
Jodelkünste und interaktive Technikgeschichte
Zu Jahresbeginn musste das Flipper- und Arcademuseum Seligenstadt unerwartet seine Türen schließen. Gebrochene, tragende Dachbalken hatten das Dach einsturzgefährdet – ein Weiterbetrieb war aus Sicherheitsgründen nicht mehr möglich. Mit der Schließung brachen zugleich sämtliche Einnahmen weg. Für den ehrenamtlich geführten Trägerverein For Amusement Only e. V. bedeutete dies eine existenzielle Herausforderung.
Das Museum finanziert sich ausschließlich über Mitgliedsbeiträge sowie die Eintrittsgelder des monatlich stattfindenden „Offenen Samstag“. Ohne laufenden Betrieb geriet der Verein in eine angespannte finanzielle Lage. Sieben Monate dauerte die Zwangspause. Dank der Spendenkampagne „Museumsretter 2025“ gelang es jedoch, die Fixkosten während dieser Zeit zu decken und den Fortbestand des Museums zu sichern. Zahlreiche Unterstützerinnen und Unterstützer aus der Community trugen dazu bei, diese kulturelle Einrichtung zu erhalten. Parallel dazu wurde das Dach durch die Vermieterin fachgerecht saniert. Im Januar 2026 konnte das Museum schließlich den regulären Betrieb wieder aufnehmen. Als Zeichen des Dankes lud der gemeinnützige Verein seine Förderinnen und Förderer zu einer feierlichen Wiedereröffnung ein. Nach einem Sektempfang und der offiziellen Begrüßung würdigten Ehrengäste in ihren Ansprachen die Bedeutung des Museums als lebendigen Ort der Technik- und Spielkultur.

Ein besonderer Höhepunkt des Abends war der Auftritt von Takeo Ischi. Der in Deutschland bekannte jodelnde Japaner präsentierte zunächst im traditionellen Kimono ein japanisches Lied, bevor er in Lederhose mit seinen Jodelkünsten begeisterte. Kurz vor der Zwangsschließung des Museums hatte der Künstler sein Musikvideo zum Song „Endboss“ im Museum gedreht. Auf der Suche nach einer zeitgemäßen Interpretation des Jodelns griff er dabei die eingängige Melodie des Kultspiels Tetris auf – die er auch an diesem Abend live zum Besten gab. Bereits bei der Verleihung des Deutschen Computerspielpreis in Berlin hatte Ischi die Vertreter des Museums getroffen und dort die Laudatio auf das Flipper- und Arcademuseum Seligenstadt gehalten, das bei der Veranstaltung ausgezeichnet wurde. Im Anschluss erwartete die Gäste ein Buffet sowie die Möglichkeit, an einem unterhaltsamen Spaßturnier an ausgewählten Geräten teilzunehmen.
Doch auch ohne Wettbewerb kam keine Langeweile auf: Rund 240 spielbereite Flipper- und Arcadegeräte stehen im Museum bereit und laden dazu ein, Technikgeschichte interaktiv zu erleben. Mit der erfolgreichen Wiedereröffnung ist nicht nur ein Stück Spielkultur erhalten geblieben – das Museum hat zugleich eindrucksvoll bewiesen, wie stark der Rückhalt in der Gemeinschaft ist.
(Text: ah)
