Wenn bei Starkregen großräumig Bäche über die Ufer treten, wenn ein Waldbrand außer Kontrolle gerät und weite Teile des Taunuswaldes bedroht oder wenn aufgrund einer Naturkatastrophe Tausende von Menschen plötzlich und unerwartet im Kreisgebiet untergebracht werden müssen, dann übersteigt das die Kapazitäten einer einzelnen Stadt oder einer Gemeinde. Dann tritt der Katastrophenfall ein und der Katastrophenstab übernimmt die Leitung des Einsatzes. Der Stab übernimmt die Funktion einer zeitweise eingerichteten Leitstelle, in der Experten, Entscheidungsträger und Führungskräfte zusammenkommen, um gemeinsam die notwendigen Maßnahmen zu koordinieren.
Auch beim Hochtaunuskreis, der für den Katastrophenschutz im Kreisgebiet zuständig ist, gibt es einen solchen Krisenstab. Um zu gewährleisten, dass im Ernstfall die Rädchen des Katastrophenschutzes reibungslos ineinandergreifen und Hilfe schnellstmöglich organisiert wird, muss dafür regelmäßig geübt werden.
Am vergangenen Samstag kamen rund 20 Personen – Mitarbeitende des Kreises, Feuerwehrleute, Ehrenamtliche sowie Vertreter von Bundeswehr, Technischem Hilfswerk und Polizei – im Landratsamt zusammen, um an einem Fallbeispiel die Abwicklung eines Katastropheneinsatzes theoretisch nachzustellen. Diesmal ging es um einen umgestürzten Lastwagen, der mit Munition beladen war und der im Falle einer Explosion im Umkreis von 1500 Metern erhebliche Schäden angerichtet hätte. Deswegen galt es, so schnell wie möglich rund 6000 Personen aus dem Schadensradius herauszuholen. Und so wurden Feuerwehrkräfte alarmiert, Bereitstellungsräume, wo diese Feuerwehrkräfte auf ihren Einsatz warten können, festgelegt, Notunterkünfte für die zu evakuierende Bevölkerung gesucht, die Versorgung der Einsatzkräfte, aber auch der Personen, die in den Notunterkünften Schutz suchen, auf die Beine gestellt, ein Notfall-Bürgertelefon eingerichtet, Bustransporte für Personen ohne Auto und Krankentransporte für die bettlägerigen Bewohner von Altenheimen und von zu Hause betreuten Personen organisiert und nicht zuletzt wurde festgelegt, wie die Bevölkerung informiert wird.
„Wir hoffen, dass wir all das, was hier geübt wird, niemals brauchen“, sagte Landrat Ulrich Krebs. „Aber wir müssen für den Fall der Fälle gewappnet sein. Daher ist es notwendig, dass wir solche Szenarien regelmäßig theoretisch durchspielen, um bestmöglich für den Ernstfall gewappnet zu sein.“ Wolfgang Reuber, Manager für Sonderlagen beim Kreis, hatte die Übung konzipiert, bei der die Teilnehmer vom Übungsinhalt vollständig überrascht wurden. „Im Ernstfall wissen wir ja auch nicht, was auf uns zukommt“, so Reuber, „deshalb müssen wir das so gut es geht nachstellen.“ Tatsächlich war der Anfang auch holprig. Es dauerte eine Weile, bis sich jeder im Katastrophenstab mit seinen Aufgaben vertraut gemacht hatte. Dann aber liefen die Hilfeleistungen an: die Bergung der Explosivstoffe durch die Bundeswehr, die Organisation der Busse für den Transport der Menschen, die Absperrung des Gefahrenbereichs und nicht zuletzt der gemeinsame Rundgang von Feuerwehrleuten und Polizei durch die Straßen mit Klingeln an jeder Haus- und Wohnungstür, um sicherzustellen, dass das Gebiet auch tatsächlich vollständig geräumt ist.
Dabei wurde die sich ständig verändernde Lage genauso sorgfältig dokumentiert wie jede Handlungsanweisung der Stabsmitglieder. Diese Protokolle werden jetzt genau ausgewertet, sodass mögliche Schwachstellen im Ablauf erkannt und ausgebessert werden können. „Die Übung hat gezeigt, wie entscheidend klare Kommunikationswege und abgestimmte Einsatzpläne sind. Hier müssen wir ansetzen, um noch effizienter zum Schutz der Bevölkerung arbeiten zu können“, so Landrat Krebs abschließend in einem ersten Fazit.
(Text: PM Hochtaunuskreis)


