Hessens Städte bleiben im Mittelfeld: ADAC Monitor zeigt Zufriedenheitswerte in Mittelgroßstädten

(Grafik: ADAC Hessen-Thüringen)

Im Rahmen des ADAC Monitors „Mobil in Mittelgroßstädten“ hat der ADAC nach 2021 erneut die Zufriedenheit von Einwohnern und Pendlern in Städten mit weniger als 500.00 Bewohnern mit ihrer persönlichen Mobilitätssituation untersucht. Das Ergebnis: Im Vergleich zu 2021sank die bundesweite Zufriedenheit über alle Verkehrsarten hinweg leicht ab von 21 auf 17 Indexpunkte. Auch in den beiden hessischen Städten Kassel und Wiesbaden war ein Rückgang der Gesamtzufriedenheit messbar. Beide Städte rangieren in den aktuellen Umfragen im hinteren Mittelfeld (Wiesbaden: Rang 17 von 29, Kassel: Rang 21 von 29).


Städteranking in Puncto Zufriedenheit

Als Grundbedürfnis der sozialen und wirtschaftlichen Teilhabe ist Mobilität für Menschen unverzichtbar. Die Erreichbarkeit der Städte und die Qualität der urbanen Mobilität gelten als wichtige Standortfaktoren für Lebensqualität, Tourismus und wirtschaftliche Attraktivität. Der ADAC Monitor untersucht daher regelmäßig die Zufriedenheit mit den örtlichen Mobilitätsstrukturen in den Bereichen Pkw, Fahrrad, Fußverkehr und öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV). In Wiesbaden und Kassel hat sich die Zufriedenheit über alle Mobilitätsarten hinweg im Vergleich zu 2021 leicht verschlechtert.

Schlechte Noten für den Pkw-Verkehr in Wiesbaden und Kassel

Besonders stark zeigt sich der Rückgang der Zufriedenheit der Befragten beim Thema Autofahren: Hier überwiegt die Unzufriedenheit mit den Mobilitätsbedingungen im Kfz-Verkehr. Die Indexwerte der beiden Städte liegen mit -13 für Wiesbaden und -18 für Kassel im negativen Bereich und damit deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt von -9. Insbesondere das Baustellenmanagement wird von Autofahrern in den hessischen Städten stark kritisiert.

Diese Ergebnisse stehen im Einklang mit der hohen Zahl an Bauprojekten in den beiden Städten zum Zeitpunkt der Erhebung im Juni 2026. So führten in Wiesbaden Bauarbeiten an der Schwalbacher Straße, dem Gustav-Stresemann-Ring, der Berliner Straße sowie dem Theodor-Heuss-Ring zu Staus und Verzögerungen. Die Stadt Kassel war und ist aufgrund eines großen Investitionsprogramms besonders mit Baustellen belastet, unter anderem an der Leuschnerstraße, der Frankfurter Straße, der Kohlenstraße und an der Damaschkebrücke. Zusätzlich führten Baustellen auf Autobahnen rund um Kassel im Juni zu erheblichen Rückstaus im Stadtgebiet. Es ist davon auszugehen, dass die hohe Anzahl an Baustellen in Wiesbaden und Kassel die erhobenen Zufriedenheitswerte im Sommer beeinflusst haben.

Zufriedenheit mit dem ÖPNV etwas gesunken

Mit dem ÖPNV sind die Befragten in Wiesbaden und Kassel überwiegend zufrieden. Knapp die Hälfte der Befragten bewerteten die Taktung der Verbindungen in beiden Städten als positiv, nur 11 Prozent (Wiesbaden) beziehungsweise 9 Prozent (Kassel) empfanden diese als unzureichend. Allerdings ging in beiden Städten die Zufriedenheit beim Thema „Zuverlässigkeit“ von Bussen und Bahnen leicht zurück. In beiden Städten wird die Bereitstellung von Informationen durch Anbieter bei Störungen als unzureichend angesehen.

Als wichtiges Kriterium für den Radverkehr gilt die Erreichbarkeit von Zielen über direkte Wege. Sowohl Wiesbaden als auch Kassel haben hier noch Nachholbedarf. In beiden Städten lag die Zufriedenheit der Befragten in diesem Bereich unter dem bundesweiten Durchschnitt.

Fußgänger sind mit dem Zustand der Gehwege in Wiesbaden und Kassel etwas zufriedener als der bundesweite Schnitt. Kritik äußern die Befragten in den beiden Städten jedoch an Fahrzeugen, die den Fußweg blockieren.

ADAC Empfehlungen

Die Ergebnisse in Wiesbaden und Kassel offenbaren eine große Unzufriedenheit der Autofahrer mit den städtischen Verkehrsbedingungen sowie dem Baustellenmanagement. Dabei muss jedoch berücksichtigt werden, dass notwendige Investitionen der Städte in die Versorgungsinfrastruktur, darunter der Erhalt und Ausbau von Infrastruktur für Wasser-/Abwasser, Telekommunikation, Gas, Strom, Fernwärme und Straßen einen entscheidenden Einfluss in diesem Bereich haben. „Einschränkungen durch Baustellenbereiche werden daher auch in den kommenden Jahren zu erwarten sein. Um Autofahrer möglichst gut einzubinden, gilt es, die Baustellenkoordinierung und -kommunikation weiter zu verbessern und Bürgerinnen und Bürger frühzeitig über Verkehrsbehinderungen zu informieren,“ erklärt Lukas Berkel, Verkehrsexperte des ADAC Hessen-Thüringen.

Verbesserungsbedarf sieht der ADAC zudem beim Ausbau der Radwegenetze in Wiesbaden und Kassel. Nachdem die Städte in den vergangenen Jahren zahlreiche neue Verbindungen geschaffen haben, liegt nun die Herausforderung in der Gestaltung durchgängiger und sicherer Netze für den Radverkehr. Diese Infrastruktur verringert Konflikte und dadurch auch Verkehrsunfälle zwischen Autofahrern und Radfahrern.

Methodik

Für den ADAC Monitor „Mobil in der Stadt“ wurden in 29 deutschen Mittelgroßstädten mit weniger als 500.000 Einwohnern über 11.600 Personen zu ihrer Zufriedenheit mit den gängigen Mobilitätsformen (Pkw, ÖPNV, Fahrrad, Fußgänger) befragt. Während des Befragungszeitraums vom 8. Juni bis 3. Juli 2026 wurden je Stadt ca. 400 Interviews geführt. Dabei wurden Zufriedenheits-Indizes (von +100 bis -100) zu allen vier Fortbewegungsarten erstellt und diese anschließend zu einem Gesamt-Index zusammengeführt. Die Einzelergebnisse zur Bewertung der untersuchten Städte sowie weiter Informationen zur Methodik stellt der ADAC unter www.adac.de/stadt-monitor zur Verfügung.

(Text: PM ADAC Hessen-Thüringen)