Mittelaltermarkt in Heusenstamm entführt in vergangene Jahrhunderte

Für Unterhaltung sorgte das abwechslungsreiche Kulturprogramm. (Foto: ah)

Ein Hauch vergangener Jahrhunderte lag am letzten Wochenende über Schloss Schönborn in Heusenstamm. Zwischen historischen Mauern, bunten Marktständen und mittelalterlichen Zelten herrschte reges Treiben. Spielleute musizierten, Handwerker führten ihre traditionellen Künste vor, Gaukler unterhielten das Publikum und der Duft frisch zubereiteter Speisen zog durch den Schlosshof. Beim großen Mittelaltermarkt konnten die Besucherinnen und Besucher für einige Stunden dem Alltag entfliehen und in eine längst vergangene Welt eintauchen.


Organisator Carolan Lieb, stilecht mittelalterlich gewandet, hatte erneut mehr als 50 Händler, Handwerker und Musiker nach Heusenstamm geholt. Die historische Kulisse von Schloss Schönborn bot dafür den passenden Rahmen. Vor dem Schloss hatten Ritter, Reisende und historische Gruppen ihre Lager aufgeschlagen und gewährten Einblicke in das Leben vergangener Epochen. Auch die Falknerei der Grafen vom Trifels war wieder mit von der Partie. Im Schlosshof bestimmten vor allem die Spielleute den Rhythmus des Geschehens. Mit Dudelsack und Trommel brachten „Capud Draconis“ kraftvolle Klänge auf den Markt und sorgten für ordentlich Schwung. Die Gruppe „Irregang“ begeisterte mit mittelalterlichen Melodien, die zum Mitwippen und Tanzen einluden. Deutlich geselliger ging es an den Tavernen zu: Dort sorgten die „PapperlaBarden“ mit ihren Bier- und Trinkliedern für ausgelassene Stimmung.

Wer es lieber etwas ruhiger mochte, konnte den Klängen der Harfe lauschen. Auch abseits der Musikbühnen gab es viel zu entdecken. Der Markt erstreckte sich über den Schlosshof, die Bereiche rund um das Rathaus und den Bannturm bis hin zum hinteren Schlösschen. Überall luden Stände zum Stöbern, Probieren und Verweilen ein. Neben altbekannten Händlern waren auch neue Anbieter vertreten, sodass selbst regelmäßige Marktbesucher auf ihre Kosten kamen. Besonders anschaulich wurde das mittelalterliche Leben bei den Handwerkern. Holzschuhmacher, Löffelschnitzerin, Lederer, Schuhmacher und weitere Kunsthandwerker zeigten, wie mit Geschick und traditionellen Techniken nützliche und dekorative Gegenstände entstehen. Auch die belgischen Schmiede ließen sich bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen und erklärten interessierten Gästen ihr Handwerk. So wurde aus dem Marktbesuch zugleich eine kleine Reise in die Geschichte des Arbeitens und Lebens vergangener Zeiten.

Für zusätzliche Unterhaltung sorgte das abwechslungsreiche Kulturprogramm. Neu dabei war „Cerca Trova – Der Ritter auf der Suche nach Liebe“. Auf seinem „Pferd“ machte sich der Ritter auf die Suche nach der Richtigen, trug Gedichte vor und warb für den Frieden. Auch Gaukler Hubertus der Fahrende wusste sein Publikum mit seinen Künsten zu unterhalten. Dass ein Mittelaltermarkt längst nicht nur etwas für Erwachsene ist, zeigte sich an den zahlreichen Angeboten für Kinder. Bei der Wollfee, Samarix Basteleien und Fabis Lederey konnten junge Besucher selbst kreativ werden. Geschicklichkeit war bei Spielen wie Drachenjagd, Rattenfangen und Bootangeln gefragt. Auch beim Bogenschießen von Harlekin Spiele konnten die Kinder ihr Können unter Beweis stellen und mit etwas Glück kleine Preise gewinnen. Zwei handbetriebene Karussells sorgten zusätzlich für leuchtende Augen und fröhliches Lachen. Selbst an die tierischen Familienmitglieder war gedacht: An einem eigenen Stand gab es Leckereien für Hunde und Katzen.

Natürlich kam auch der kulinarische Genuss nicht zu kurz. Das Angebot reichte von Bullrippen und Zwiebelfleisch über belegte Fladen und ofenfrische Brote bis hin zu Flammkuchen, Würsten und Steaks. Naschkatzen konnten sich mit Waffeln und Quarkbällchen verwöhnen lassen. Auch Vegetarier fanden eine Auswahl, darunter gebackener Blumenkohl, Champignons und Erdäpfel. Neu war die Kaffeetaverne mit Kaffee, Tee von der Seidenstraße und feiner Trinkschokolade. Peters Taverne durfte ebenfalls nicht fehlen – wegen des großen Zuspruchs sogar gleich zweimal. Eine zusätzliche Taverne im ersten Innenhof sollte für kurze Wege und möglichst geringe Wartezeiten sorgen.

Der Höhepunkt des Samstags folgte, als die Nacht einbrach. Gegen 21 Uhr richteten sich zahlreiche Blicke auf den Bereich vor dem Schloss, wo das „Duo Infinity“ seine Feuershow präsentierte. Vor der imposanten Kulisse wirbelten die Flammen durch die Dunkelheit und zeichneten leuchtende Muster in den Nachthimmel. Die spektakuläre Darbietung wurde vom Publikum mit begeistertem Applaus belohnt und bildete einen stimmungsvollen Höhepunkt des Marktwochenendes.

Ob Musik, Handwerk, Gaukelei, kulinarische Spezialitäten oder Mitmachangebote für die jüngsten Gäste – der Mittelaltermarkt rund um Schloss Schönborn bot eine bunte Mischung für alle Generationen. Mit viel Liebe zum Detail, einem vielseitigen Programm und der besonderen historischen Atmosphäre gelang es Organisator Carolan Lieb und den zahlreichen Mitwirkenden erneut, die Vergangenheit lebendig werden zu lassen. Und auch für jene, die den Markt bereits aus früheren Jahren kannten, gab es mit neuen Ständen, zusätzlichen Angeboten und frischen Programmpunkten genügend Gründe, wieder nach Heusenstamm zu kommen. Inzwischen kommen immer mehr Gäste in mittelalterlicher Kleidung, das nicht nur ein geringeres Eintrittsgeld bedeutet, sondern den mittelalterlichen Charakter des Marktes noch verstärkt.

(Text: ah)