
Wer als Radfahrer oder Fußgänger die L 3303-Brücke über die A67 bei Büttelborn nimmt, braucht gute Nerven. Sattelschlepper donnern vorbei, die Brücke selbst und die Straße dorthin sind schmal, es gibt keinen Radstreifen, keinen Radweg. Viel Platz ist nicht. Ein hoher Bordstein verhindert das Ausweichen. Wenn sich dann noch Lastwagen begegnen, hält nicht nur der Radelnde die Luft an. Gefährliche Situationen bleiben nicht aus – das weiß auch Büttelborns Bürgermeister Marcus Merkel. Jetzt hat er sich mit Fachleuten aus der Kreisverwaltung, Hessen-Mobil und der Autobahn GmbH bei einem Ortstermin über die Gefahrenstelle ausgetauscht.
Mit dabei: Landrat Thomas Will, die Radverkehrsbeauftragte des Kreises, Franziska Knaack, Arndt Jäger von der Autobahn GmbH, Sonja Ebling von Hessen Mobil sowie Mario Schuller vom ADFC Kreis Groß-Gerau. Die Brücke war vor Jahrzehnten für den landwirtschaftlichen Verkehr errichtet worden. Dass über sie einmal schwere Laster rollen sollten, hatten die Planer nicht im Sinn. „Das Bauwerk ist in gutem Zustand, nicht akut sanierungsbedürftig, das macht die Situation noch verzwickter“, sagte Bürgermeister Merkel. „Ein Ersatzneubau ist aktuell nicht erforderlich.“
Gleichwohl stellt die Situation keinen zufrieden: „Im Grunde kann man niemand zu Fuß oder mit dem Rad guten Gewissens hier rüberschicken“, räumt der Bürgermeister ein. Das ist nicht neu: Zuletzt im vorigen August hatten Fachleute von Kommune und Kreis die Lage an der Brücke als „problematisch“ eingestuft, als sie bei der Radbefahrung des Kreises die Rad-Infrastruktur in Büttelborn unter die Lupe nahmen. „Hier fehlt sowohl ein sichere Radwegeverbindung zwischen Büttelborn und Griesheim als auch ein Radweg über die Brücke zwischen Taunusstraße und B42“, sagte Franziska Knaack. Was tun?
Schnelle Lösungen sind nicht in Sicht, das wurde bei dem Ortstermin schnell klar. „Die Brücke ist mit das größte Nadelöhr im Kreis für den Radverkehr“, so Landrat Will. Dem Wunsch des ADFC, kurzfristig für Verbesserungen zu sorgen, kann er freilich viel abgewinnen. Doch wie könnte das klappen? Die Brücke neu und mit breiten Radstreifen zu bauen, ist Zukunftsmusik. Zumal die Zubringerstraßen ebenfalls sehr schmal sind. „Wir kommen dann von der einen Engstelle in die nächste“, mahnte Sonja Ebling von Hessen-Mobil.
Ampelschaltung oder das per Schild verfügte Verbot des Überholens von einspurigen Fahrzeugen durch Autos und Lkw wären hingegen Optionen, die geprüft werden könnten. Hessen-Mobil setzt auf den derzeit in der Planung befindlichen Radwegelückenschluss, der nördlich der Brücke entlang der B42/44 realisiert werden soll – dann könnte der Radverkehr den gefahrvollen Weg über die Brücke meiden. Auch das freilich Zukunftsmusik. „Bis zu sechs Jahre kann das dauern“, war zu erfahren. Landrat Will und Bürgermeister Merkel versprechen, bei dem Thema hartnäckig zu bleiben. „Wir brauchen hier dringend Lösungen, bevor etwas passiert.“
(Text: PM Kreis Groß-Gerau)

