Rathaussturm: „Elf Babbscher“ übernehmen die Macht in Obertshausen

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Einer nach dem anderen gab die Unterstützerschar des Bürgermeisters auf, bis auch Manuel Friedrich klein beigab. (Foto: ah)

Mit kräftigem Tusch und ohne langes Vorgeplänkel haben die „Elf Babbscher“ die närrische Macht in Obertshausen übernommen. Gerade einmal eine Woche nach dem feierlichen Hofempfang und der Inthronisation von Baron und Comtesse sowie der Jugendregenten bliesen die Narren zum Sturm auf das Rathaus. Ziel: Rathausschlüssel und Stadtkasse – und damit das symbolische Regiment über die Stadt.


Schon der Anmarsch ließ keinen Zweifel an den Ambitionen der Karnevalisten. In einem bunten Umzug rückte die Narrenschar geschlossen an und wurde dabei von befreundeten Prinzenpaaren und Abordnungen aus Offenbach, Mühlheim, Hanau und Lämmerspiel unterstützt. Trotz kühler Temperaturen herrschte ausgelassene Stimmung vor dem Rathaus, das sich an diesem Tag als närrische Festung wider Willen präsentierte. Sitzungspräsident Sebastian Leinweber versuchte zunächst, dem Rathauschef den Ausweg der schnellen Kapitulation schmackhaft zu machen. Angesichts der Überzahl an Tollitäten und Aktiven sowie der frischen Witterung schlug er augenzwinkernd vor, die Sache abzukürzen.

„Wir haben gesehen, unsere Tollitäten sind zahlreich erschienen. Wir haben sehr viele Aktive da, die hier zahlreich erschienen sind. Es ist auch entsprechend kühl“, erklärte Leinweber. Mit Blick auf die anstehende Wahl fügte er hinzu: „Lieber Manuel, es ist ja erst nächste Woche Wahl und von daher, so viel Zeit ist ja nicht mehr. Ihr könntet ja eigentlich das Ganze auch jetzt relativ kampflos einfach kurz hier übergeben.“ Doch Bürgermeister Manuel Friedrich zeigte sich zunächst unbeugsam. Nach kurzer Rücksprache mit Magistrat und Stadtverordneten wies er das närrische Angebot entschieden zurück. „Wir sind so gut aufgestellt wie noch nie. Das heißt, wir sind auch so motiviert wie noch nie, das Rathaus zu verteidigen. Und wir geben es auf jeden Fall nicht auf. Die Stadtkasse, der Schlüssel, der bleibt uns!“, erklärte der Rathauschef unter dem Jubel seiner Unterstützer – zumindest für den Moment. Die Narren antworteten, wie es ihrer Tradition entspricht, nicht mit Worten, sondern mit Programm.

Eine schwungvolle Gardetanz-Breitseite der „Dragonflies“, eine imposante Vorführung der Bannergarde und die wuchtigen Klänge der Guggemusik „Icebrakers“ der Stadtgarde Offenbach sowie der Nodebabbscher ließen keinen Zweifel daran, wer an diesem Tag den Ton angab. Siegesgewiss legte Lederbaron Robert zur Musik der Nodebabbscher sogar ein Tänzchen aufs Pflaster.

Noch einmal forderten die Tollitäten die Verwaltungsspitze zur Kapitulation auf – diesmal mit gereimter Kritik und närrischem Ernst. Bürgermeister Friedrich, so hieß es, wirke „völlig ausgebrannt“, und das Rathaus müsse nun mit „Humor, Herz und Verstand“ regiert werden. Auch kommunalpolitische Seitenhiebe fehlten nicht: von offenen Hallen in den Ferien über bessere Trainingsmöglichkeiten für Garden bis hin zu dringend benötigten Turnhallen und Bolzplätzen für die Vereine. Schließlich bröckelte der Widerstand. Einer nach dem anderen gab die Unterstützerschar des Bürgermeisters auf, bis auch Manuel Friedrich klein beigab. Passend zum diesjährigen Kampagnenmotto „Terminal 11 – The Sky is de Himmel“ präsentierte er sich im Pilotendress und überreichte Rathausschlüssel und Stadtkasse an die närrische Führung. Mit einer Polonaise durch das Rathaus, den Sitzungssaal und sogar das Bürgermeisterbüro wurde die Machtübernahme besiegelt. Den feierlichen Schlusspunkt setzte der „Fahneneid“ auf die blau-rot-gelb-weiße Fahne der Elf Babbscher, die fortan gut sichtbar am Rathaus flattert – ein sichtbares Zeichen dafür, dass in Obertshausen nun für die närrischen Tage das Regiment gewechselt hat.
(Fotos: ah)