
Der Regionalplan Südhessen dient zur Steuerung der räumlichen Entwicklung – auch fürs Gebiet des ganzen Landkreises Darmstadt-Dieburg und die Gemarkung der Gemeinde Münster. Die letzte Fassung dieses überörtlichen und fachübergreifenden Planwerks, in dem vielfältige (oft widerstreitende) Nutzungsansprüche planerisch ausgeglichen werden, stammt aus dem Jahr 2010.
Um die Vorgaben für die Flächennutzung und damit den planerischen Rahmen für die räumliche Entwicklung der Region aktueller abzubilden, haben die Verbandskammer des Regionalverbands FrankfurtRheinMain und die Regionalversammlung Südhessen im vergangenen Sommer einen neuen Regionalplan-Entwurf auf den Weg gebracht. Gültig ist derzeit noch der alte, der in den nächsten Jahren aber abgelöst werden soll.
Im zweiten Halbjahr 2025 befassten sich die Kommunen eingehend mit den Änderungen, die der neue Entwurf im Vergleich zum Regionalplan von 2010 vorsieht. Auch die Münsterer Gemeindevertreter beschlossen in ihrer jüngsten Sitzung die kommunale Stellungnahme zu den Auswirkungen auf die lokale Gemarkung. Die wären mit Blick auf drei geplante Gewerbegebiete durchaus markant. Vor allem eines nördlich des fast vollendeten Baugebiets „Am Seerich“ und ein weiteres an der B26 bei Altheim stoßen dem Gros der Parlamentarier sauer auf.
Letztgenanntes Areal soll sich östlich des Dieburger Logistikriesen Fiege Richtung Altheim an die B26 anschließen, vier Hektar umfassen und ebenfalls der Ansiedlung von Logistikfirmen vorbehalten werden. Was kürzlich Jörg Rupp von der Kreistags-Fraktion der Freien Wähler/Unabhängigen Wählergemeinschaften im Darmstadt-Dieburg-Parlament sagte, bewahrheitete sich auch in der Münsterer Parlamentsdebatte: „Jeder braucht Logistik, keiner will sie haben.“ Tatsächlich sah für die Münsterer CDU Fraktionschef Thorsten Schrod eine „Fläche ohne Arbeitsplätze“ entstehen, wenn diese Branche an der Bundesstraße – dann aber schon auf Münsterer Land und nicht mehr auf Dieburger Gemarkung – ein großes oder mehrere kleinere Unternehmen ansiedelt.
Noch einhelliger war die frühzeitige Ablehnung einer weiteren im neuen Regionalplan-Entwurf vorgesehenen Gewerbefläche, die sich nördlich der Altheimer Straße Richtung Naturschutzgebiet befindet. Unweit davon ist mit dem „Seerich“ in den vergangenen Jahren ein Wohn-, Misch- und Gewerbegebiet entstanden. Nur noch wenige Flächen – im Bau ist die des Metallbearbeitungs-Betriebs Jarek, der Supermarkt mit Wohnungen auf dem Feldkreuz-Grundstück harrt indes noch seiner Entwicklung – sind dort nicht besiedelt. Nordöstlich davon will praktisch kein Münsterer Kommunalpolitiker weitere Unternehmen haben. „Es kann nicht sein, dass man ein neues Wohngebiet von Gewerbe umzingelt“, sagte Schrod dazu. Nina Zeitz (SPD) konstatierte trotz des Zeitdrucks, den die Gemeinde beim Erarbeiten und Diskutieren ihrer Stellungnahme gehabt habe: „Wir wissen heute schon, dass wir bestimmten Flächen nicht zustimmen werden.“ Die Fläche nördlich der Altheimer Straße etwa „gehen wir nicht mit“.
Die einzige im Regionalplan-Entwurf für die Zukunft vorgesehene Gewerbefläche, mit der sich Verwaltung und Lokalpolitik gleichermaßen anfreunden könnten, ist eine ein 8,2 Hektar große Erweiterung des von Gewerbe dominierten Ortsteils Breitefeld. Entstehen soll es eines Tages an der Munastraße auf Boden, der sich schon jetzt fast vollständig im Besitz der Gemeinde befindet.
Grundsätzlich gibt es jedoch unterschiedliche Auffassungen, wie klar und konkret Münster schon jetzt Stellung zu den erst in vielen Jahren denkbaren Gebietsentwicklungen beziehen sollte. Bürgermeister Joachim Schledt (parteilos) etwa ist „nicht der Meinung, das logistische Potenzialgebiet neben Fiege schon auszuschließen, das wäre mir zu früh“. In den vom Ortsparlament zum Jahresende beschlossenen Anregungen, die im Zuge der Offenlage des Regionalplan-Entwurfs eingebracht worden sind, plädiert die Gemeinde nun aber zumindest dafür, im Gebiet an der B26 die Logistikbindung rauszunehmen. Was freilich nicht heißt, dass das im finalen Regionalplan (der allerdings erst in mehreren Jahren fertig sein und Gültigkeit erlangen dürfte) auch so berücksichtigt werden wird.
(Text: jedö)

