
Eine Ausstellung in der Liebigschule entwickelt Szenarien über eine Welt, in der rechtsextreme Parteien regieren
Was wäre, wenn Rechtsextremismus Alltag würde – davon haben die Schülerinnen und Schüler der Liebigschule in Frankfurt eine ziemlich klare Vorstellung: die Solidarität wird abgeschafft, Meinungen werden zensiert, Personalausweise der „Deutschen Republik“ enthalten Angaben über den Aufenthaltsstatus und Rassenreinheit, die Sprache wird zur Waffe und die Menschenwürde wird verhandelbar gemacht. So ist es auf Plakatwänden einer Ausstellung zu lesen, die am Donnerstag, 12. Februar, in der Aula des Gymnasiums in Westhausen eröffnet wurde.
„Was wäre, wenn … Eine Welt ohne Menschlichkeit“ lautet der Titel der Ausstellung, die mit Unterstützung des Projekts Partnerschaft für Demokratie (PfD) entstanden ist. Anhand eines szenischen Raums beziehungsweise einer Plakatserie („Deutschland 2035 – Eine rechtsextreme Partei regiert“) sowie fiktiver Medieninhalte („Frankfurter Zeitschrift 2040“, „Tagebuch einer Person in einer rechtsextremen Welt“) thematisiert die Ausstellung die Bedeutung von Menschenrechten, Vielfalt und Zivilcourage sowie solidarischem Handeln.
Bürgermeisterin und Diversitätsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg, in deren Dezernat das PfD-Projekt angesiedelt ist, lobte das „großartige Engagement der Schule, das mit dieser Ausstellung deutlich wird“. Direkt nach der Ausschreibung der geförderten PfD-Projekte habe sich die Schule gemeldet. Die Ausstellung reagiere darauf, dass rechte Kräfte stärker werden. „Wir müssen gemeinsam dafür sorgen, dass die Würde des Menschen unantastbar bleibt.“
Dass sich Jugendliche mit ihren Sorgen und Ängsten oft allein gelassen fühlen, wurde in der anschließenden Podiumsrunde deutlich. „Wir machen uns Sorgen, werden aber nicht einbezogen“, sagte Oberstufenschüler Jeremy. Sein Mitschüler Amin ergänzte: „Wir fühlen uns nicht vorbereitet auf das, was kommt.“ Johannes Lauterwald, Vorsteher des Ortsbeirats 7, nannte die aktuelle Situation für die Demokratie „bedrohlich. Viele Positionen haben sich nach rechts verschoben.“ Hoffnung machten ihm die vielen Initiativen im Stadtteil.
Dass Wegsehen bei Rassismus und Ausgrenzung keine Option sei, betonte Politiklehrer Andreas Heiniger. Es gehe darum, die gegen die Demokratie gerichtete Entwicklung zu stoppen. „Zivilcourage kann man lernen“, sagte Eskandari-Grünberg. Wie das gehen kann, beschrieb Schüler Amin so: „Es ist wie ein Marathonlauf, auch der fängt mit dem ersten Schritt an.“
(Text: PM Stadt Frankfurt)
