
Warum jemand 43 Hunde hält
Die Liste liest sich eher nüchtern: 13 Katzen, sieben Hunde, acht Katzen, zehn Katzen und Hunde, 30 Katzen und 43 Hunde. Dahinter verbirgt sich aber erhebliches Tierleid. Denn diese Aufzählung dokumentiert die sechs Fälle von Animal Hoarding allein in diesem Jahr im Landkreis Darmstadt-Dieburg. Hinter dem Begriff, der auf Deutsch „Tierhortung“ bedeutet, verbirgt sich oft das krankhafte Sammeln und Halten von Tieren. In manchen Fällen geht es aber auch einfach um rücksichtslose Gier. Denn manche Tiere lassen sich teuer verkaufen. Von verantwortungsvollem Züchten kann in diesen Fällen keine Rede sein.
Allen Fällen gemein war, dass die Versorgung der Tiere nicht gewährleistet und ihr Zustand erbärmlich war. Überdies waren die hygienischen Zustände in den viel zu engen Räumlichkeiten, in denen die Tiere untergebracht waren, erschreckend. „Teilweise waren Wohnungen vermüllt, die Tiere verkrochen sich im Unrat. Zum Teil gab es auch Parasitenbefall mit Würmern und Flöhen“, erzählt Frauke Groth, amtliche Tierärztin und Fachgebietsleiterin für Veterinärwesen beim Landkreis. Zwei der sechs Fälle wurden aufgedeckt, weil der Schornsteinfeger das Veterinäramt informierte. Manchmal melden sich Nachbarn. „Etwa, wenn es schon vor dem Haus stark nach Exkrementen riecht“, erklärt Groth. Die Fallzahlen sind konstant hoch in den vergangenen Jahren: Von 2023 bis 2025 wurden 424 Tiere vom Veterinäramt gerettet. In diesem Jahr waren es bis Anfang September schon 111 Tiere.
Gesundung der Tiere kostet viel Geld
Dabei, so erklärt Frauke Groth, gehe es nicht um die Anzahl der Tiere. „Es geht um das Gesamtbild, wie es den Tieren dort geht“, sagt sie. Kreistierschutzbeauftragte Dr. Christa Wilczek ergänzt: „Man kann acht Hunde haben und Hoarder sein und man kann acht Hunde haben und nur Tierhalter sein.“ Im Fall der 43 Hunde waren die Tiere zum Teil in gefliesten Boxen untergebracht, die nicht mal die Größe eines Tisches hatten. „Und die waren stark verunreinigt“, sagt Groth. Die Polizei half beim Abtransport, die Tiere wurden auf verschiedene Tierheime verteilt und werden dort nun wieder hochgepäppelt. Was nach einem Happy End klingt, bringt tatsächlich aber einige Kosten mit sich. „Die versuchen wir nun im Rahmen eines Strafverfahrens wieder beim Besitzer einzutreiben“, erklärt die Leiterin des Veterinäramtes, Regine Röhrig. Die Anzeige lautet auf tierschutzwidriges Verhalten laut §17 Tierschutzgesetz. Für den Landkreis bedeutete der Fall Ausgaben in mittlerer fünfstelliger Höhe. Im vergangenen Jahr wurden in einem Fall 56 Katzen und Hunde gerettet, was Ausgaben von 500 bis 1500 Euro pro Tier bedeutete. „Dabei wird nur das gemacht, was die Tiere benötigen, um erstmal wieder gesund zu werden“, sagt Regine Röhrig. Darum kümmern sich die Tierheime. Aber diese haben auch nicht ausreichend Platz, um Tiere in solchen Mengen aufzunehmen.
Das Problem ist, dass Animal Hoarder, falls ihnen die Erkenntnis kommen sollte, dass es den Tieren nicht gut geht und sie mit der Hege und Pflege heillos überfordert sind, die Tiere auch nicht einfach im Tierheim abgeben können. „Die Tierheime nehmen Pauschalen dafür, es scheitert also oft auch am Finanziellen.“ Und so bleiben die Tiere, wo sie sind.
Mit Welpen lässt sich Geld verdienen
Aber warum sind die Fallzahlen im Landkreis in den vergangenen Jahren so konstant hoch? „Die Menschen schauen mehr weg, es hat jeder seine eigenen Probleme“, mutmaßt Frauke Groth. Dr. Wilczek erklärt: „Die Vereinsamung der Menschen nimmt zu, aber man kann Einsamkeit nicht durch Tiere heilen. Und die gesellschaftlichen Kontrollinstanzen fehlen. Jeder schaut nur auf sich.“ So können auch skrupellose Züchter oft lange ihr Unwesen treiben. „Sie lassen die Tiere sich unkontrolliert vermehren“, sagt Röhrig. „Es ist wie eine Mafia“, sagt Groth. „Nach Drogen und Waffen ist der Handel mit Tieren wohl der schwunghafteste“, sagt Dr. Wilczek. Mit manchen Rassen lässt sich auch viel Geld verdienen, so kostet ein Goldendoodle-Welpe etwa 2000 bis 3000 Euro.
Wer helfen möchte, Tierleid zu vermeiden, kann dem Veterinäramt unter 06151/881-1820 oder veterinaeramt@ladadi.de Hinweise geben. Dabei gehe es nicht um Denunziation, „aber lieber einmal zu viel als einmal zu wenig“, sagt Frauke Groth. In diesem Jahr gab es bereits mehr als 300 Anzeigen in Sachen Tierschutz, darin enthalten sind die Fälle von Animal Hoarding. „Wir versuchen jeder Anzeige nachzugehen“, erklärt Frauke Groth. Zum Wohl der Tiere.
„Es ist so, dass viele Animal Hoarder denken, sie tun den Tieren etwas Gutes“, sagt Vize-Landrat und Umweltdezernent Lutz Köhler, „das ist aber natürlich nicht so. Wenn wir es schaffen, ein Bewusstsein für das Problem zu entwickeln, dann wird die Statistik hoffentlich irgendwann auch wieder weniger Fälle ausweisen.“
(Text: PM Landkreis Darmstadt-Dieburg)
