24-Stunden-Lauf in Rodgau: Unglaubliche 417.448,97 Euro übertrafen alle Erwartungen

Der Einfallsreichtum war mindestens so groß wie die Ausdauer. Die Freiwillige Feuerwehr Rodgau-Mitte lief teilweise in Atemschutzkleidung. (Foto: ah)

Schon im Vorfeld des 45. 24-Stunden-Laufs von „Gemeinsam mit Behinderten“ (GmB) zeichnete sich ab, dass es diesmal ein ganz besonderer Lauf werden könnte. So viele Mannschaften und Einzelläufer wie noch nie hatten sich angemeldet. Rund 100 Aktive sollten während der Veranstaltung gleichzeitig ihre Runden drehen. Viele Läufer bedeuten viele Zuschauer – und damit hoffte der Veranstalter auf ein Spendenergebnis, das die bereits beeindruckenden 190.000 Euro des Vorjahres übertreffen würde.


Am Ende wurden alle Erwartungen weit übertroffen. Der Auftakt gehörte den Kleinsten. Fünf Kitas gingen mit ihren Kindern beim fröhlichen Kinderlauf an den Start. Nach ihrer Runde wartete ein umfangreiches Spiel- und Bastelangebot auf die Mädchen und Jungen. Bürgermeister Max Breitenbach gab später den Startschuss zum eigentlichen 24-Stunden-Lauf. Zuvor überreichte er einen Förderbescheid über 107.000 Euro an GmB – einen Teil der von der Stadt Rodgau zugesagten 217.000 Euro für das neue Haus in der Hochstädter Straße, das inzwischen bezogen wurde. Damit war bereits eine stattliche Grundlage für den Spendentopf geschaffen.

Rund 90 Läuferinnen und Läufer machten sich schließlich auf die 24-Stunden-Runde. Am Start waren 34 Zehner-Teams, 50 Einzelstarter, drei Fünfer-Teams, ein Tandem- und ein Jugendteam. Die Bedingungen waren ideal: Sonnenschein, aber keine große Hitze, trockene Strecke und eine angenehme Nacht. Angefeuert vom Publikum und motiviert durch die Spenden, die für jede gelaufene Runde zugesagt wurden, drehten die Aktiven unermüdlich ihre Runden. Dabei war der Einfallsreichtum mindestens so groß wie die Ausdauer. Die Freiwillige Feuerwehr Rodgau-Mitte lief teilweise in Atemschutzkleidung. Andere schlüpften ins Prinzessinnenkostüm oder liefen als Einhorn – denn für die ungewöhnlichen Outfits waren zusätzliche Spenden versprochen worden. Auf der Bühne gab es währenddessen Vorführungen und später Live-Musik.

Und auch die Spendenuhr sorgte für Spannung: Bereits gegen Mitternacht war die Marke von 200.000 Euro überschritten. Ein Rekordergebnis zeichnete sich ab. Wie groß der Kampfgeist der Teilnehmer war, zeigten mehrere bemerkenswerte Beispiele. Ein Läufer erhielt wegen einer Fußverletzung vom Sportarzt das Aus – und setzte sich kurzerhand in einen Rollstuhl. So fuhr er weiter, bis seine Hände wund waren. Ein anderer absolvierte seine Runde auf Krücken. Bei einer Handbike-Fahrerin war ein Reifen irreparabel beschädigt. Kurzerhand setzte sie ihren Weg mit einem Rollator fort. Auch der Regen am Sonntag konnte die Teilnehmer nicht stoppen. Etwa eine Stunde vor dem Ende um 12 Uhr öffnete der Himmel seine Schleusen. Unbeirrt wurden die letzten Runden gedreht. Kurz nach dem Zieleinlauf hörte der Regen wieder auf, sodass die anschließende Siegerehrung problemlos stattfinden konnte. GmB-Vorsitzender Christian Goldmann dankte zunächst allen Helfern, Läufern und Spendern. Der Umzug des Laufs von Dudenhofen nach Jügesheim sei mit manchen Bedenken verbunden gewesen. „Wir können, glaube ich, heute mit einigen Rekorden sagen, es hat dieser Veranstaltung einen Wahnsinnsschub gegeben“, stellte er zufrieden fest. Matthias Ott und Marvin Kühne, die Sprecher der Veranstaltung, verkündeten anschließend die Ergebnisse.

Bei den gelaufenen Runden siegten zum dritten Mal die „Cyborgs“ mit 970 Runden vor „König Martial Arts“ mit 913 und der Hermann-Hesse-Schule Obertshausen mit 875 Runden. Die Montagsläufer belegten mit 856 Runden Platz vier. Beim Spendensammeln war erneut das Rotary Dream Team unschlagbar: 40.700 Euro kamen zusammen. Dahinter folgten die Montagsläufer mit 9.620 Euro. Sie sind inzwischen seit 40 Jahren ununterbrochen beim 24-Stunden-Lauf dabei. Platz drei ging an Lukas Voland mit 5.850 Euro. Auch bei den Einzelläufern gab es eine beeindruckende Leistung: Der beste Starter absolvierte 406 Runden – das entspricht 162,4 Kilometern.

Den emotionalen Schlusspunkt setzte Lothar Mark, Kuratoriumsvorsitzender der GmB-Stiftung. Er verkündete die endgültige Spendensumme: 417.448,91 Euro. Das Geld soll zur Ablösung eines Bankkredits für die neue Geschäftsstelle verwendet werden. Damit wurde aus einem ohnehin besonderen 24-Stunden-Lauf ein Rekordereignis – getragen von sportlichem Ehrgeiz, außergewöhnlichem Durchhaltevermögen und vor allem von einer beeindruckenden Welle der Solidarität.

(Text: ah)