So viele Arbeitsplätze wie seit 49 Jahren nicht mehr
Offenbachs wirtschaftlicher Aufwärtstrend setzt sich vorerst weiter fort. Diese positive Entwicklung zeichnete sich bereits im Frühjahr dieses Jahres ab, als die Zahlen zum Stichtag 30. Juni 2024 bekannt wurden und Offenbach so viele Arbeitsplätze hatte wie seit 33 Jahren nicht mehr. Die Dezember-Zahlen bestätigen den Trend: Zum Stichtag 31. Dezember 2024 gab es in Offenbach 53.296 Arbeitsplätze. Oberbürgermeister und Wirtschaftsdezernent Dr. Felix Schwenke macht deutlich: „Mehr Arbeitsplätze hatten wir zuletzt 1975. Wir haben also so viele Arbeitsplätze wie seit 49 Jahren nicht mehr in unserer Stadt. Es ist noch lange nicht alles gut, aber der beste Wert seit 49 Jahren ist nicht irgendeine beliebige Randnotiz. Es ist ein starkes Zeichen dafür, dass unsere sehr klare Wirtschaftsstrategie und unsere darauf aufbauende Arbeit zu messbaren Erfolgen führen. Wir bekommen langsam wieder eine Perspektive. Das hilft am Ende den Bürgerinnen und Bürgern in Offenbach.“ Schwenke dankt ausdrücklich allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Stadtverwaltung und Stadtkonzern, die an vielen Stellen ihren engagierten Beitrag zu dieser Entwicklung leisten.
Doch gerade weil die Zahlen derzeit objektiv gut sind, ist es OB Schwenke besonders wichtig, ein vollständiges Bild zu zeichnen. „Die sehr positive Entwicklung muss daher sachlich eingeordnet werden“, so Schwenke.
„Konsequent weiterarbeiten – es bleibt noch viel zu tun“
„Die erste Einordnung ist: Deutschland steckt schon so lange anhaltend in einer Krise, dass es höchstwahrscheinlich ist, dass es auch bei uns einen Rückschlag geben wird. Alles andere wäre eine völlige Überraschung.“ Die zweite Einordnung zeigt, warum Offenbach aus Sicht von OB Schwenke konsequent weiterarbeiten muss an seiner wirtschaftlichen Erholung und noch lange nicht am Ziel ist. Es geht um das Verhältnis von Arbeitsplätzen zu Einwohnerinnen und Einwohnern, die so genannte Beschäftigtendichte. Sie lag Ende Dezember 2024 bei 36,6 Prozent und damit deutlich unter dem Wert von 45 Prozent im Jahr 1975 (damals war nur der Stichtag 30. Juni verfügbar). „Auch hier erreicht Offenbach zwar den höchsten Wert seit 13 Jahren, auch hier ist der jahrelange Abwärtstrend gebrochen. Aber: Hier sieht man, warum bei uns so schnell noch kein Champagner aus dem Wasserhahn fließen wird“, erläutert Schwenke und betont: „Es bleibt viel zu tun.“
Positiv: Viele Neuansiedlungen noch nicht in Zahlen enthalten
Es gibt aber auch eine positive Einordnung der Zahlen. Die aktuellen Zahlen enthalten noch keine Entwicklungen aus dem Jahr 2025, insbesondere aus dem sehr wichtigen positiven zweiten Halbjahr 2025. So hat beispielsweise Samson im Spätsommer sein erstes Werk, die Elektronikteilefertigung, in Betrieb genommen. Die ersten Mitarbeitenden des weltweit tätigen Industrieunternehmens sind heute schon in Offenbach. In den bald anstehenden Zahlen zum 30. Juni 2025 werden sie aber noch nicht enthalten sein und daher einen durch die Konjunktur zu erwartenden Rückschlag nicht verhindern können. Diese Arbeitsplätze werden erstmals in den Statistiken ab dem Stichtag 31. Dezember 2025 sichtbar werden. Dann wird auch Lorenz Snack-World sein neues Headquarter im Kaiserlei-Viertel bezogen haben und ebenfalls Teil der Arbeitsplätze in Offenbach sein. „Es besteht daher eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass Offenbach insgesamt auf einem positiven Pfad bei Gewerbesteuer und Arbeitsplätzen bleibt, und zwar nicht als Träumerei eines Oberbürgermeisters, sondern auf Basis der bereits gesicherten Entwicklungen.“
In den dann folgenden Jahren sind nicht nur stetig weitere Samson-Arbeitsplätze zu erwarten. Auch das Biotech-Unternehmen BioSpring feierte im Juli 2025 den ersten Spatenstich, der Automobilhersteller BYD verlegt seine Deutschlandzentrale nach Offenbach, beim IT-Dienstleister Pan Dacom haben zumindest die vorbereitenden Erdarbeiten für den Bau der neuen Firmenzentrale in Offenbach begonnen. „Gerade die in jüngerer Zeit erreichten Ansiedlungen bringen auch neue und auch hochqualifizierte (Industrie)-Arbeitsplätze nach Offenbach. Genau das, was lange gefehlt hat“, betont Schwenke. „Es ist zudem ein enormer Imagegewinn für die Stadt, dass zunehmend wieder mehr Unternehmenszentralen in Offenbach ihre Heimat finden.“
Hintergrundinformation Datenerfassung
Bei der Wirtschaftsförderung und der Abteilung Statistik wurden umfangreich historische Arbeitsmarktdaten der Bundesagentur für Arbeit zusammengetragen. Da von der Bundesagentur Daten bis 1976 jeweils ausschließlich zum 30. Juni und erst ab 1977 auch zum 31. Dezember erhoben wurden, liegen alle Daten zum 31. Dezember rückwirkend nur bis 1977 vor. Die historischen Daten der Bundesagentur für diesen Stichtag wurden zuletzt von den städtischen Fachstellen zusammengetragen. Damit verfügt die Stadt über einen Datensatz der Bundesagentur als Grundlage für einen belastbaren Vergleich. Hinzu kommen alle bei der Stadt schon länger verfügbaren Daten der Bundesagentur zum 30. Juni rückwirkend bis 1970.
Hintergrundinformation: Verhältnis Arbeitsplätze / Gewerbesteuer / KFA
Wie ist es möglich, dass OB Schwenke diese positive Entwicklung zeichnet und Stadtkämmerer Wilhelm von „schwierigen Jahren“ spricht? Ein Teil der Antwort ist die bereits dargestellte Beschäftigtendichte. Ein anderer Teil der Antwort ist das Verhältnis von finanziellen Erträgen aus den Arbeitsplatzrekorden und der finanziellen Abhängigkeit von der wirtschaftlichen Lage insgesamt durch den Kommunalen Finanzausgleich (KFA). Das Ergebnis der eigenen Anstrengungen Offenbachs zeigt sich zwar neben den Arbeitsplätzen auch bei der Gewerbesteuer: Hier läuft die Stadt auf einen Trend auf knapp über 100 Millionen Euro zu – ein insgesamt deutlich gestiegenes Niveau im Vergleich zur Vergangenheit.
Eine noch wichtigere Einnahmequelle ist jedoch der Kommunale Finanzausgleich (KFA), der neben einigen politischen Setzungen im Kern auch von der Steuerkraft des Landes Hessen abhängig ist. Hier zeigt sich die Gesamtlage Deutschlands mit Rezession und den zurückliegenden Jahren hoher Inflation, die das Preisniveau auf allen Ebenen deutlich erhöht hat. So erhielt die Stadt 2025 insgesamt zwar 250 Millionen Euro aus dem KFA – diese Summe aber konnte nicht einmal die Inflation seit 2020 und erst Recht nicht die Mehrkosten durch zusätzliche Pflichtaufgaben der Stadt ausgleichen. Das Verhältnis „externe Abhängigkeit“ (KFA) zu „Nutzen eigener Arbeit“ (Gewerbesteuer) beträgt derzeit noch 2,5 zu 1. Auch dieses soll durch die aktive Wirtschaftspolitik der Stadt langfristig besser werden.
(Text: PM Stadt Offenbach)


