Offenbachs Kinder im Fokus

(Symbolfoto: Pixabay)

Aktueller Gesundheitsbericht zeigt Handlungsbedarf bei Sprache, Motorik und Mediennutzung

Das Stadtgesundheitsamt Offenbach hat den umfassenden „Bericht Kindergesundheit in Offenbach a.M. 2025“ vorgelegt. Dieser bietet tiefe Einblicke in den Gesundheitszustand und die Entwicklung der jüngsten Offenbacherinnen und Offenbacher. Für die Erstellung wurden die Daten von insgesamt 1.483 Vorschulkindern sowie 171 neu zugezogenen Seiteneinsteigenden aus den Schuleingangsuntersuchungen analysiert. Ergänzt wird diese umfangreiche Datenbasis durch die Untersuchung von 5.673 Kindern durch den zahnärztlichen Dienst und 108 Kindern durch den Sprachheilbeauftragten. Ziel des Berichts ist es, frühzeitig Handlungsfelder zu identifizieren, um die Lebensbedingungen der Kinder nachhaltig zu verbessern und ihnen einen gesunden sowie chancengleichen Schulstart zu ermöglichen. Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass weiterhin gezielte Anstrengungen in verschiedenen Bereichen notwendig sind, um allen Kindern in Offenbach die besten Startbedingungen ins Leben zu ermöglichen.


Sprachliche Entwicklung als zentrale Herausforderung

Besonders augenfällig sind die Herausforderungen im Bereich der sprachlichen Entwicklung, insbesondere bei Kindern mit einer anderen Erstsprache als Deutsch. Der Bericht offenbart, dass lediglich 11 Prozent dieser Kinder fehlerfrei Deutsch sprechen. Alarmierend sind die gravierenden Defizite in grundlegenden sprachlichen Fähigkeiten: Bei Kindern mit nicht-deutscher Erstsprache zeigen sich zu 78 Prozent Auffälligkeiten bei der Artikelbildung, zu 68 Prozent beim Satzbau und zu 67 Prozent bei der Pluralbildung. Zum Vergleich: Bei Kindern mit deutscher Erstsprache liegen diese Werte bei 13 Prozent, 9 Prozent und 12 Prozent. Bei den neu zugewanderten Seiteneinsteigenden ist die Situation noch prekärer: 76 Prozent von ihnen sprechen zum Zeitpunkt der Untersuchung kein Deutsch, weitere 19 Prozent nur „radebrechend“.

Ein Lichtblick ist die Bedeutung frühkindlicher Bildung: Kinder, die länger als drei Jahre eine Kindertagesstätte besucht haben, zeigen mit 58 Prozent signifikant häufiger eine unauffällige Sprachentwicklung, während dieser Wert bei Kindern mit weniger als 18 Monaten Kita-Erfahrung bei lediglich 22 Prozent liegt.

Motorische Fähigkeiten: Jungen deutlich häufiger betroffen

Auch in der motorischen Entwicklung gibt es klaren Handlungsbedarf und geschlechtsspezifische Unterschiede. Bei der Feinmotorik weisen 33 Prozent der Jungen Auffälligkeiten auf, verglichen mit 17 Prozent der Mädchen. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Grobmotorik, wo Jungen mit 18 Prozent doppelt so häufig betroffen sind wie Mädchen mit 9 Prozent. Diese Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit gezielter Bewegungsförderung.

Medienkonsum: Empfehlungen oft überschritten

Ein weiteres wichtiges Ergebnis betrifft den Medienkonsum der Kinder, der in weiten Teilen die fachlichen Empfehlungen überschreitet. Rund 72 Prozent der Offenbacher Einschulungskinder nutzen täglich länger Medien als empfohlen; etwa 38 Prozent überschreiten die Richtwerte sogar um mehr als das Doppelte. Dieser überdurchschnittlich hohe Anteil zeigt sich besonders ausgeprägt bei Kindern mit einer anderen Erstsprache als Deutsch.

Lücken bei Vorsorge und Impfschutz

Der Bericht weist zudem auf Lücken im Vorsorge- und Impfstatus hin, die ebenfalls häufiger bei Kindern mit nicht-deutscher Erstsprache zu finden sind. Während 88 Prozent der Kinder mit Deutsch als Erstsprache lückenlose Vorsorgeuntersuchungen vorweisen können, sind es bei Kindern mit einer anderen Erstsprache lediglich 64 Prozent. Ein ähnliches Gefälle zeigt sich beim vollständigen Impfschutz: Hier liegen die Werte bei 73 Prozent (deutsche Erstsprache) gegenüber 62 Prozent (andere Erstsprache). Besonders besorgniserregend ist die Situation bei den Seiteneinsteigenden, von denen fast 97 Prozent keinen vollständigen Impfschutz aufweisen.

Gewicht und Zahngesundheit: Risikofaktoren im Blick

Das Thema Gewicht bleibt relevant: 13 Prozent der Einschulungskinder sind übergewichtig oder adipös. Bei den Seiteneinsteigenden steigt dieser Wert sogar auf 29 Prozent. Die zahnärztlichen Untersuchungen zeigen ebenfalls Handlungsbedarf: Bei einem Viertel der Kinder (25 Prozent) wurde eine Behandlungsbedürftigkeit der Zähne festgestellt. Der Anteil naturgesunder Gebisse ist gesunken, obwohl der Sanierungsgrad gestiegen ist, was auf eine Konzentration der Karieslast auf bestimmte Risikogruppen hinweist.

Gemeinsame Anstrengungen für eine gesunde Zukunft

Der Bericht verdeutlicht, dass die Stadt Offenbach bereits vielfältige Angebote und Netzwerke zur Gesundheitsförderung und Prävention etabliert hat. Dazu gehören die beratende Funktion des Stadtgesundheitsamtes bei Impfungen, Ernährung und Bewegung, verschiedene Sprachförderprogramme und Elternbildungsangebote wie das „Heidelberger Elterntraining“, „Bücherbärchen“ oder „ELMO“, sowie Initiativen zur Stärkung der Medienkompetenz und Bewegungsförderung. Auch der Arbeitskreis Jugendzahnpflege leistet wichtige Arbeit. Die Erkenntnisse des Berichts bekräftigen die Notwendigkeit, diese frühzeitigen und zielgruppenspezifischen Präventionsmaßnahmen in Kindertagesstätten, Schulen und Elternhäusern weiter auszubauen, um alle Kinder unabhängig von ihrem sozioökonomischen Hintergrund nachhaltig zu unterstützen.

Zum Bericht Kindergesundheit 2025 geht es hier: https://www.offenbach.de/schulgesundheit

(Text: PM Stadt Offenbach)