
Manchmal sind es gerade die Herausforderungen, aus denen besonders gute Lösungen entstehen. Die Rodgau Art stand in diesem Jahr vor einer ungewohnten Situation: Die Sporthalle, die bislang regelmäßig in die Ausstellung einbezogen wurde, stand diesmal nicht zur Verfügung.
Doch davon ließen sich Kim Leimenrot und Gabriele Ziegler, Hauptorganisatorin vom städtischen Fachbereich Kultur, Sport und Ehrenamt, nicht aus der Ruhe bringen. Mit viel Geschick gelang es ihnen, sämtliche Kunstwerke im Bürgerhaus Nieder-Roden unterzubringen. Selbst aus den Umkleidekabinen wurden kleine Ateliers. Dass die räumliche Einschränkung keineswegs zum Nachteil werden musste, zeigte sich schnell. „Es war diesmal sogar entspannter als mit der Sporthalle. Da müssen wir immer so lange warten, bis die Halle frei ist, und dann muss sie auch am Montagfrüh wieder geräumt sein“, erklärte Gabriele Ziegler. Der kleinere Ausstellungsbereich wurde optimal genutzt, ohne dass die Präsentation gedrängt wirkte. Zwar mussten manche Kunstschaffende mit weniger Platz auskommen als ursprünglich geplant, doch viele entdeckten darin sogar einen Vorteil: Durch die kürzeren Wege kamen sie leichter mit den Besuchern ins Gespräch und erreichten mehr Interessenten.
Wie gut sich die Rodgau Art inzwischen etabliert hat, zeigte sich nicht nur an der großen Resonanz auf die Ausschreibung. Aus 129 Bewerbungen wurden 78 Künstlerinnen und Künstler ausgewählt, allerdings mussten dann zwei kurzfristig absagen. Auch die Bereitschaft, für die Teilnahme eine weite Anreise auf sich zu nehmen, spricht für den guten Ruf der Ausstellung. So war diesmal sogar eine Kunstschaffende aus Hamburg vertreten. Auch das Publikum zeigte sich ausgesprochen interessiert. Von der Vernissage am Freitag, bei der Bürgermeister Max Breitenbach die Ausstellung eröffnete, bis zum Sonntagabend herrschte in den Ausstellungsräumen reger Betrieb. Die Besucher nutzten die Gelegenheit, die unterschiedlichen Arbeiten zu entdecken, mit den Kunstschaffenden ins Gespräch zu kommen und sich von der Vielfalt der gezeigten Werke inspirieren zu lassen.
Eine Neuerung gab es auch beim Rahmenprogramm: Auf die gewohnten Führungen des ehemaligen Rodgauer Kulturdezernenten Winno Sahm wurde diesmal verzichtet. Stattdessen gestaltete er sein Werkstattgespräch als thematische Führung unter dem Titel „Tiere in der Kunst“ und eröffnete damit einen besonderen Blick auf die vielfältigen Darstellungsformen des Tiermotivs. Für besondere Aufmerksamkeit sorgte erneut die Bühne des Bürgerhauses. Dort war eine Cyanotypie-Installation von Larissa Kasten zu sehen. Unter dem Titel „Licht.Wasser.Blau“ entfalteten die Drucke in intensivem Blau eine eindrucksvolle Wirkung und bildeten einen besonderen Blickfang innerhalb der Ausstellung.
Überhaupt machte gerade die große stilistische und handwerkliche Bandbreite den Reiz der Rodgau Art aus. Tonarbeiten standen neben Gemälden in unterschiedlichsten Stilrichtungen, Skulpturen neben Fotografien. Auch die lokale Kunstszene war stark vertreten: 24 Ausstellerinnen und Aussteller kamen aus Rodgau, acht von ihnen waren erstmals dabei. Für Gabriele Ziegler ist es ein wichtiges Anliegen, die Rodgau Art möglichst abwechslungsreich zu gestalten und sowohl bekannten als auch neuen Kunstschaffenden eine Plattform zu bieten. Nicht fehlen durfte schließlich ein bewährter Treffpunkt: das Künstlercafé, das erneut vom SOS-Helferkreis betrieben wurde. Hier konnten Besucher und Aussteller bei einer Pause ins Gespräch kommen und die Eindrücke der Ausstellung Revue passieren lassen. Für den Helferkreis ist das Engagement zugleich ein schöner Ausblick auf ein besonderes Jubiläum: Im kommenden Jahr besteht er seit 60 Jahren. Die diesjährige Rodgau Art hat eindrucksvoll gezeigt, dass eine erfolgreiche Kunstausstellung nicht von möglichst großen Räumen lebt, sondern von guten Ideen, engagierten Organisatoren und vor allem von der Vielfalt und Qualität der ausgestellten Werke.
Der etwas andere Rahmen tat dem Kunstgenuss jedenfalls keinen Abbruch – im Gegenteil: Die kürzeren Wege rückten Kunstschaffende und Publikum noch ein Stück näher zusammen.
(Text: ah)
