Darmstadt: Teilnahme am Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz

5
(Symbolfoto: anncapictures auf Pixabay)

Der Magistrat der Wissenschaftsstadt Darmstadt hat in seiner Sitzung vom Mittwoch, 28. Januar, die Teilnahme am Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK) beschlossen. Das Programm sieht vor, dass zwischen dem Steinbrücker Teich und der Grube Prinz von Hessen auf 247 Hektar ein dauerhafter Naturwald entsteht. Die Nutzungsrechte für diese Fläche im östlichen Stadtwald werden an die Bundesrepublik Deutschland übertragen, die Stadt bleibt Eigentümerin, verzichtet jedoch dauerhaft auf eine wirtschaftliche Nutzung – eine Rückkehr zur Bewirtschaftung wird es nicht mehr geben. Durch die Teilnahme am ANK-Programm entwickeln sich die ausgewählten Flächen künftig nach den eigenen Regeln der Natur – ein entscheidender Beitrag zur Stabilisierung des Ökosystems und zur Anpassung an den Klimawandel.


„Mit diesem Beschluss setzt die Stadt ihr Leitbild Wald konsequent um, erhöht den Anteil an Referenzflächen für natürliche Prozesse und schafft eines der größten zusammenhängenden Wildnisgebiete in Hessen“, erklärt dazu der zuständige Stadtrat Michael Kolmer. „Diese Flächen sind nicht nur für den Klimaschutz entscheidend, sondern auch für Arten, die in bewirtschafteten Wäldern kaum noch vorkommen. Unberührte Wälder sind Hotspots der Biodiversität“, erklärt Stadtrat Michael Kolmer. „Gerade in Zeiten der Klimaveränderung brauchen wir solche Rückzugsräume, in denen die Natur ihre eigene Dynamik entfalten kann. Mit dieser Entscheidung unterstreicht die Wissenschaftsstadt Darmstadt einmal mehr ihre Bemühungen im Umwelt- und Klimaschutz und schafft gleichzeitig wertvolle Naturerlebnisräume für die Bürgerinnen und Bürger. Ein Projekt, das zeigt, dass Klimaschutz und Biodiversität Hand in Hand gehen.“

Wälder, die sich ohne menschliches Zutun entfalten können, sind Kohlenstoffspeicher der Extraklasse und bieten Lebensraum für bedrohte Arten. Während bewirtschaftete Wälder oft nur begrenzte Strukturen aufweisen, entstehen in ungenutzten Wäldern über Jahrhunderte hinweg komplexe Ökosysteme – mit alten Bäumen, Totholz und seltenen Pflanzen und Tieren. Gleichzeitig binden diese Wälder langfristig CO₂ und tragen so aktiv zum Klimaschutz bei und sind widerstandsfähiger gegen Dürren, Stürme und Schädlinge. Dadurch entwickeln die Wälder langfristig dichtere Kronendächer, die die Böden schützen und die Stabilität des Waldes in der Klimaveränderung erhöhen.

Die ausgewählten Flächen wurden nach strengen Kriterien ermittelt: Neben dem Alter der Bäume spielten die Anbindung an bestehende Schutzgebiete und die Erhaltung wichtiger Erholungswege eine zentrale Rolle. Vor der Entscheidung wurde das Vorhaben mit dem Expertengremium und mit dem Runden Tisch Wald intensiv diskutiert – und fand breite Zustimmung. „Es geht nicht um einen Rückzug aus der Verantwortung, sondern um eine Investition in die Zukunft“, betont Stadtrat Michael Kolmer. „Wir schaffen hier einen Ort, an dem die Natur sich selbst überlassen bleibt – und gleichzeitig ein Labor für Forschung und Umweltbildung, das für die Menschen in Darmstadt erlebbar sein wird.“

Die Teilnahme am ANK-Programm bringt Darmstadt einmalige Einnahmen von etwa 5 bis 6 Millionen Euro. Diese Mittel fließen in den Investitionshaushalt der Stadt Darmstadt und werden zweckgebunden für Projekte genutzt, die die Naherholung und Umweltbildung stärken sowie die Ströme der Waldbesuchenden gezielt lenken sollen. Der neue Naturwald wird somit nicht nur ein Refugium für Tiere und Pflanzen, sondern auch ein Ort, an dem die Menschen die Kraft der Wildnis hautnah erleben können. „Wir wollen, dass die Bürgerschaft versteht, warum solche Flächen so wichtig sind“, sagt Kolmer. „Gleichzeitig schaffen wir mit den geplanten Erholungseinrichtungen, wie etwa Aussichtsplattformen mit Informationsflächen oder Riesenschaukeln attraktive Angebote für Familien, Schulen und Naturliebhabende.“

(Text: PM Wissenschaftsstadt Darmstadt)