Frankfurt und Philadelphia feiern Städtepartnerschaft mit riesigem Wandgemälde

Sie waren bei der Einweihung des Murals dabei (v.l.): Hayley Boyle, World Affairs Center from Philadelphia, Joseph Iacona, Künstler aus Philadelphia, Case, Künstler aus Frankfurt, die Stadträtinnen Eileen O‘Sullivan und Sylvia Weber sowie John Degory, stellvertretender US-Generalkonsul. (Foto: Alex Kraus)

13,5 Meter hohes Mural schmückt VHS-Fassade im Ostend

Ein vier Stockwerke hoher Regenschirm, dessen abgebrochener Griff das zentrale Motiv eines zweiten Kunstwerks im Inneren des Gebäudes bildet. Dazu je eine Silbe des Wortes „Freiheit“. Das Städtepartnerschafts-Mural „Frei/heit – Free\dom: Frankfurt – Philadelphia“ ist ein Plädoyer für Demokratie und Meinungsfreiheit.


Am Mittwoch, 30. September, haben Eileen O’Sullivan, Dezernentin für Bürgeri:innen, Digitales und Internationales, und Sylvia Weber, Dezernentin für Bildung, das zweiteilige Kunstwerk offiziell eingeweiht. An der Zeremonie auf dem Innenhof der VHS-Zentrale in der Sonnemannstraße 13 nahmen das US-Generalkonsulat, vertreten durch den stellvertretenden Generalkonsul John Degory, die Stadt Philadelphia, vertreten durch Hayley Boyle aus Philadelphia, sowie die Volkshochschule (VHS), vertreten durch Verwaltungsleiterin Antje von Lipinski-Riechmann, teil. Das Wandgemälde würdigt die Partnerschaft der beiden Städte, die im Jahr 2025 ihr zehnjähriges Jubiläum feierte.

Für das Design des Städtepartnerschafts-Murals zeichnen sich die Künstler Case Maclaim und Joseph Iacona verantwortlich. Der international bekannte Graffiti-Künstler Maclaim lebt in Frankfurt, Iacona hat sich als Künstler und Kunstpädagoge in Philadelphia einen Namen gemacht.

Gemeinsam mit Jugendlichen aus beiden Städten entwickelten sie ein Konzept, das Bezug auf den zerbrochenen Schirm der Frankfurterin Henriette Zobel nimmt. Die aufrechte Demokratin geriet 1848 zufällig in Ausschreitungen und wurde in einem Schauprozess zu 16 Jahren Zuchthaus verurteilt. Angeblich habe sie mit ihrem Schirm versucht, den von den Protestierenden gehassten General von Auerswald zu töten.

„Frankfurt und Philadelphia stehen für Wendepunkte in der Demokratiegeschichte“, sagte Stadträtin O’Sullivan. „In Philadelphia wurde 1776 die Unabhängigkeitserklärung beschlossen. Frankfurt war Gastgeber der Nationalversammlung 1848, die zwar scheiterte, aber zur Grundlage der Demokratie in Deutschland wurde. Die Auswahl des Motivs – der zerbrochene Schirm einer zu Unrecht verurteilten Demokratin – lenkt den Blick auf die Verletzlichkeit unserer Demokratie. Zugleich steht der Schirm für Zivilcourage, für den Kampf um Einigung und Recht und Freiheit. Die Aufteilung auf zwei Flächen gibt beiden Perspektiven Raum.“

„In Henriette Zobels Schirm verbinden sich Kunst und politische Bildung auf beeindruckende Weise. Daher passt es so gut, dass dieses Kunstwerk an – und in – der Volkshochschule zu sehen sein wird. Es lädt die Besucherinnen und Besucher zu Auseinandersetzung und Diskussion ein. Genau davon lebt unsere Demokratie“, sagte Stadträtin Weber. „Es erinnert zudem an die vielen starken Frauen, die sich um unsere Demokratie verdient gemacht haben und auch heute noch allzu oft im Schatten stehen. Ich denke hier an Pionierinnen wie Louise Otto-Peters und Auguste Schmidt oder an die Mütter des Grundgesetzes, Elisabeth Selbert, Friederike Nadig, Helene Weber und Helene Wessel. Auch ihnen setzt das Mural ein Denkmal.“

VHS-Direktor Danijel Dejanovic sagte: „Kunst darf alles – nur nicht gefällig sein. Das Zusammenspiel von Schirm und Wortfragmenten in und zwischen den Gemälden fordert den Betrachter heraus. Es ist einfach, und zugleich komplex. Es taugt nicht als blurry Hintergrund fürs nächste Selfie. Es will betrachtet – und beachtet – werden. Aber: Wer sich auf dieses Kunstwerk einlässt, wird reich belohnt. Mit einem Graffiti gewordenen Plädoyer, unsere Demokratie zu leben – und, wenn nötig, zu verteidigen.“

Das Städtepartnerschafts-Mural Frankfurt – Philadelphia

Das Wandgemälde besteht aus zwei Teilen, die abhängig vom Blickwinkel miteinander korrespondieren, aber jeweils auch für sich stehen.

Das erste Motiv an der dem Hof zugewandten Außenfassade der VHS-Zentrale im Ostend zeigt auf einer Fläche von 13,5 Meter auf 9 Meter den zerbrochenen Schirm der Frankfurterin Henriette Zobel, ergänzt um den Wortbestandteil „heit“ sowie weitere Textfragmente. Der Schirm ist nur bis zum Ende des Schaftes abgebildet, sodass die Bruchstelle nicht zu sehen ist.

Das zweite Bildelement befindet sich im zweiten Stock des Gebäudeinneren auf einer Fläche von 6,5 Meter auf 2,25 Meter. Zentrales Motiv sind der abgebrochene Griff sowie der Wortbestandteil „Frei“. Durch die sich an das Graffiti zur linken Seite anschließende Fensterfront mit Blick auf den Hof können beide Motive von hier aus gleichzeitig betrachtet werden.

Das Konzept wurde im Rahmen eines Workshops von Jugendlichen aus Frankfurt und Philadelphia gemeinsam mit den Künstlern Case Maclaim und Joseph Iacona entwickelt. Der Workshop wurde von der Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte gefördert.

(Text: PM Stadt Frankfurt)