kapelle konnten der Altar, soweit erhalten, in die Kirche rücküberführt werden.

Diese und viele weitere Schätze im Kirchenraum, aber auch der lange unter Verschluss gebliebene Kirchplatz auf der Nordseite, stehen nun ab Sonntag, 16. August, der Öffentlichkeit wieder zur Verfügung. Insgesamt waren rund fünfzig ausführende Firmen, Planerinnen und Planer, Vermesserinnen und Vermesser, Historikerinnen und Historiker sowie Restauratorinnen und Restauratoren beteiligt. Dabei wurden die veranschlagten Kosten eingehalten: Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 4,3 Millionen Euro brutto. Das Landesamt für Denkmalpflege Hessen und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz haben die Restaurierung großzügig finanziell unterstützt.

(Text: PM Stadt Frankfurt)