IHK Darmstadt: Jahresauftakt ohne Schwung

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(Symbolfoto: Janno Nivergall auf Pixabay)

Der südhessischen Wirtschaft fällt es schwer, sich aus der Rezession zu befreien. Zwar laufen die Geschäfte etwas besser als im Herbst, doch die Unternehmen bleiben pessimistisch. So lauten die zentralen Erkenntnisse der Konjunkturumfrage der IHK Darmstadt zu Jahresbeginn.


Die südhessische Wirtschaft schafft es nicht, sich aus der Rezession zu lösen. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Darmstadt Rhein Main Neckar, für die rund 900 Unternehmen aus der Region befragt wurden. Einen kleinen Schritt nach vorne macht das verarbeitende Gewerbe, vor allem die Industrie. Der Einzelhandel dagegen ist vom Weihnachtsgeschäft enttäuscht und sieht die Zukunft mit Sorge. Im Dienstleistungssektor sind die Einschätzungen durchwachsen.
Geschäftsklimaindex weiter unter Wachstumsschwelle

Der IHK-Geschäftsklimaindex fasst Lage und Erwartung der Unternehmen zusammen. Gegenüber Herbst 2025 gewinnt der Index zwei Punkte. Mit aktuell 90 Punkten verharrt er jedoch deutlich unter der Wachstumsschwelle von 100 Punkten. Nur 19 Prozent der befragten Unternehmen in Südhessen beurteilen ihre Lage als gut; 55 Prozent sehen sie als befriedigend, 26 Prozent als schlecht. Der Saldo aus zufriedenen und unzufriedenen Unternehmen legt gegenüber Herbst zwar um drei Punkte zu, liegt mit minus sieben Prozentpunkten aber weiterhin im negativen Bereich. „Die Konjunktur passt zur Jahreszeit. Der Frühling kann sich nicht durchsetzen“, bewertet Robert Lippmann, Hauptgeschäftsführer der IHK Darmstadt Rhein Main Neckar, die aktuelle Befragung. Bemerkenswert sei jedoch, dass die Industrie ihr Auslandsgeschäft besser bewerte als im Herbst. „Die Weltkonjunktur stützt aktuell, und neue Freihandelsabkommen bieten Perspektiven. Das mildert zumindest teilweise die Unsicherheit im US-Geschäft ab“, ordnet Lippmann ein.

Nur wenige Investitionen geplant

Die Zukunftserwartungen sind kaum optimistischer als in der Herbstumfrage. Nur zwölf Prozent der Unternehmen rechnen mit einer Verbesserung der Situation, 62 Prozent glauben, dass es so bleibt, wie es ist. Mehr als jedes vierte Unternehmen (26 Prozent) befürchtet eine weitere Verschlechterung. Damit liegt der Saldo aus positiven und negativen Erwartungen bei minus 14 Prozentpunkten (plus ein Punkt gegenüber Herbst). „Die Wachstumskräfte bleiben schwach. Von einem selbsttragenden Aufschwung sind wir noch weit entfernt“, erläutert IHK-Konjunkturexperte Peter Kühnl. „Solange Planungssicherheit und nichtstaatliche Nachfrageimpulse fehlen, bleiben die Unternehmen bei Personal und Investitionen zurückhaltend.“ So wollen nur 21 Prozent der Unternehmen mehr investieren, während 36 Prozent angeben, dass sie kürzen müssen. Bei Einstellungen sind die Unternehmen noch zurückhaltender.

Inlandsnachfrage, Qualität der Wirtschaftspolitik und Arbeitskosten stellen die größten Risiken dar

Die drei größten wirtschaftlichen Risiken sind aus Sicht der südhessischen Unternehmen die gleichen wie im Herbst: 59 Prozent der Betriebe nennen die Entwicklung der Arbeitskosten als Risiko für die weitere wirtschaftliche Entwicklung (plus zwei Prozentpunkte). „Hier wirken sich die Anpassungen beim Mindestlohn zum Jahreswechsel aus“, sagt Lippmann. Der Mindestlohn bilde in vielen Betrieben die Basis für die weitere Lohngestaltung. „Die Mindestlohnanhebung setzt Lohnstrukturen insgesamt unter Druck – bis in höhere Entgeltgruppen hinein“, erläutert der IHK-Hauptgeschäftsführer. „Das stellt eine weitere Kostenbelastung dar, die sich in vielen Fällen nicht am Markt weiterreichen lässt.“
Die Qualität der Wirtschaftspolitik sehen 62 Prozent der Betriebe als Risiko (minus drei Prozentpunkte). „Wir brauchen spürbare Entlastungen, die Unternehmen im Alltag merken: weniger Bürokratie, schnellere Verfahren und wettbewerbsfähige Standortkosten“, so Lippmann. Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt, dass in den letzten drei Jahren umgerechnet 325.000 Vollzeitstellen in deutschen Betrieben entstanden sind, um gesetzliche Vorgaben und Dokumentationspflichten zu erfüllen. „Dass Unternehmen sich hierzu gezwungen sehen, ist eine besondere Form staatlichen Versagens“, kommentiert Lippmann. „Die Arbeitskraft und das Geld fehlen für produktive Arbeit und Innovationen.“

Als größtes Risiko sehen die südhessischen Unternehmen weiterhin die Inlandsnachfrage. Diese Auffassung äußern zwei von drei Unternehmen (67 Prozent, unverändert). „Das Sondervermögen kann Nachfrageimpulse setzen – entscheidend ist aber, dass daraus ein dauerhafter Effekt entsteht“, sagt Lippmann. Aus dem Sondervermögen erhalten die kreisangehörigen Kommunen in Südhessen allein in der ersten Tranche über 300 Millionen Euro. „Wichtig ist, dass diese Mittel bestimmungsgemäß eingesetzt werden und in den kommunalen Haushalten keine Verschiebebahnhöfe entstehen“, so der IHK-Hauptgeschäftsführer. „Die Mittel aus dem Sondervermögen müssen den Grundstein für ein dauerhaftes Wachstum legen. Andernfalls bleiben am Ende nur mehr Ausgaben, mehr dauerhafte Verpflichtungen, mehr Belastung – ohne strukturellen Zugewinn an Wettbewerbsfähigkeit.“

Der vollständige Konjunkturbericht Jahresbeginn der IHK Darmstadt steht unter https://www.ihk.de/darmstadt/konjunktur

(Text: PM IHK Darmstadt)