
Warum Gerhard Bonifer-Dörr nach 42 Jahren ausgetreten ist
Er zählte vor 42 Jahren zu den Gründern des Grünen-Ortsverbands Münster, war 32 Jahre lang Gemeindevertreter, vier Jahre lang Beigeordneter und kandidierte 2014 sogar für das Bürgermeister-Amt: Die Grünen in der Gersprenz-Gemeinde – und seit 2006 auch die Alternative Liste Münster-Altheim (ALMA) – waren in den vergangenen Dekaden ohne Gerhard Bonifer-Dörr nur schwer denkbar. Da war es ein echtes Ausrufezeichen, das der 71-Jährige vor zwei Wochen bei der Amtseinführung von Marcus Milligan in der Kulturhalle setzte: Die große öffentliche Bühne nutzte Bonifer-Dörr nicht nur zu guten Wünschen für den neuen Münsterer Verwaltungschef, sondern in einem Nebensatz auch zur Bekanntgabe seines Austritts aus dem Ortsverband. Dazu hat er nun seine Gründe erläutert – und auch der Ortsverband hat Stellung genommen.
Vorweg: Nicht nur der Austritt von Gerhard Bonifer-Dörr ist zum 1. September wirksam geworden, sondern auch der seiner Ehefrau Maria Dörr. Gleichzeitig betont Bonifer-Dörr, dass sein Groll nichts mit der Politik der Grünen insgesamt zu tun habe und er über den Kreisverband weiterhin Parteimitglied bleibe. Auch der ALMA sei er unverändert verbunden. Sein Ärger beziehe sich allein auf den Münsterer Ortsverband der Grünen. Dort habe er sich zur Kommunalwahl 2021 „entschieden, die Arbeit in jüngere Hände zu geben“. Als „einfaches“ Mitglied nahm er an der kommunalpolitischen Arbeit der Münsterer Grünen jedoch weiter Anteil. In den vergangenen fünf Jahren habe ihm dabei aber „einiges nicht gefallen“.
So habe es „an einer innerparteiischen Demokratie gemangelt. Vieles war mir zu intransparent.“ Dies habe mit der Beibehaltung der Online-Meetings anstelle persönlicher Treffen nach der Corona-Zeit angefangen. Außerdem würden „zu den mitgliederöffentlichen Fraktionssitzungen nicht mehr alle Mitglieder eingeladen“. Er habe den Eindruck gewonnen, nur ein „erlesener Kreis“ – zu dem er selbst sogar gehört habe – habe mitreden sollen. Zudem habe er auf Nachfrage nicht erfahren, welche neuen Mitglieder zuletzt in den Ortsverband aufgenommen worden seien. Auch kommunikative Alleingänge des Vorstands rund um die Kandidatur von Claudia Weber sowie die Stichwahl-Empfehlung im Kontext der Bürgermeister-Wahl 2026 wirft Bonifer-Dörr dem Ortsverband vor.
Auch Ortsverband nimmt Stellung
Der Grünen-Ortsverband teilt dazu schriftlich mit, er bedauere den Austritt von Gerhard Bonifer-Dörr. Die Darstellung, im Ortsverband habe es grundsätzlich an demokratischer Beteiligung und Transparenz gefehlt, wolle man „allerdings so nicht stehen lassen“.
So umfasse der Verteiler mit den Einladungen zu den Fraktionssitzungen alle Mitglieder mit Ausnahme jener, die ausdrücklich um das Gegenteil gebeten hätten. In Sachen angeforderter Mitgliederliste verweist der Ortsverband auf den Datenschutz. Auf der Jahreshauptversammlung sei aber stets über neue Mitglieder informiert worden. Zur Bürgermeister-Wahl schreiben die Münsterer Grünen, Claudia Weber sein „in einer öffentlichen Sitzung des Ortsverbands“ nominiert worden. Andere Interessenten habe es nicht gegeben, Gegenrede sei jedoch jederzeit möglich gewesen.
Generell sei der Ortsverband „offen dafür, organisatorische Abläufe und Kommunikationswege zu überprüfen und dort zu verbessern, wo dies sinnvoll ist“. Die Darstellung von Gerhard Bonifer-Dörr, dessen Sohn Julian Dörr übrigens weiter Fraktionsmitglied von ALMA-Die Grünen ist, weist der Vorstand derweil „entschieden zurück“.
(Text: jedö)

