Wer Karten ergattert hat für die bereits ausverkaufte dritte Sitzung der Karnevalsabteilung der Turngemeinde Ober-Roden an diesem Samstagabend, der darf sich freuen: Die TG-Fastnachter präsentierten sich bei ihren bisherigen Auftritten in Topform. Das traf sowohl auf die Premiere am 17. Januar als auch auf die Matineesitzung am vergangenen Samstag zu, als der Narrhallamarsch bereits in den Nachmittagsstunden erklang.
Wegen des frühen Aschermittwochtermins in dieser Kampagne ballen sich die Veranstaltungen der Fastnachter ganz besonders. Dies wurde zu Sitzungsbeginn bei der Aufzählung der diversen Termine durch Sitzungspräsident Sascha Reisert deutlich. „Ihr gebt uns die Kraft und die Kondition für unseren närrischen Marathon“, meinte Reisert in Richtung Publikum. Die Vorfreude ist trotz Terminstress riesig, vor allem natürlich beim Prinzenpaar. Nachdem die Band „Kiwis“ und der TG-Musikzug unter der Leitung von Luise Schrod das Publikum in Stimmung gebracht hatten, sprachen die neuen Regenten Maximilian I. und Laura I. (Gotta) zum Volk. Ein Traum werde für sie als Prinzenpaar wahr, sagten die närrischen Herrscher. Die Prinzessin hat sogar extra ihre Facharztprüfung, die eigentlich am Fastnachtsdienstag angestanden wäre, in den Mai verschoben. „Man muss da Prioritäten setzen. Die Fastnacht geht ganz klar vor“, meinte Sitzungspräsident Sascha Reisert augenzwinkernd.
Rund drei Jahrzehnte war es bei der TG Tradition, dass Sascha Reisert auch noch als Protokoller in die Bütt ging. Zumindest von dieser Rolle hatte der Sitzungspräsident im vergangenen Jahr Abschied genommen, mit Stella Hitzel und Antje Frank übernahmen nun aber zwei würdige Nachfolgerinnen. Die Protokollerinnen lobten zunächst einmal ihren Vorgänger, um dann selbst Ereignisse auf globaler und lokaler Ebene gekonnt zu glossieren. Das emissionsfreie Coffeebike des örtlichen Rathauschefs kam da ebenso zur Sprache wie die Ansiedlung der Filiale einer großen Fastfood-Kette in Ober-Roden. Wobei laut Stella Hitzel und Antje Frank eines klar sein sollte: „Unser goldenes M ist und bleibt es Mortsche“. Beim Blick auf die Bundespolitik wurde es auch mal ernst. Vielleicht sei es heute so wichtig wie nie, dass sich die Parteien zusammen reißen für die Demokratie und auch mal an einem Strang ziehen, meinte angesichts der AfD-Umfragewerte das „Protokollinnen-Duett“, wie Sascha Reisert seine Nachfolgerinnen ankündigte.
Während bei den Abendsitzungen auch drei Auftritte mit närrischen Hochkarätern von auswärtigen Vereinen auf dem Programm stehen, durfte bei der Matineesitzung mit Helena Hitzel ein TG-Nachwuchsass ihre Premiere bei den „Großen“ feiern. Sie freute sich in ihrem Vortrag über eine „sturmfreie Bude“. Tim Frank ging als Minijobber während des Lehramtsstudiums in die Bütt. Das Duo Norbert Köhler und Karl-Walter Huss glänzte mit dem Szenario „Fastnachtsredenschreiber bedient sich der künstlichen Intelligenz“. Wobei die Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI alles andere als harmonisch vonstatten geht und schon bald von der „grässlichen Intelligenz“ die Rede ist: „Noch ein Ton und deine neue Heimat ist der Elektroschrott.“
Der Auftritt von Büttenass Boris Reisert ist auch in dieser Kampagne wieder ein echtes Highlight der TG-Sitzungen. Sein Bruder Michi berichtet – halb erzählt, halb gesungen – von seiner Heirat im abgelaufenen Jahr. Beim Finale spielte Michi Reisert gemeinsam mit Gregor Wade ebenfalls eine zentrale Rolle.
Neben den Büttenreden gab es wieder viele tänzerische Highlights, für die Mini-, Midi- und Nachwuchs-Jazzgruppen, Mini- und Midi-Garde, die Prinzengarde, die Prinzliche Hofgarde und die Street-Life-Dancers sorgten.
(Text: PS)


