
Was für ein Glück mit dem Wetter: Entgegen allen Vorhersagen blieb der Regen aus und die Sonne begleitete das siebte Picknickkonzert der Main-Philharmonie vom ersten bis zum letzten Ton. Unter dem Motto „Ein Sommernachtstraum“ hatte das Orchester am Sonntag auf die Klosterhofwiese in Seligenstadt eingeladen – und fast 1.000 Besucherinnen und Besucher ließen sich dieses besondere Klassikerlebnis unter freiem Himmel nicht entgehen.
Schon lange vor Konzertbeginn war zu beobachten, wie die Gäste mit Klappstühlen, Picknickdecken und gut gefüllten Bollerwagen in Richtung Kloster zogen. Auf der Wiese entstand nach und nach eine bunte Konzertlandschaft: Manche Besucher machten es sich auf Stühlen, teilweise sogar mit integriertem Sonnenschutz, bequem, andere saßen an mitgebrachten Tischen oder lagerten entspannt auf ihren Decken. So wurde das Picknickkonzert seinem Namen einmal mehr gerecht – klassische Musik und sommerliche Lebensfreude gingen eine wunderbare Verbindung ein.
Für die musikalische Reise in die Welt von Feen, Elfen, Geistern und Teufeln sorgte die Main-Philharmonie unter der Leitung von Daniel Stratievsky. Der Orchesterleiter ist längst zu einem festen Bestandteil des Picknickkonzerts geworden. Seine informativen, zugleich humorvollen Moderationen führten das Publikum durch das Programm und gaben den einzelnen Werken einen unterhaltsamen und verständlichen Rahmen. Im Mittelpunkt standen zwei Komponisten, die die Musik am Vorabend der Romantik entscheidend prägten: Carl Maria von Weber und Felix Mendelssohn Bartholdy. Weber, dessen 200. Todesjahr in diesem Jahr gewürdigt wird, war mit Ausschnitten aus seiner Oper „Der Freischütz“ sowie seinem zweiten Klarinettenkonzert vertreten. Besonders eindrucksvoll war dabei die renommierte Klarinettistin Shelly Ezra. Mit virtuosen Läufen, großen Sprüngen und ebenso zarten wie gefühlvollen Passagen zeigte sie die ganze Ausdrucksvielfalt ihres Instruments. Auch die Sopranistin Megan Henry begeisterte das Publikum. Als Ännchen aus Webers „Freischütz“ brachte sie nicht nur ihre stimmlichen Qualitäten, sondern auch die erzählerische und spielerische Seite ihrer Rolle zur Geltung.
Der musikalische Ausflug in Webers romantische Welt führte dabei vom Kampf zwischen Gut und Böse bis zum erlösenden Happy End. Den Höhepunkt des Abends bildete schließlich Felix Mendelssohn Bartholdys berühmte Bühnenmusik zu Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“. Seit ihrer Entstehung im Jahr 1843 entführt sie das Publikum in eine fantastische Welt voller Feen, Elfen und nächtlicher Verwirrungen. Auf der Klosterhofwiese schien diese Welt an diesem Sommerabend besonders lebendig zu werden. Und natürlich durfte am Ende der berühmte Hochzeitsmarsch nicht fehlen. Zwischen den einzelnen Stücken belohnten die Zuhörerinnen und Zuhörer die Musikerinnen und Musiker immer wieder mit kräftigem Applaus. Auch am Ende des Konzerts wollte der Beifall kaum abebben.
Das siebte Picknickkonzert zeigte damit einmal mehr, warum sich die Veranstaltung längst zu einem beliebten Klassikevent weit über Seligenstadt hinaus entwickelt hat. Fast 1.000 Menschen genossen Musik, Sommer und das besondere Ambiente des Klosterhofs – ganz entspannt auf Stühlen, an Tischen oder auf Picknickdecken. Ein wahr gewordener „Sommernachtstraum“, bei dem diesmal sogar das Wetter seine Rolle perfekt spielte.
(Text: ah)

