
Gemeinsames Projekt mit der TU Darmstadt und der Universität in Würzburg
Den Wald bewusst zu erleben, das kann mehr sein als tief einzuatmen, die Ruhe zu genießen und vielleicht nach dem ein oder anderen Tier Ausschau zu halten. Wer in Alsbach-Hähnlein das nächste Mal südlich des Alsbacher Spielplatzes „Wiedemann am Schloss“ unterwegs ist, wird dazu eingeladen, sich bewusst und (selbst)kritisch mit seiner Umgebung auseinanderzusetzen.
Dem ein oder der anderen dürften die insgesamt zehn beschilderten Stationen am Wegesrand bereits aufgefallen sein. Sie sind das Ergebnis eines interdisziplinären Foschungsprojekts der TU Darmstadt (unter Leitung von Frau Prof. Janich) sowie der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg. Die Idee, sich mit Nutzungskonflikten im Wald zu beschäftigen, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen und damit für mehr Waldnaturschutz zu sorgen, fanden die politischen Mandatsträger in Alsbach-Hähnlein so überzeugend, dass der ursprünglich auf Antrag der Initiative Umweltschutz beschlossene Waldlehrpfad für die Gemeinde jetzt in in dieser besonderen Form Realität wurde.
„Nachhaltiger Waldnaturschutz – nachhaltige Waldkommunikation. Der Wald als Diskursarena zwischen Klima- und Biodiversität“ so der offizielle Titel des Projekts, das durch das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) gefördert und vergleichbar bereits in Darmstadt umgesetzt wurde.
Und weil der etwa 3 Kilometer lange Rundweg weniger (be)lehren, sondern zur Selbstreflexion anregen soll, ist er tatsächlich mehr „Walddenkpfad“ als „Waldlehrpfad“.
Doch wie funktioniert’s? An den insgesamt zehn Stationen entlang der Route werden verschiedene Aspekte des Waldes aufgegriffen und die Besucher/innen und Besucher dazu angeregt, sich selbst zwischen verschiedenen vorgegebenen Antwortmöglichkeiten auf vermeintlich einfache Fragen zu positionieren. Ein paar Beispiele: Welche Baumarten sollten aus Ihrer Sicht im Wald wachsen? Wie nutzen Sie den Wald am liebsten? Was soll mit offenen Flächen im Wald passieren? Würden Sie Rehe stärker bejagen lassen? … oder auch: „Wie soll der Wald bewirtschaftet werden?“
Jeder Antwortmöglichkeit zu den einzelnen Fragen ist dann ein Symbol zugeordnet – und je nach Häufigkeit der individuell gewählten Symbole ergibt sich nach Beantwortung aller zehn Fragen dann ein „Waldtyp“, dem man sich zurechnen darf. Entsprechend stark gewichtet sind dabei am Ende die Aspekte „Ressourcen“, „Aktivität“, „Naturschutz“, „Profit“ oder „Erholung“ – mit dem differenzierten Ergebnis, dass es kaum möglich ist, trotz Fokus auf einen bestimmten „Waldtyp“ alle anderen Funktionen des Forstes auszublenden.
Über QR-Codes lassen sich an den Stationen dabei vertiefende Informationen zum jeweiligen Themenschwerpunkt einholen. „Mit dem neuen Lehrpfad möchten wir dazu anregen, die eigene Haltung zu reflektieren und Verständnis für andere Sichtweisen zu entwickeln“, betonten zuletzt Vertreterinnen und Vertreter beider Forschungsinstitutionen.
Bürgermeister Sebastian Bubenzer ergänzt: „Die Idee des Walddenkpfads empfinde ich als äußerst gelungen. Denn die Funktionen eines Waldes sind so vielschichtig wie die Interessen jener, die den Forst nutzen. Hier gegenseitig Verständnis für unterschiedliche Herangehensweisen zu etablieren, hilft am Ende, zu erkennen, dass viele Menschen das gleiche Ziel verfolgen: Einen vitalen Wald, der möglichst facettenreich einen Mehrwert für eine größtmögliche Zahl an Menschen bietet.“
Im Rahmen der Einweihung des neuen Walddenkpfads richtete die Gemeinde ihren Dank an Frau Prof. Janich von der TU Darmstadt sowie alle beteiligten Studentinnen und Studenten, den Bauamtsfachbereichsleiter Arndt Hornicek für die Koordination des Themas sowie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ZKD, die dafür gesorgt hatten, dass die Schilder jetzt auch standsicher an Ort und Stelle montiert wurden. „Nicht zuletzt danken wir unserem Revierförster Dirk Hungenberg von Hessen Forst, der täglich dafür im Einsatz ist, „unseren Wald“ für die Zukunft zu erhalten“, heißt es darüber hinaus aus dem Rathaus.
Wer den Walddenkpfad persönlich entlang laufen wollte, sollte etwas Zeit mitbringen. Es gehe nach Aussage der Gemeinde schließlich nicht um Geschwindigkeit, sondern bewusstes Erleben. Start und Ziel sind direkt südlich des Spielplatzes „Wiedemann am Schloss“. Übrigens: Wer gerade nicht gut zu Fuß ist, kann den Pfad auch online nachvollziehen – unter https://walddiskurs.de/.
(Text: PM Gemeinde Alsbach-Hähnlein)
