Fünf Stunden Show: Närrische Sitzungspremiere der DJK Blau-Weiß Münster

9
Das Männerballett der DJK tanzt diesmal genau auf jene Stücke, die das Publikum wenige Minuten zuvor ausgewählt hat. (Foto: jedö)

„Tanz, moderner Gesang und Vorträge – eine bunte Mischung für das Publikum“: So umreißt die DJK Blau-Weiß Münster den Ansatz ihrer diesjährigen Fastnachtssitzung, die sich trotz moderater Innovation (etwa in der Saaldeko) in den Grundsätzen treu bleibt. Als da wären: Verzicht auf „Importe“ aus anderen Narrenhochburgen, viel eigener Nachwuchs – und vor allem Stimmung, Stimmung, Stimmung! Die ist auch bei der Premiere am Samstagabend wieder blendend, wird es an den kommenden beiden Wochenenden gewiss aufs Neue sein: Am 30. und 31. Januar sowie am 7. Februar zeigen die Fastnachter des 1000 Mitglieder großen Mehrspartenvereins die fünfstündige Show in der DJK-Halle vor 400 Kostümierten weitere Male, was der Höhepunkt der Kampagne, aber nicht der letzte Streich ist.


18 Punkte starkes Programm

Einmal mehr hat die von Christian Weinrich geleitete Abteilung ein 18 Punkte starkes Programm auf die Beine gestellt, sofern man die drei Schunkelrunden der „Nippelboardboys“ Maximilian Hotz und Andreas Bonifer (ersetzten seit 2025 die beiden Live-Musiker) nicht als eigenständige Nummern, sondern als atmosphärisches Rahmenelement sieht. Regelmäßig im Einsatz sind naturgemäß auch die beiden Sitzungspräsidenten Jörn Müller und Andrea Weinrich, die die jecke Doppelspitze seit der Session 2025 von Rainer Roßkopf und Michael Bonifer übernommen haben.

Müller hält dazu weiter auch das Protokoll, das nach dem Einmarsch von Elferrat, Musikverein und Juniorgarde (sowie deren klassischem Gardetanz, einstudiert mit den Trainerinnen Jenny Ochmann und Sabrina Kreher) freilich nicht der erste Wortvortrag ist. Hier zeigt die DJK, dass sie nicht zwanghaft an vermeintlichen Konventionen festhält. Nele Stork und Charlotte Gilbert witzeln am frühen Abend über ein Austauschjahr in den USA und stellen schließlich fest, dass es bei der „Minsdrer“ DJK doch am schönsten ist. Auch das wie stets euphorisch bejubelte (diesmal gruselig verkleidete und von Nina Scharf und Heike Matheis geleitete) Kinderballett kommt noch vor Müller an die Reihe.

Der hat seine Rückschau aufs vergangene Jahr wie eh in geschliffene Reime verpackt. Diesmal geht er beispielsweise auf die Münsterer Kerb auf und wünscht sich für die Zukunft auch Kerbmädchen. Die heiße Debatte um die Lärmschutzwände an der Bahn und der zur Bürgermeister-Wahl konkurrenzlose Verwaltungschef und DJKler Joachim Schledt (sitzt bei der Premiere im Elferrat kommen im Protokoll ebenfalls zur Sprache: „So wird der alte Leitspruch wahr: Dann wähle mer zum Boss en Narr!“

Um noch ein bisschen beim gesprochenen Wort zu bleiben: Bis zur Pause folgt noch ein Vortrag. „Superpapa“ Matthias Matheis ist wieder nur im kongenialen Duo mit Emmi Bermond zu haben. Urkomisch, wie sich Matheis für ein Best-Ager-Supermodel hält und die DJK-Bühne zum Catwalk macht. Mit entsprechendem Gejohle geht es in die Pause. In Hälfte zwei, wenn auf Fastnachtssitzungen meist der Geräuschpegel im Publikum steigt und die Aufmerksamkeit sinkt, platzieren die Blau-Weißen klugerweise nur noch zwei Vorträge: Unter dem Titel „Das bisschen Haushalt macht sich von allein“ berichtet Hasan Kaya über das herausfordernde Zusammenwohnen mit seiner Freundin. Vereinschef Matthias Wolf und sein Bühnenpartner Thomas Mack nehmen allzu „woke“ Muster aufs Korn und checken als „Bundesprüfstelle für zeitgemäße Späße“, welche Pointen heute noch durchgehen dürfen.

Publikum dirigiert das Männerballett

Getanzt wird auf der DJK-Sitzung insgesamt siebenmal. Neben Juniorgarde und Kinderballett wirbeln auch die Showtanzgruppe „Mascarada“ (Leitung: Tabea Müller und Jenny Ochmann), das Männerballett (Michelle Bürner), die Showtanzgruppe „Techtelmechtel“ (Nadine Ries), die gemischte Showtanzgruppe „Die AG“ (Lukas Grießmann, Sabrina Kreher) und die Garde (Anja wolf, Kristin Seib). Das Männerballett hat sich für seine Show etwas Ungewöhnliches überlegt: Das Publikum darf wenige Minuten vorher aus mehreren Songs bestimmen, zu welcher Auswahl sich die Tänzer bewegen. Die kommenden drei Auftritte könnten sich ergo von dem auf der Sitzungspremiere unterscheiden.

Im besten Sinne „auf die Ohren“ gibt es für die Narren im Saal dazu noch dreimal: Die Trommelgruppe „Die Beklobbde“ fordert nicht nur „mehr Licht“, sondern auch „mehr Wumms“; die Band BreitImFeld mischt zum Start in den zweiten Abschnitt zum nunmehr dritten Mal mit und auf; und über die mitreißenden Kompetenzen der Hinnergassebuwe, die zum großen Finale überleiten, muss man in Münster längst keine größeren Erläuterungen mehr verlieren.

Wenn all die Aktiven ihr Werk am übernächsten Wochenende letztmals aufgeführt haben, ist es nicht mehr weit bis zu den tollen Tagen. An denen die DJK Blau-Weiß Münster noch was vorhat: Am Freitag des Fastnachts-Wochenendes (13.) steigt in der DJK-Halle ab 14.30 Uhr (aus Platzgründen nur für Vereinsmitglieder zwischen 3 und 12 Jahren) ein Kindermaskenball. Dem schließt sich ab 19.30 Uhr eine Teenie-Party für 14- bis 17-Jährige in der DJK-„Holzkiste“ an. Am Rosenmontag schließen laufen 88 Erwachsene und 38 Kinder des Vereins beim Umzug in Urberach mit.

(Text: jedö)