
Einen Rückblick auf das Jahr 2025, eine gegenwärtige Betrachtung und einen Ausblick in die nähere Zukunft bot der Neujahrsempfang der Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg in Groß-Umstadt. Vor etwa 120 Gästen bot Landrat Klaus Peter Schellhaas einen kurzen Rückblick auf das vergangene Jahr, das das erste war, in dem die Kreisklinik in Groß-Umstadt nach der Eröffnung des neuen Bettenhauses zwölf Monate „unter Volllast“ gefahren seien, so der Landrat. Die Hoffnung, durch den Neubau neue Patienten zu bekommen, habe sich erfüllt: „Wir haben eine signifikante Fallzahlensteigerung“, sagte der Landrat: „Das ermöglicht uns einen positiven Blick in die Zukunft.“ Und der sei wichtig nach einem Jahr vielen Veränderungen. Ähnlich drückte sich Betriebsleiterin Pelin Meyer aus: Zuversicht sei etwas schwierig in diesen Zeiten, aber es habe genügend Positives gegeben, so seien die Kreiskliniken im Clinotel-Verband, dem 65 Krankenhäuser angehören, das Haus, das am stärksten gewachsen sei, was die Fallzahlen angehe. Zudem entstehe derzeit das kardiologische Kompetenzzentrum und auch die Technologiepartnerschaft mit Siemens Healthineers sei hervorzuheben.
„Wir versuchen Menschen zu helfen“
Landrat Schellhaas spannte den Bogen in die Gegenwart zur WifOR-Studie (Gesundheit | site-wurzel), die in der vergangenen Woche vorgestellt wurde und die unter anderem zum Ergebnis hatte, dass jeder Euro, den die Kreiskliniken an Zuschüssen und Förderung erhält, vier Euro an Wertschöpfung in der Region durch die Kreiskliniken auslöst. „Wir versuchen Menschen zu helfen“, sagte der Landrat, „aber die Debatte über Krankenhäuser und deren Zukunft hat immer den Zungenschlag, dass nur große Häuser eine Daseinsberechtigung haben. Das verursacht Ängste.“ Die Studie im Auftrag des Landkreises habe aber nun gezeigt, dass auch ein regionales Haus wie die Kreiskliniken mit ihren Standorten in Groß-Umstadt und Jugenheim „einen signifikanten Beitrag zum Wohlstand im Landkreis leistet“. Die Frage sei nun, ob sich künftig der Sprachgebrauch in der Debatte über die Kliniken nicht ändere.
Dass die Gesundheitswirtschaft mit rund 7,7 Millionen Beschäftigten der größte Arbeitgeber in Deutschland sei, mit einer Bruttowertschöpfung von 490 Milliarden Euro, betonte auch Gastredner Prof. Dr. Andreas Beivers, Professor für Volkswirtschaftslehre und Gesundheitsökonomie von der Hochschule Fresenius, der einen Blick in die Zukunft lieferte: Er referierte zur Frage, ob der Strukturwandel in der Gesundheitsversorgung gelingt. Eine einfache Antwort darauf gibt es nicht, machte Prof. Beivers klar. Die Materie sei „maximal komplex“. Allerdings sei der Strukturwandel „unvermeidbar“, erklärte der Wissenschaftler. Das könne aber auch Positives mit sich bringen: „Wir haben es in der Hand, Wachstum zu sichern“, sagte er. Im direkten Vergleich in Europa habe Deutschland das drittteuerste Gesundheitssystem. Es gibt Länder, in denen das System günstiger ist und auch besser von den Leistungen her. Was zunächst negativ klingt, sei es aber eigentlich nicht. „Das bedeutet nämlich, wie können etwas machen“, sagte Prof. Beivers: „Wir können Geld sparen und trotzdem besser werden.“ So, wie es eben andere Länder schon vormachen. Denn die Einnahmenseite sei kaum noch zu verbessern, etwa durch höhere Krankenkassenbeiträge, also müsse auf der Ausgabenseite gekürzt werden. Um dies zu erreichen, listete er die Reformen auf, die derzeit aktuell sind: Krankenhausreform, Spargesetze, Pflegereform, Primärarztsystem. Notfallreform und auch die Reform der Gesetzlichen Krankenversicherung. Vor allem bei den Krankenversicherungen sei er sich sicher, „dass wir das schaffen können. Es wird nicht einfach, aber wir können diesen Bereich retten.“
Gesundheitssystem benötigt einen strukturierten Wettbewerb
Sicher ist sich Prof. Beivers auch, dass das Gesundheitssystem einen strukturierten Wettbewerb benötige. Eine Zuteilung von Leistungsruppen, wie ursprünglich bei der Krankenhausreform geplant, hätte dem widersprochen. „Ich bin ein Verfechter der Ambulantisierung“, sagte er zu einem weiteren Baustein des Strukturwandels. „Dafür brauchen wir aber eine Struktur“, sagte Prof. Beivers, etwa ein Rückruf-System nach Entlassung der Patienten. Die Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg haben sich frühzeitig mit dem Thema Ambulantisierung beschäftigt und setzen zusätzlich auf die Medizinischen Versorgungszentren, um flexibel agieren zu können. An beiden Klinik-Standorten wurden frühzeitig Strukturen dafür geschaffen, dass auch das Krankenhaus selbst mehr Kapazitäten für ambulante Eingriffe hat, da diese im stationären Umfeld nicht kostendeckend erbracht werden können.
Die Chancen, den unvermeidbaren Strukturwandel zu bewältigen, sind also vorhanden. Aber für eines eigne sich die Gesundheitsversorgung keinesfalls, sagte Prof. Beivers: für Populismus.
(Text: PM Landkreis Darmstadt-Dieburg)

