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Finanztipp der Woche von mehr-geld.info
150 Euro im Monat sparen, 540 Euro jährlich vom Staat kassieren und das Geld langfristig am Aktienmarkt arbeiten lassen: Was nach einem attraktiven Börsenangebot klingt, wird ab Januar 2027 Teil der privaten Altersvorsorge. Das neue Altersvorsorgedepot soll Schwung in einen Markt bringen, den teure und komplizierte Riester-Verträge gründlich ausgebremst haben. Die Reform ist beschlossen. Jetzt bringen sich Banken und Broker für den Start in Stellung.
Mehr Börse für die private Vorsorge
Mit der häufig als „Aktienrente“ bezeichneten Kapitalanlage für die gesetzliche Rentenversicherung sollte man das Angebot allerdings nicht verwechseln. Beim Altersvorsorgedepot baut jeder sein eigenes Vermögen für den Ruhestand auf. Der entscheidende Fortschritt: Die bisherige Pflicht zur Beitragsgarantie entfällt bei dieser Produktvariante. Dadurch kann mehr Geld in renditestarke Anlagen wie breit gestreute Aktien-ETFs fließen. Dafür müssen Sparer Kursschwankungen und mögliche Verluste aushalten.
Bis zu 540 Euro Grundzulage – Familien bekommen mehr
Die Förderung lässt sich einfach ausrechnen. Auf die ersten 360 Euro Eigenbeitrag pro Jahr gibt es 50 Prozent Grundzulage. Für die nächsten 1.440 Euro steuert der Staat 25 Prozent bei. Wer monatlich 150 Euro einzahlt, erreicht damit die maximale Grundzulage von 540 Euro jährlich.
Besonders interessant wird es für Familien: Pro förderfähigem Kind kommen bis zu 300 Euro hinzu. Bereits 25 Euro monatlicher Eigenbeitrag reichen für die volle Kinderzulage. Bei zwei Kindern stehen damit 300 Euro eigener Einzahlung insgesamt 750 Euro Zulagen gegenüber: 150 Euro Grundzulage plus 600 Euro Kinderzulagen. Die Förderung ist allerdings keine jährlich wiederkehrende Rendite auf das gesamte Depotvermögen.
Auch steuerlich hat das Modell Charme. Während der Ansparphase werden Erträge und Wertsteigerungen innerhalb des Vertrags nicht besteuert. Das Finanzamt prüft zudem über die Steuererklärung, ob über die Zulagen hinaus ein zusätzlicher Steuervorteil entsteht. Später werden die geförderten Auszahlungen versteuert. Entscheidend ist deshalb auch der persönliche Steuersatz im Ruhestand.
Banken und Broker stehen in den Startlöchern
Wo lässt sich das Depot eröffnen? Konkrete Angebote haben unter anderem ING, Scalable Capital, Trade Republic oder Smartbroker angekündigt. Die ING startet mit einem gesteuerten Standarddepot und einer Variante für Selbstentscheider. Depotführung und Sparplanausführungen sollen kostenlos sein; Fondskosten bleiben zu beachten. Auch die Broker werben mit gebührenfreien Depots und teilweise erstatteten ETF-Kosten. Anleger sollten genau prüfen, welche Vergünstigungen dauerhaft gelten und welche nur zum Marktstart. Aktuell sind bereits Vormerkungen möglich; der eigentliche Produktstart ist Januar 2027.
So funktioniert die Eröffnung
Praktisch führt der Weg über die Website oder App des Anbieters. Benötigt wird ein eigener, zertifizierter Altersvorsorgevertrag; ein vorhandenes Wertpapierdepot wird nicht automatisch zum Förderdepot. Für die Abwicklung sollten Ausweis, Steuer-ID, Bankverbindung sowie Angaben zur Förderberechtigung und gegebenenfalls zu Kindern bereitliegen. Welche Nachweise konkret verlangt werden, hängt vom Anbieter ab. Anschließend werden Anlagevariante und Sparrate gewählt. Ein Dauerzulagenantrag kann die jährliche Beantragung der Förderung vereinfachen.
Für wen sich das Angebot lohnt
Zum berechtigten Personenkreis gehören insbesondere rentenversicherungspflichtige Arbeitnehmer und Beamte. Neu einbezogen werden auch selbstständig Erwerbstätige und Pflichtmitglieder berufsständischer Versorgungswerke. Für die Förderung gilt grundsätzlich ein jährlicher Mindesteigenbeitrag von 120 Euro. Besonders attraktiv erscheint das Modell für Familien, Menschen mit kleinen Sparraten und jüngere Anleger mit langem Anlagehorizont.
Der Preis der Förderung ist die Bindung ans Alter. Regulär beginnt die Auszahlung frühestens mit 65 Jahren. Möglich sind eine lebenslange Rente oder ein Auszahlplan mindestens bis 85. Wer vorher förderschädlich zugreift, muss Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen. Ein frei verfügbares ETF-Depot bleibt deshalb eine sinnvolle Ergänzung. Und bestehende Riester-Verträge sollte niemand vorschnell kündigen: Alte Garantien, Wechselkosten und neue Konditionen gehören zuerst auf den Prüfstand. Der staatliche Zuschuss ist attraktiv. Zum guten Geschäft wird das Altersvorsorgedepot aber erst mit niedrigen Kosten und einer passenden Anlagestrategie.
Den vollständigen Text von Lars Winter und weitere Tipps rund um die Themen Sparen und Anlegen finden Sie im Internet auf mehr-geld.info. Lars Winter und Jens Castner bildeten bis vor Kurzem die Chefredaktion des renommierten Anlegermagazins Börse Online.
(Text: RED)

