
Die Firma Jähde besteht seit 60 Jahren und ist seit 2007 auf Blechbearbeitung spezialisiert
„Blech kommt überall vor“, sagt Farnaz Mir Hosseini. Wie aufs Stichwort fährt in diesem Moment die Müllabfuhr durch die Eppertshäuser Oberwaldstraße: „Sehen Sie das Fahrzeug draußen?“, fragt die Geschäftsführerin der Jähde GmbH den Autor dieser Zeilen. „Auch das besteht zum Teil aus Blech.“ Was ebenso für Fensterbänke, Ladenbau-Elemente und Flanschplatten für Gehäuse und Schaltschränke gilt – um damit nur einige Einsatzgebiete für die Produkte des Familienbetriebs aus dem Gewerbegebiet zu nennen.
Mit Inhaber Alireza Zahedi – ihrem Ehemann – sowie Ingo Kresse als Industriemeister für Metall und zweitem Geschäftsführer lenkt Unternehmerin Mir Hosseini die Geschicke einer kleinen Perle der lokalen Wirtschaft. Seit nunmehr 60 Jahren existiert die Firma, dessen 2021 errichtetes Hochregallager mit der weithin sichtbaren Aufschrift „Blech“ nicht nur das entscheidende Material der Geschäftstätigkeit anzeigt, sondern seither auch das zweithöchste Gebäude in Eppertshausen nach der Kirche St. Sebastian ist.
Den Jähde-„Tower“ hätte es um ein Haar gar nicht gegeben, „wir wollten vor ein paar Jahren eigentlich in den ,Park45‘ expandieren“, erzählt Alireza Zahedi, der bis 2024 alleiniger Gesellschafter war. Das Grundstück, für das sich das Unternehmen interessierte, ging aber an einen anderen ortsansässigen Betrieb. Also blieb Jähde in der Oberwaldstraße, wo man bereits 1997 und 1999 angebaut hatte. Im Turm, der mit der Werkshalle verbunden ist, lagern verschiedene Blechsorten, die vollautomatisch für die weiteren Bearbeitungsschritte ausgegeben werden: „Wir müssen das Material dadurch nicht mehr aufwändig stapeln, suchen und aus dem Lager holen und können aus dem Vollen schöpfen“, freut sich Zahedi über den Nutzen dieser Investition.
Neu erfunden hat sich die Jähde GmbH, die nach ihrem bereits verstorbenen Gründer benannt ist, im Laufe ihrer sechs Jahrzehnte immer wieder. Zahedi und Mir Hosseini übernahmen die Firma 1993. „Zunächst ging es um die Herstellung von Transformatoren“, blickt Mir Hosseini zurück. Ihr Mann ergänzt: „Dann gab es einen tiefgreifenden Wandel in der Branche, viele Unternehmen zogen nach Italien.“ Allmählich stieg man bei Jähde auf Metalle um. „Seit 2007 steht die Blechbearbeitung im Mittelpunkt.“
Dabei setzt das Unternehmen im Umgang mit Blech und Leichtmetall oft auf Kleinserien oder individuelle Einzellösungen und deckt für seine Kunden dabei die gesamte Prozesskette ab. Sie reicht vom EDV-gestützten Produktdesign bis zur Fertigung im firmeneigenen Maschinenpark, wo die 15-köpfige Belegschaft auf klassische (CNC-)Blechbearbeitung ebenso zurückgreifen kann wie auf moderne Lasertechnologie. Jähde schneidet, stanzt, biegt, kantet, schweißt und schleift. Und punktet bei den Abnehmern vor allem mit Tempo: „Wenn uns ein Kunde morgens einen dringenden Auftrag gibt, verlässt das Endprodukt manchmal schon am Nachmittag unsere Halle“, sagt Ingo Kresse. Geschäftspartner aus dem Maschinenbau, der Pharmabranche oder lackverarbeitende Betriebe wüssten das zu schätzen. „Wir haben aber auch Künstler und Kreative unter unseren Kunden und fast jede Schlosserei aus der Umgebung“, fügt Mir Hosseini an.
Auch Alireza Zahedi stellt die Bedeutung von Tempo und Flexibilität heraus: „Die Produktion ist heute nicht mehr planbar, unsere Kunden müssen oft sofort reagieren. In der Folge müssen auch wir schnell handeln können.“ Dabei seien Investitionen in die Maschinen und eine gute Produktionsplanung das eine, eine kompetente, motivierte Belegschaft das andere, betont Farnaz Mir Hosseini: „Die Menschen sind das Wichtigste!“ Derzeit habe man eine „1a-Personalsituation“, und das mit einem multikulturellen Team: Bei Jähde arbeiten Russen und Ukrainer friedlich nebeneinander, dazu Menschen aus Kasachstan, Litauen, Eritrea und Deutschland. Der Inhaber und die Geschäftsführerin stammen aus dem Iran. Kresse nennt die „flache Hierarchie“ im Unternehmen als Pluspunkt und lobt die Leistungsbereitschaft im Team: „Bei uns bleiben die Leute auch mal freiwillig bis 18 Uhr, obwohl sie schon um sieben angefangen haben.“
Freilich war die Jähde GmbH personell einst deutlich größer. Zu Zeiten, in denen das Unternehmen noch selbst auf Montage fuhr, beschäftigte es bis zu 40 Mitarbeiter. Größe um jeden Preis ist aber längst nicht mehr die Losung, vielmehr Qualität und Wendigkeit. Seine Zukunft sieht der Familienbetrieb in Deutschland und am Standort Eppertshausen: „Wir glauben noch an die kleinen mittelständischen Unternehmen“, sagt Farnaz Mir Hosseini. „Dafür geben wir viel!“
(Text: jedö)

